I Schulnachrichten.
A. Porſtand der Schule.
Oberbürgermeiſter W. Brink. Gymnaſialdirektor Dr. W. Henſell. Stadtverordneter H. Unverzagt.
„ M. Graf. Direktor Dr. Ed. Otto.
B. Zur Geſchichte der Unſtalt.
Noch vor Schluß des Schuljahres 1901/2, am 7. und 8. März 1902, beſuchte Herr Turninſpektor Schmuck die Anſtalt und wohnte dem Unterrichte von 5 Turnabteilungen bei. Der Unterricht des neuen Schuljahres begann am 7. April mit einer gemeinſamen Andacht der 7 oberen Klaſſen. Es traten an dieſem Tage 65 neue Schülerinnen ein, wodurch die Schülerinnenzahl gegen das Vorjahr erheblich ſtieg. Am 4. September beehrte Herr Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth die Anſtalt mit ſeinem Beſuche. Der Schulverwalter Heinrich Rüdinger wurde durch Allerhöchſtes Dekret mit Wirkung vom 16. Juni 1902 an unſerer Schule endgiltig angeſtellt.
Heinrich Rüdinger, geb. am 14. Juli 1877 zu Worms, beſuchte die Präparanden⸗Anſtalt zu Wöllſtein,
ſowie das Lehrerſeminar zu Alzey und beſtand am 16. Mai 1898 die Definitorialprüfung. Vom 14. September 1896
war er in Offenbach tätig und zwar bis 23. Oktober desſelben Jahres an der II. Mädchenbürgerſchule und
hierauf an der I. Mädchenbürgerſchule. Am 3. Juli 1901 wurde ihm durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums die proviſoriſche Verwaltung einer Stelle an der hieſigen höheren Mädchenſchule übertragen.
Auch in dieſem Jahre blieben uns gewiſſe Störungen des Unterrichts nicht erſpart. Herr Rüdinger wurde zu einer mehrwöchigen Reſerveübung eingezogen, die ihn indeſſen, da ſie größtenteils in die Sommerferien fiel, nur etwa 8 Tage der Schule fernhielt. Frl. Schneider ſah ſich durch Krank⸗ heit genötigt, einen vierwöchigen Urlaub(vom 4. Auguſt bis 1. September) nachzuſuchen, der dann bis zum Beginn der Herbſtferien verlängert wurde. Als Vertreterin wurde uns Frl. Cora Erdmann zugewieſen, welche bis dahin an der höheren Mädchenſchule zu Mainz tätig geweſen war.
Am 28. Mai ſtattete Herr Profeſſor Henkel aus Gotha der Anſtalt einen Beſuch ab und nahm an dem Unterrichte mehrerer Klaſſen teil. Das Ende des Sommerhalbjahres brachte der Schule weſentliche Veränderungen. Frl. Julie Stanm erbat nach ihrer Verlobung ihre Entlaſſung aus dem Schuldienſte, die ihr durch Verfügung vom 27. Auguſt mit Wirkung vom 1. Oktober 1902 bewilligt wurde. Die Schule verlor an ihr eine kenntnisreiche und anregende Lehrerin, die durch die lebensvolle Friſche ihrer Perſönlich⸗ keit in hohen und niederen Klaſſen die beſten Lehrerfolge zu erzielen und ſich zugleich die Achtung und das Zutrauen ihrer Schülerinnen in hohem Maße zu gewinnen wußte. Ihre Anhänglichkeit an unſere Anſtalt hat ſie auch nach ihrem Austrit dadurch bewieſen, daß ſie uns im Winter während der Erkrankung einiger Lehrenden mit liebenswürdiger Zuvorkommenheit mehrere Tage ausgeholfen hat. Glaeichzeitig mit Frl. Stamm ſchied der verdienſtvolle Zeichen⸗ und Turnlehrer Karl Bode auf ſein Nachſuchen aus dem Verbande der Schule
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