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Der Unterricht erfolgt in ſtrenger Befolgung der von Großh. Regierung erlaſſenen. Richt⸗ linien“ für Frauenſchulen. Ungeachtet des Charakters unſerer Frauenſchule als einer Privatanſtalt muß es das Streben der Leitung ſein, auch alle ſonſtigen Vorſchriften der Behörde für die ſtädti⸗ ſchen Frauenſchulen in Darmſtadt und Mainz durchzuführen. Denn nur unter dieſer Vorausſetzung war es möglich, daß unſerer privaten Frauenſchule die ſtaatliche Anerkennung zu teil ward, und daß ſie ihren Schülerinnen dieſelben Vorteile verſchafft wie die unter ſtaatlicher Aufſicht ſtehenden Anſtalten. Dieſe Vorteile beſtehen darin, daß die beiden Frauenſchuljahre bei der Weiterbildung auf einem Handarbeits-, Haushaltungs-, Kindergärtnerinnen- und wahrſcheinlich auch auf einem ſozialen Seminar angerechnet werden können. Da der Beſuch dieſer Anſtalten ſowie auch der Semi⸗ nare für Turn- und Gewerbeſchullehrerinnen erſt mit zurückgelegtem 18. Lebensjahr geſtattet iſt, ſo iſt der Beſuch der Frauenſchule für die Zwiſchenzeit vom 16. bis 18. Lebensjahr zur Erwer⸗ bung einer erweiterten allgemeinen und praktiſchen Bildung und zur Erſparung einer gewiſſen Zeit in der weiteren Ausbildung auf einem ſolchen Seminar von nicht zu unterſchätzendem Wert. Bei Bewerbungen mancherlei Art werden ſchon jetzt, noch mehr aber in Zukunfk, Damen, die das Ab⸗ gangszeugnis einer Frauenſchule aufweiſen können, den Vorzug erhalten, beiſpielsweiſe bei Be⸗ werbungen um die Stelle einer Handarbeitslehrerin an höheren Mädchenſchulen. So wird ſich der Beſuch einer Frauenſchule manchem Mädchen ſpäter ſehr vortkeilhaft erweiſen, die jetzt viel⸗ leicht noch gar nicht daran denkt, dereinſt in einen Beruf einzutreken. Derartige Abgangszeug⸗ niſſe werden nach regelmäßigem Durchlaufen der beiden Klaſſen auch von uns ausgeſtellt; ſie ſtehen nach Verfügungen Großh. Miniſteriums d. J. I den in Darmſtadt und Mainz erworbenen Zeug⸗ niſſen an Wert völlig gleich. Ferner wird Schülerinnen der Frauenſchule, die nach einjährigem erfolgreichen Beſuch dieſer Schule in die Seminarabteilung für Kindergärtnerinnen eintreten wollen, von dem 1 ½ jährigen Ausbildungskurs ½ Jahr erlaſſen, während nach 2 jährigem, erfolg⸗ reichen Beſuch der Frauenſchule nur noch ½ Jahr Ausbildung im Kindergärtnerinnenſeminar verlangt wird. Schülerinnen, die nach 1 jährigem, erfolgreichen Beſuch der Frauenſchule in das Seminar für Handarbeitslehrerinnen oder Haushaltungslehrerinnen eintreten wollen und im üb⸗ rigen allen Vorbedingungen entſprechen, ſind von dem Beſuch der für den Eintritt in dieſe Semi⸗ nare eingerichteten Vorkurſe befreit.
In der Hautkpſache will aber die Frauenſchule denjenigen Mädchen dienen, die ſich nicht auf einen Beruf außerhalb des Hauſes vorbereiten. Sie will durch Verkiefung und Erweiterung allgemeiner Geiſtesbildung, ſowie durch Einführung in die praktiſchen Aufgaben der deutſchen Hausfrau und Mutter und— nicht zuletzt— durch Weckung ſozialen Empfindens und Verſtänd- niſſes dazu helfen, daß unſere Schülerinnen den reichen, großen, ſchönen Aufgaben der gebildeten Frau gerecht werden, die ihrer in ihrem ſpäteren Leben innerhalb des Hauſes und der ſozialen Ge⸗ meinſchaft harren. Kaum iſt es nötig, zu erwähnen, daß jetzt, in der wunderbaren Zeit einer patriotiſchen Erhebung ohnegleichen unſere Frauenſchülerinnen auch auf die Pflichten der deutſchen Frau, für ihr Vaterland der großen Zeit würdige Opfer zu bringen, nachdrücklich hingewieſen und ebenſowohl im Koch-, wie im Nadelarbeitsunterricht durch Mitarbeit an den Werken helfen- der Liebe ſchon jetzt an die Erfüllung jener Pflicht gewöhnt werden.
Nach zweijährigem Beſuch verlaſſen uns mik dem Abgangszeugnis am Schluſſe des Schul— jahres die nachſtehenden Frauenſchülerinnen:
Ordn.⸗ Vor⸗ und 3uname Geburts⸗ Geburts⸗Ort Glaubens⸗ Beruf des Vaters Wohnort des Vaters
Nr. Datum bekenntnis
1. Fräulein Luiſe Dern 5. VII. 99 Ulfa(Ur Schotten) evang. Lehrer Offenbach a. M. 2.„ Elſe Flächer 3. III. 99 Offenbach a M. evang. Fabrikant Offenbach a. M. 3.„ Lina Rrumm 2. VI. 99 Offenbach a. M. evang. Fabrikant Offenbach a. M. 4.„ Lina Lachmann 13. IX. 98 Offenbach a. M. frei⸗relig. Fabrikant Offenbach a. M. 5.„ Elſe Lotz 18. V. 98 Offenbach a. M. evang. Optiker † Offenbach a. M. 6.„ hedwig Mantz(4.VIII. 98 Stuttgart, kath. Sanitätsrat Dr. med. Offenbach⸗Bürgel 7. 4 Lena Schmidt 17. V. 99 Offenbach a. M. evang. Chemiker Offenbach a. M. 8.„ Marie Schmidt 9. I. 98 Offenbach a. M. frei⸗relig. Holzhändler † Offenbach a. M.


