IV Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr begann Montag, den 25. April 1927 mit den Aufnahmeprüfungen und Dienstag, den 26. April mit dem lehrplanmäßigen Unterricht. Aus dem vorigen Schuljahre holen wir nach, daß, nachdem die erſte mündliche Reifeprüfung am 1. März 1927 ſtattgefunden hat, der Ausbau der Studienanſtalt vollzo⸗ gen iſt. Zu Anfang des Schulfahres wurde Herr Aſſeſſor Wermbter nach Darmſtadt(Realgymnaſium) be⸗ rufen. An ſeine Stelle trat Frl. Referendarin Johanna Kreß nach Beendigung ihrer Ausbildung am päda⸗ gogiſchen Seminar der Studienanſtalt Gießen. Herr Pfarrer Lic. Dr. Wilhelm Reuning, ſeit 4. Januar 1926 Verwalter einer Studienratsſtelle für evang. Religion, wurde m. W. v. 1. April 1927 als Studienrat ange⸗ ſtellt. Den Unterricht des zum Domkaplan in Mainz ernannten Herrn Kaplan J. Heitkämper(St. Paul) übernahm am 1. Mai 1927 Herr Kaplan Nikolaus Schumacher vom Dom in Worms. Frl. Schulamts⸗ anwärterin Hilde Wagner, die während ihres 2. Anwärterjahres zum Hoſpitieren zugelaſſen wurde, übernahm aushilfsweiſe einige Stunden im Laufe des Jahres, ferner ſeit Oſtern den freireligiöſen Unterricht(2Stunden in VI bis IV), den Herr Lehrer Heinrich Diel am Schluſſe des vorigen Schuljahres niedergelegt hatte. Herr Lehrer Diel, der ſeit Oſtern 1912 bei uns gewirkt hat, danken wir auch an dieſer Stelle für ſeine der Schule geleiſteten Dienſte. Am 8. Mai verſchied Herr Hilfsſchuldiener i. R. Wilhelm Beichert, der von Septem⸗ ber 1907 bis 16. März 1924 an unſerer Schule tätig war. Im Namen des Lehrkörpers widmete ihm am Grabe der Unterzeichnete mit ehrenden und ſeine Verdienſte anerkennenden Worten eine Kranzſpende. Am 1. Juni verlieh das Landesamt Herrn Aſſeſſor Almendinger die Amtsbezeichnung als Studienrat. Die Herren Aſſeſſoren O. Seitz und Dr. W. Merz wurden am 1. Juni zu überplanmäßigen Studienräten ernannt. Während der Herbſtferien erkrankte Frl. Lehrerin R. Nube und mußte ſich in das hieſige Stadtkrankenhaus begeben. Mit ihrer Vertretung wurde Frl. Schulamtsanwärterin Eliſabeth Hohnſtädter(Bingen, Lyzeum) ab 17. Oktober betraut.
Am 1. Dezember trat Herr Oberreallehrer Friedrich Meſſinger nach Erreichen der Altersgrenze in den wohlverdienten Ruheſtand. Seine geſamte berufliche Arbeit gehörte der Stadt Offenbach. Nach 18 jähriger Tätigkeit an der hieſigen Mädchenmittelſchule wurde er im Jahre 1899 an die Höhere Mädchenſchule verſetzt, an der er nahezu 29 Jahre hindurch ſegensreich gewirkt, und deren Werdegang zur Studienanſtalt er miterlebt hat. Lehrkörper und Schülerinnen wünſchen dem treuen Amtsgenoſſen und beliebten Lehrer nach erfolgreicher Arbeit einen geſegneten Ruheſtand. Mit der Verwaltung der erledigten Stelle wurde vom 1. Dezember an Frl. Schulamtsanwärterin Marianne Schmidt beauftragt, die vom 9. Januar 1923 bis 1. Oktober 1927 an der Höheren Mädchenſchule zu Quito in Ecuador(Südamerika) verwendet war. Herr Studienrat Heinrich Kurz wurde m. W. v. 1. Januar 1928 an die Realſchule i. E. in Vilbel verſetzt. Für ihn kam von dort Herr Studienrat Friedrich Buri an unſere Schule. Herr Reallehrer Daab wurde m. W. vom 1. Februar zum Oberreallehrer ernannt. Am 11. Februar verſchied im 36. Lebensjahr Frl. Lehrerin Roſa Nube nach ſchwerem Leiden. Ihr Tod bedeutet einen herben Verluſt für die Schule, der ſie ſeit Auguſt 1914 mit ganzer Hingabe gedient hat. Der verdienten und beliebten Lehrerin werden die Amtsgenoſſen und Schülerinnen ein dankbares und treues Gedächtnis bewahren. Bei ihrer Beerdigung legte der Unterzeichnete im Namen des Kuratoriums und des Lehrkörpers Kränze nieder. Mit Wirkung vom 1. März 1928 wurden die Herren Seitz und Buri zu Studienräten ernannt. Zu Studienzwecken war Frl. Aſſeſſorin Dr. Matthes vom 24. Juni bis 6. Auguſt nach England beurlaubt. Herr Studienrat Grau nahm vom 6. bis 12. Juni an dem Lehrgang für Vegetationskunde teil, den die ſtaatliche Stelle für Naturdenkmalspflege in Preußen, verbunden mit der württemb. Stelle für Naturſchutz, unter Leitung des Herrn Dr. Braun-Blanquet, z. Zt. Montpellier, im Gebiete des Oberrheins und des Schwarzwaldes veranſtaltete. Vom 22. bis 27. Au⸗ guſt war Herr Studienrat Dr. Schrod zu geſchichtlichen Forſchungen nach Birſtein beurlaubt, um im dor⸗ tigen Schloſſe Vorarbeiten für die Neuſchaffung des Offenbacher Stadtwappens zu leiſten. Zum Gebrauch einer Kur war Herr Studienrat Grundberger vom 22. September bis 21. Oktober nach Wildbad beurlaubt. Herr Studienrat Pfeifer beſuchte vom 6. bis 13. Oktober einen phyſikaliſchen Fortbildungskurſus in Darm⸗ ſtadt. Vom 1. bis 4. Oktober beteiligte ſich der Unterzeichnete an der Hauptverſammlung des Reichsver⸗ bandes für höhere Mädchenbildung in Stuttgart, am 9. November an der Beratung der Direktoren der heſ⸗
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