Jahrgang 
1902
Einzelbild herunterladen

I Schulnaͤchrichten.

A. Porſtand der Schule.

1. Oberbürgermeiſter W. Brink.

2. Gymnaſialdirektor Dr. W. Henſell.

3. Stadtverordneter H. Schmaltz bezw. H. Unverzagt. 4. M. Graf.

5. Direktor Dr. Ed. Otto.

B. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 13. März 1901 wurden die proviſoriſchen Lehrerinnen Angelika Schneider und Bertha Schäffer mit Wirkung vom 1. April 1901 an unſerer Schule

endgültig angeſtellt. Angelika Schneider wurde am 6. März 1871 auf dem Dippelshof bei Craiſa(Wreis Darmſtadt) geboren, beſuchte die höhere Mädchenſchule und das Lehrerinnenſeminar zu Darmſtadt und beſtand am 22. März 1889 die

Prüfung für das höhere Lehrfach. Von Anfang Mai 1889 bis Ende April 1892 wirkte ſie an einer Privatſchule

in Oſthofen, ſeit dem 13. Juni 1892 an der hieſigen 1. Mädchenbürgerſchule, an welcher ſie am 15. Dezember 1897

endgültig angeſtellt wurde. Den Winter 1899/1900 brachte ſie in Paris zu, um ſich im praktiſchen Gebrauche

des Franzöſiſchen weiter auszubilden. Mit Wirkung vom 23. April 1900 wurde ihr die unter Wahrung ihrer

Rechte als definitiv angeſtellter Volksſchullehrerin die proviſoriſche Verwaltung einer Stelle an der hieſigen

höheren Mädchenſchule übertragen.

Bertha Schäffer wurde am 27. April 1866 zu Nidda geboren, beſuchte die höhere Mädchenſchule in

Worms, hielt ſich um ihrer ſprachlichen Ausbildung willen 2 ½ Jahre in England und ½ Jahr in Frankreich

auf und trat zu Oſtern 1892 in die oberſte Klaſſe des Lehrerinnenſeminars zu Darmſtadt ein, wo ſie am

27. Februar 1893 die Prüfung für das höhere Lehrfach ablegte. Nachdem ſie hierauf mehrere Jahre als Haus-

lehrerin thätig geweſen war, fand ſie vom 27. März 1899 bis Oktober 1899 an der höheren Bürgerſchule in

Groß⸗Gerau, vom 1. November bis Oſtern 1900 an der höheren Bürgerſchule für Mädchen zu Oppenheim

Verwendung. Mit Wirkung vom 23. April 1900 wurde ihr die proviſoriſche Verwaltung einer Stelle an der

hieſigen höheren Mädchenſchule übertragen.

Der Unterricht des neuen Schuljahres begann am 15. April mit einer gemeinſamen Andacht in unſerer Turnhalle. Das Sommerhalbjahr brachte in den Gang des Unterrichts einige durch Krankheit von Lehrenden verurſachte Störungen. Frl. Schmalenbach ſah ſich durch ihren Geſundheitszuſtand ge⸗ nötigt, um einen längeren Urlaub nachzuſuchen. Während ihrer Abweſenheit(vom 2. Mai bis 6. Juli) übernahm Frl. Emilie Engelhard von hier, eine frühere Schülerin unſerer Anſtalt, den Handarbeits⸗ unterricht in allen Klaſſen. Auch Herr Geiſtlicher Rat Schäfer erkrankte und mußte vom 20. Mai bis 6. Juli dem Unterricht fernbleiben. Den katholiſchen Religionsunterricht übernahm während dieſer Zeit Herr Rektor Jöckel von hier.

Am 13. Juni wurde uns die Schülerin der VI. Klaſſe Anna Seib durch den Tod entriſſen. Wir verloren in ihr eine wohlerzogene, über ihre Jahre verſtändige und muſterhafte Schülerin. Die Klaſſe und mehrere Mitglieder des Lehrkörpers geleiteten die Verſtorbene zu Grabe.