III. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr begann Montag, den 15. April 1920 mit den Aufnahmeprüfungen. Ab 16. April lief der volle lehrplanmäßige Unterricht.
Wenige Wochen nach Beginn des Schuljahres wurde der langjährige Leiter der Höheren Mädchenſchule, ſpäter Lyzeum, nach dem Ausbau zur Vollanſtalt, der ſein Verdienſt iſt, Oberlyzeum, zuletzt Studienanſtalt,
Profeſſor Dr. Jakob Hellwig, Oberſtudiendirektor
unverſehens mitten aus amtlicher Tätigkeit durch plötzlich eintretenden Tod herausgeriſſen. Seit Herbſt 1916 ſtand er der Anſtalt vor und führte ſie mit Pflichttreue durch die ſchweren Uriegs⸗ und Machkriegsjahre, ja es gelang ihm ſogar, den Offenbacher Schülerinnen die Ablegung der Reifeprüfung am Heimatort in der ſeit 1926 aufgebauten Anſtalt zu ermöglichen. Noch ſtand als Ziel die Errichtung eines Landheims vor ihm. An einem Elternabend am 31. Mai 1929, der der Löſung dieſer Aufgabe dienen ſollte, wurde er während der Veranſtaltung von uns gerufen und ſtarb in den Räumen der Anſtalt. In warm gehaltenen, ehrenvollen Nachrufen gedachten der Lehrkörper, das Kuratorium und die Stadtverwaltung Offenbach des bewährten Schulmannes und ehrten ihn am Grab durch Kranzniederlegungen. Für den Lehrkörper tat dies Oberſtudienrat Dr. Schrod, indem er einen Rückblick über die langjährige dienſtliche Tätigkeit des Verſtorbenen, ſein Vertrauensverhältnis zu dem Lehrkörper und ſeine Verdienſte um die Entwicklung der Schule gebührend würdigte.
Der Lehrkörper.
Die Dienſtgeſchäfte des verſchiedenen Direktors verſah vom 1. Juni 1929 bis 14. Oktober 1929 Oberſtudienrat Dr. Schrod. Durch längerere Krankheit mußten im Sommerhalbjahr dem Unterricht fernbleiben Studienrat Stöhr, Studienrat Salzmann und Studienrat Braun. In die Vertretung der erkrankten Lehrer mußte ſich das Lehrerkollegium teilen. Zu einem Studienaufenthalt in England waren im Anſchluß an die Sommerferien Studienrat Dr. Mertz und Studienaſſeſſor Dr. Matthes auf 2 Wochen beurlaubt. Mit Wirkung vom 1. September 1929 wurde Reallehrer Quirin zum Ober⸗ reallehrer ernannt. Am 10. Oktober 1929 übertrug der Herr Miniſter für Kultus und Bildungsweſen dem bisherigen Leiter der Oberrealſchule Michelſtadt, Oberſtudiendirektor Dr. Karl Weiner, die Leitung der Studienanſtalt. Der Ernannte übernahm ſeinen Dienſt am 14. Oktober 1929. Gegen Ende des Schuljahres waren Studienrat Buri und Reallehrerin Lahr durch längere Krankheit verhindert, ihren Unterricht durchzuführen und mußten durch die übrigen Lehrperſonen vertreten werden.
Schulfeiern, Tagungen, Lehrgänge.
An der Tagung des Deutſchen Vereins zur Förderung des mathematiſchen und naturwiſſenſchaft⸗ lichen Unterrichts in Breslau vom 2.— 6. April 1929, verbunden mit einer Fahrt ins Induſtriegebiet und in das Grenzdeutſchland nahm Studienrat Lohnes teil. Am 3. Juli beſuchten 134 Schülerinnen der Tertien die Tellaufführung im Schauſpielhaus Frankfurt a. M. Vom 4.— 6. Juli beteiligten ſich die Studienräte Grau und Grundberger an der botaniſchen Wanderung durch Starkenburg. Während die Anſtalt den Jugendfeiertag am 24. Juni in der Weiſe beging, daß ſämtliche Klaſſen nach dem Gravenbruch auszogen, um dort bei Vorträgen von Gedichten und Liedern, muſikaliſchen Darbietungen und Volkstänzen ſich lebhaftem Treiben hinzugeben, wurde am 17. Auguſt in der Turnhalle der Anſtalt der VYerfaſſungstag, der in die Ferien gefallen war, nachgefeiert. Die Feſtanſprache hielt Studienrat Buri. Am 4. September hielten die Alaſſenführer zum Gedenken der glücklichen Landung des deutſchen Luft⸗ ſchiffs„Graf Zeppelin“ nach ſeinem Weltflug Anſprachen; danach fiel der Unterricht aus. Am 5. September unternahm die ganze Anſtalt bei herrlichſtem Wetter eine Rheinfahrt bis zum Deutſchen Eck in Koblenz. Die techniſche Anwärterin Lang beſuchte am 21. September den Turnlehrertag in Nidda. An der
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