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Auch in diesem Jahre wurde bald nach der Reifeprüfung, am 10. März, eine öffent- liche Schulfeier zur Entlassung der Abiturienten abgehalten. Gewissermassen als Vorfeier zu der 100. Wiederkehr von Schiller's Todestag wurde hierbei ein Auftritt aus„Wilhelm Tell“ von Unterprimanern zur Aufführung gebracht. Die schwierige Auf- gabe, der dabei benutzten, ganz offenen Bühne das Aussehen einer Gebirgslandschaft zu verleihen, war von Herrn Professor Götz in wahrhaft künstlerischer Weise gelöst worden. Ausserdem trugen zum Gelingen des ganzen Festes die tüchtigen Leistungen des wieder neu gebildeten und von Herrn Kammer in dankenswertester Mühewaltung eingeübten Schülerorchesters wesentlich bei.
Der Gesundheitszustand der Lehrer war, abgesehen von der längeren Erkrankung des Herrn Provence und einem heftigen Krankheitsanfall des Herrp Assessor Uhl, nicht ungünstig. Dagegen kamen unter den Schülern, besonders denen der unteren Klassen, in den Wochen vor Weihnachten so zahlreiche influenzaartige Erkrankungen vor, dass in einigen Klassen über ein Drittel der Schüler am Schulbesuch verhindert war.
Im Sommer(8. August 1904) wurde uns ein sehr braver Schüler, der Untertertianer Friedrich Hirth, der schon lange mit einem schweren Herzleiden rang., durch den Tod entrissen. Die Familie hatte eine Beteiligung der Schule an der Bestattung dankend abgelehnt.
Eine nicht geringe Sorge bereitete uns die im vorigen Schuljahr neben dem Haupt- gebäude errichtete Schulbaracke. In der Decke derselben hatten sich, ohne dass es von unten auffällig war, einige Hölzer verzogen; ein Balken verlor dadurch den Halt und stürzte am Nachmittag des 13. Dezember herunter, zum grössten Glücke gerade in der Pause, so dass niemand verletzt wurde. Die Baracke wurde sofort abgeschlossen und alsdann einer gründlichen Ausbesserung unterzogen, die hauptsächlich darin bestand, dass alle Deckenhölzer verschraubt wurden. Am 7. Januar konnte sie der Benutzung wieder übergeben werden.—
Dadurch dass die Schülerzahl abermals ganz bedeutend zugenommen hat, ist es notwendig geworden, von Ostern 1905 ab die Quarta und Quinta in je 3 Parallelklassen zu teilen und dementsprechend 3 weitere Lehrerstellen einzurichten. Zur vorläufigen Unterbringung der neuen Klassen sind Räume in einem Hause in der Glockengasse in Aussicht genommen.
Nach den bisherigen Erfahrungen ist mit Sicherheit zu erwarten, dass nun in jedem folgenden Jahre weitere Teilungen überfüllter Klassen notwendig werden. Die daraus sich ergebenden Schwierigkeiten in der Raumbeschaffung und der Organisation können unseres Erachtens nur durch Errichtung einer zweiten Realschule(mit den Klassen Sexta bis Untersekunda einschl.) gehoben werden, für die— in einem anderen Teile der Stadt— ein zweckentsprechender Neubau zu errichten wäre.
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