Jahrgang 
1899
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4. Chronik der Anſtalt.

Am 18. April begann das Schuljahr mit der Aufnahme von 104 neuen Schülern, deren Zahl im Lauf des Jahres um weitere 30 wuchs, ſodaß die Geſamtanſtalt nahe an 700 Schüler zählt. Auch in dieſem Jahre konnte das Lehrerkollegium mit Ausnahme geringfügiger Erkrankungen Herr Goetz und Herr Tönges mußten je eine Woche lang ausſetzen ſich regelmäßig dem Dienſte widmen, während das vorhergehende Schuljahr noch mit einer Erkrankung des Direktors an Influenza ge⸗ ſchloſſen hatte, die ihn 4 Tage lang der Schule, und ſelbſt den Prüfungen fernhielt. Dagegen ver⸗ urſachte die Überwachung der ſchriftlichen Prüfungen(und ſpäterhin der Nachprüfungen) an den beiden Privatanſtalten die leider gewohnten Störungen des regelmäßigen Unterrichts, da wir die Herren Prof. Maul und Storck, ſowie Herrn Steinmetz dafür zu delegieren hatten.

Leider hat der Tod uns einen lieben Schüler, den Eltern ein teures Kind geraubt. Max Schönenberg wurde im Beginn des Schuljahres plötzlich dahin gerafft. Einem geradezu entſetzlichen Geſchick erlag der tüchtige und begabte Unterſekundaner Max Adler, der beim Spielen mit Waffen ſich verſehentlich erſchoß.

Ende Mai mußte Herr Reallehrer Vogt ſeiner ſtark geſchädigten Geſundheit halben, die ihn noch jetzt der Anſtalt fernhält, um Urlaub bitten. Seine Stelle verwaltet Herr Winkler, früher auch in badiſchen Schuldienſten thätig. Dagegen erhielt unſer Lehrerkollegium einen weiteren willkommenen Zuwachs durch Herrn Gymnaſiallehrer Altendorf, der, zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit aus Friedberg beurlaubt, ſich doch durch einige Unterrichtsſtunden beſchäftigten wollte. Er erteilt den griechiſchen Unterricht in IIB. Die proviſoriſchen Lehrer Herr Dr. Dingeldey und Herr Dr. Heräus wurden zu unſerer Freude im Berichtsjahre definitiv angeſtellt, und Herr Profeſſor Proſch erhielt vom Landesherrn für ſeine treuen Dienſte das Ritterkreuz erſter Klaſſe des Philippsordens.

Am 8. Dezember 1898 beehrte Herr Oberſchulrat Prof. Dr. Dettweiler unſere Anſtalt und unterzog ſie durch Beſuch zahlreicher Unterrichtsſtunden einer Viſitation.

Die Reifeprüfung am Gymnaſium fand unter dem Vorſitz des Herrn Geh. Oberſchulrat Soldan am 25. Februar 1898, diejenige an der Realſchule am 24. März unter Leitung des Direktors ſtatt, der zum Regierungskommiſſar ernannt war.(Ueber den Ausfall ſ. S. 11)

Die monatlichen Ausflüge bewegten ſich im vorgeſchriebenen, gewohnten Rahmen; außerdem aber unternahm Herr Profeſſor Dr. Volckmar am 18. November eine geologiſche Exkurſion mit der I. Realklaſſe, und Herr Dr. Heräus beſuchte mit der Unterprima das Aſchaffenburger Pompejanum. Am 25. Februar 1899 beſichtigte Herr Fäth mit der II A. das Mainzer Muſeum.

Unſere vaterländiſchen Feſte feierten wir in der herkömmlichen ſchönen Weiſe: Das Geburts⸗ feſt unſeres landesfürſtlichen hohen Paares allerdings in dem beſchränkteren Raum der Turnhalle, die aber unſer Herr Goetz durch ein vortreffliches lebensgroßes Kreidebild der Gefeierten verſchönert hatte. Herrn Dr. Weißgerbers Feſtrede verherrlichte die ritterliche Geſtalt des Heſſenprinzen, der auf Bulgariens Thron alle, die für echte Menſchen⸗ und Fürſtengröße Sinn haben, bezauberte. Beim Kaiſerfeſt hatten wir die große Halle des Turnvereins gemietet, da wir auch die Eltern einladen und das Feſt in außergewöhnlich erweiterter Form feiern wollten, insbeſondere durch Mitwirkung der muſikaliſchen Kräfte unter unſren Schülern. Der Direktor hielt dabei die Feſtrede überdie Kaiſerbeſtrebungen des Jahres 1848/49. Außer der von Primanern vorgetragenen Rütliſcene boten wir Deklamations⸗Proben in allen an der Anſtalt gelehrten Sprachen und hieran, ſowie an die von Herrn Prof. Roth trefkflich eingeübten Chöre, ſchloß ſich eine lange, aber nie langweilige Reihe von muſikaliſchen Leiſtungen unſrer