Jahrgang 
1904
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I. Schulnachrichten.

A. DVorſtand der Hüheren Mädchenſchule.

. Oberbürgermeiſter W. Brink.

. Gymnaſialdirektor Dr. W. Henſell. . Stadtverordneter H. Unverzagt.

. M. Graf.

. Direktor Dr. Ed. Otto.

B. Zur Geſchichte der Rnſtalt.

Das Schuljahr begann am 20. April vormittags 8 Uhr mit einer gemeinſamen Andacht der ſieben oberſten Klaſſen in unſerer Turnhalle. Hierbei wurde die durch Allerhöchſtes Dekret vom 9. März 1903 mit Wirkung vom Beginne des neuen Schuljahres an unſerer Anſtalt angeſtellte Lehrerin Lili Müller in den Dienſt eingewieſen.(Die ſeitherige Verwalterin der durch den Weggang des Frl. Stamm erledigten Stelle, Frl. C. Erdmann fand an der hieſigen 2. Mädchenbürgerſchule Verwendung.)

Lili Müller, geboren am 2. November 1862 zu Offenbach a. M., beſuchte die Höhere Mädchenſchule ihrer Vaterſtadt, das Seminar der Eliſabethenſchule zu Frankfurt a. M., wo ſie 1882 ihre Prüfung für das höhere Lehrfach beſtand. Nach ſiebenjähriger Tätigkeit als Hauslehrerin trat ſie durch Übernahme einer Lehrer⸗ innenſtelle zu Bieber am 19. Auguſt 1890 in den Staatsdinſt. Ein Dekret vom 10. April 1894 berief ſie an die lI. Mädchenbürgerſchule nach Offenbach, von wo ſie laut Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums vom 9. März 1903 an die Höhere Mädchenſchule daſelbſt verſetzt wurde.

Durch die Aufnahme von 69 neuen Schülerinnen ſtieg die Schülerinnenzahl auf 375. Bald nach Wiederbeginn des Unterrichts, am 5. Mai, beehrte Herr Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth die Schule mit ſeinem Beſuche und nahm an dem Unterrichte mehrerer Klaſſen teil. Veränderungen in dem Perſonal⸗ beſtande des Lehrkörpers haben in dieſem Jahre nicht ſtattgefunden. Der Geſundheitszuſtand der Lehrenden war ſehr günſtig, während der Schulbeſuch der Elementarklaſſen zeitweiſe unter dem Einfluſſe verſchiedener epidemiſcher Kinderkrankheiten zu leiden hatte. Am 16. Februar wurde uns eine liebe und hoffnungsvolle Schülerin, Katharine Mayer(Kl. IX), infolge einer Blinddarmentzündung durch den Tod entriſſen. Ihre Lehrer und ihre Geſpielinnen werden die Frühentſchlafene in gutem Andenken behalten. Die üblichen Monatſpaziergänge wurden regelmäßig ausgeführt, die Bewegungsſpiele in den Sommermonaten ebenſo regelmäßig abgehalten. Der größere Schulausflug fand am 25. Juni ſtatt. Am 20. Februar 1904 beſuchten die Schülerinnen der 1. Klaſſe unter Führung des Direktors eine Aufführung von Leſſings Minna von Barnhelm im Frankfurter Schauſpielhauſe. Unter Aufſicht des Frl. Schäffer nahmen die⸗ ſelben im Laufe des Winters an einer Rezitation vonEnoch Arden im hieſigen Literaturverein und an einem engliſchen Rezitationsabend in der Muſterſchule zu Frankfurt teil, auch hörten ſie nebſt den Schülerinnen der 2. Klaſſe die franzöſiſchen Vorträge des Herrn Lektors Lic. Goetſchy im hieſigen Stadtgarten.

Von einer öffentlichen Feier der vaterländiſchen Gedenktage wurde mit Rückſicht auf die Feier des fünfzigjährigen Beſtehens unſerer Anſtalt diesmal abgeſehen.(S. unten!) Dagegen ſoll das Schuljahr mit einem öffentlichen Feſtakte ſchließen.

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