4. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr 1920 auf 1930 begann am 15. April 1920. Es wird am 5. April 1930 endigen.
Das abgelaufene Schuljahr brachte manche Veränderung in der Fuſammenſetzung des Lehrkörpers. Mit Wirkung vom I. April 1929 wurde Pfarrer Beyrich von Münzenberg zum Studienrat an unſerer Schule ernannt. Oberreallehrer Thierolf ſah ſich genötigt, aus Geſundheits⸗ rückſichten einen Urlaub bis Ende Auguſt zu nehmen; er trat infolge der Erreichung der Altersgrenze am l. September 1929 in den Ruheſtand. Auch Oberſtudienrat Profeſſor Friedrich Götz mußte Urlaub nehmen und ließ ſich mit Wirkung vom J. Juli 1920 in den Ruheſtand verſetzen. Die„Offen⸗ bacher Zeitung“ ſchrieb damals:„Mit Profeſſor Götz iſt ein Mann aus dem höheren Schuldienſte aus⸗ geſchieden, der es um die ihm anvertraute Jugend verdient hat, daß ſeiner beſonders gedacht werde. Chriſtian Friedrich Götz iſt am 2. Februar 1866 zu Darmſtadt als Sohn des Kaufmanns Hermann Götz geboren. Er beſuchte zunächſt das Maureriſche Inſtitut ſeiner Vaterſtadt und ſpäter die Oberralſchule zu Alsfeld. Alsdann ſtudierte er an den Uöniglichen Kunſtakademien zu Düſſeldorf und München und an der Großherzoglichen Kunſtſchule zu Karlsruhe. Am 3. Auguſt 1883 beſtand er zu Düſſeldorf die Prüfung für Zeichenlehrer an höheren Lehranſtalten und wirkte von 1886 bis 1888 als Zeichenlehrer an der hand⸗ werkerſchule zu Darmſtadt. Von Oſtern 1888 bis Herbſt 1880 und dann wieder vom Oktober 1890 bis Juni 1891 war er aushilfsweiſe an dem Realgymnaſium und der Realſchule zu Offenbach a. M. tätig. Von hHerbſt 1889 bis Herbſt 18900 diente er als Einjährig⸗Freiwilliger beim Infanterie⸗Regiment Nr. 118 zu Offenbach a. M. Am 9. Juni 1801 wurde er zum Lehrer an dem Realgymnaſium und der Realſchule als Machfolger des Zeichenlehrers Karl Bode ernannt. Zum 11. September 1901 erhielt er den Charakter als„Profeſſor“. Als die Oberrealſchule zu Oſtern 1903 ſich von dem Gymnaſium trennte und ſelbſtändig wurde, trat Profeſſor Götz zur Oberrealſchule über. Seine Pflichttreue und ſein Eifer fanden ſtets die gebührende Anerkennung, und am 25. November 1910 verlieh ihm Großherzog Ernſt Ludwig das Ritterkreuz erſter Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen. Mit Wirkung vom 1. Okober 1927 wurde er zum„Oberſtudienrat“ ernannt. Profeſſor Götz iſt ein vornehm geſinnter Mann mit feinſinnigem Kunſtverſtändnis. Er wußte ſeinen Schülern Freude an ſeinen Unterrichtsgegenſtänden einzuflößen und erzielte ſo ſchöne Erfolge. Die herzlichſten Wünſche ſeiner Amtsgenoſſen und Schüler begleiten ihn in den Ruheſtand; möge er ſich ſeiner noch viele Jahre erfreuen.“ An einem ſchönen Sommernachmittag des Auguſts unternahmen wir einen Spaziergang nach dem ſchattigen Garten der Gerbermühle, wo wir noch einige frohe Stunden mit dem ſcheidenden Amtsgenoſſen verbrachten. Als Nachfolger ward mit Wirkung vom 12. Auguſt 1929 Zeichenlehramtsanwärter Ernſt Schmidt von Mainz⸗UMaſtel berufen. Studienrat Dr. Göttelmann wurde zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit bis Herbſt beurlaubt und mit Wirkung vom 14. Oktober 1920 an die Realſchule zu Langen verſetzt. Als Erſatz erhielten wir Studienrat Göttig von der Iſenburger Realſchule, der zu Oſtern 1929 in unſeren Lehrkörper eintrat. Studienaſſeſſor Dr. Herz wurde ab 14. Oktober 1029 für ein Jahr aus dem heſſiſchen Schuldienſte nach Berlin beurlaubt, ein Machfolger wurde nicht ernannt.— Studienrat Göttig beſuchte vom 15.—18. Mai 1920 die Schul⸗ muſikaliſche Tagung zu Wiesbaden, Muſikoberlehrer Mammer die 8. Reichsſchulmuſikwoche zu Hannover vom 30. September bis 5. Oktober 1929. Beide Tagungen hatte das Fentralinſtitut für Erziehung und Unterricht zu Berlin veranſtaltet.— Herr Staatsrat Block beehrte die Schule wiederholt mit ſeinem Beſuche, ſo am 7. Mai 1920 und am 16. Januar 1930. Wegen der Reifeprüfungen vom 20. März, 13. Mai, 10. September und 21 September 1929, 7. März und 13. März 1930 verweiſen wir auf Seite 10 und I1 dieſes Berichtes. Hier ſei nur bemerkt, daß die Prüfungen vom 20. März, 10. September 1929 und 13. März 1030 hHerr Staatsrat Block leitete, die vom 13. Mai 1929, an der nur ein Nichtſchüler erfolglos teilnahm, vom 21. September 1920 und 7. März 1930 der Direktor.— Am 28. Ok⸗ tober 1929 hielt der Herr Biſchof Dr. Ludwig Maria hugo von Mainz eine Religionsprüfung unſerer katholiſchen Schüler ab.
Der regelmäßige Fortgang des Unterrichts wurde durch Veranſtaltungen mancherlei Art unter⸗ brochen. Am 6. Mai 1929 hielt Herr Privatdozent Dr. Fritzler von Frankfurt a. M. vor unſeren Schülern einen Werbevortrag für den„Verein für das Deutſchtum im Auslande“(V. D. A.).— Am 28. Juni 1929 wurde in allen laſſen, der Altersſtufe entſprechend, der 10 jährigen Wiederkehr des Tages gedacht, an dem zu Verſailles der Friedensvertrag unterſchrieben werden mußte. Hierbei wurden an die Schüler der Oberklaſſen 87 Stück der Schrift„Verſailles“ von Uarl Bröger verteilt, die uns der „Arbeitsausſchuß deutſcher Verbände“ dankenswerterweiſe überlaſſen hatte.— Den Jugendfeiertag begingen wir am 24. Juni 1929. Studienrat Dr. Shrhard ſprach über Fr. L. Jahn deſſen wohl⸗ gelungenes Bildnis nun unſere Turnhalle ziert. Die von der Stadtverwaltung geſtifteten Feſttagsbrezeln wurden freudig und dankbar begrüßt. Dann zogen wir hinaus auf unſere Spielplätze.— Bei der Ver⸗ faſſungsfeier am 17. Auguſt 1920 war die Anſprache Studienrat Schachner zugefallen. Das Gedenkbuch zum 10. Verfaſſungstage„Deutſche Sinheit, deutſche Freiheit“ wurde hierbei dem Oberprimaner Walter hufbauer überreicht. Die Verfaſſungsbrezeln der Stadtverwaltung löſten bei unſerer Jugend die gleiche Befriedigung aus wie die Brezeln des Jugendfeiertages.— Die vom„heimatdienſt“
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