Jahrgang 
1898
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4. Chronik der Anſtalt.

Am 26. April 1897 begann mit der Aufnahme von über 100 neuen Schülern das neue Schuljahr, in deſſen Verlauf das Lehrerkollegium glücklicherweiſe von längeren Erkrankungen ver⸗ ſchont wurde und überhaupt größeren Veränderungen nicht unterlag. Während letztere die Tabelle (ſiehe hinten) erkennen läßt, iſt von länger dauernden Erkrankungen nur diejenige des Herrn Profeſſors Dreher zu erwähnen, der ſeit 15. Januar 1898 ſeinen Dienſt durch ſeine Kollegen mußte verſchen laſſen und erſt Anfang März wieder beginnen konnte. Sonſt mußten Herr Schwarzſchild 3 Wochen, die Herren Kollegen Profeſſor Storck, Steinmetz und Vogt Wochen, Herr Provence, Tönges und Herr Kaplan Sartorius etwa 1 Woche ausſetzen. Die Pfingſtferien ſamt einigen Urlaubstagen benutzte Herr Profeſſor Storck zu einer Studienreiſe mit Herrn Profeſſor Sievers⸗Gießen u. a. nach Holland, während Dr. Heraeus ſich an dem Bonner Archäologiſchen Kurſus beteiligte. Etwas ſpäter hatte Herr Profeſſor Dr. Volckmar Urlaub zu einer zehntägigen militäriſchen Uebung und Herr Hamann zu einer Swöchigen, wovon 4 Wochen in die Ferien fielen. Ernennungen ehrten die Kollegen Roth(zum Profeſſor), die Herren Schwarzſchild, Rupp und Wißmann(zu Aſſeſſoren). Letzterer war mit Anfang Juni in das Ordinariat von VI eingetreten.

Am 28. Mai fand eine Viſitation der Anſtalt durch Herrn Geheime Oberſchulrat Soldan ſtatt, und am ſelben Abend traf noch Herr Wirkliche Geheime Rat Dr. von Knorr, Excellenz, zu einer Sitzung wegen der von manchen Seiten gewünſchten Trennung der Doppelanſtalt und der Raumfrage ein. Dieſe Angelegenheit wird wohl noch die Kammern des Großherzogtums beſchäftigen, und vom allge⸗ meinen Geſichtspunkte aus wird jeder der Anſtalt Wohlwollende eine getrennte, und darum nur um ſo freudigere Entwicklung beider Anſtalten prinzipiell begrüßen; aber die praktiſchen Schwierigkeiten und mehrere weittragende Konſequenzen ſind freilich auch nicht zu verkennen.

Die monatlichen Ausflüge bewegten ſich im gewohnten Rahmen. Der Ganztagsausflug fand am 1. Juni ſtatt, derjenige in den zoologiſchen Garten von Frankfurt am 29. September. An 11 Nachmittagen mußte der großen Hitze wegen der Unterricht ausfallen. Obwohl Aſſeſſor Konrad Brod nicht mehr an der Anſtalt unterrichtete, war, in Hoffnung der Zukunft, ſein Tod dennoch ein großer Verluſt für uns. Am ſelben Samstag, in der gleichen Stunde, wo unſere Schulglocke das Sommer⸗Semeſter ausläutete, ſchlug ihm in ſeiner Heimat Vilbel die Todesſtunde: ein biederer Charakter und begabt als Lehrer und Erzieher nahm er viele Hoffnungen mit ins Grab.

Die bedeutendſten Ereigniſſe des Schuljahirs ſind zweifellos die im Juni erfolgte Teilung der IA und IB(die auf 40 Schüler angewachſen war!), ſowie die Verlegung unſrer Schulferien. Sie wurde durch eine Abſtimmung der Eltern herbeigeführt, welche das Miniſterium, durch eine Adreſſe vieler Familien gebeten, von der Direktion vornehmen ließ, und die ein großes Mehr für Juliferien ergab.

Feſte feierten wir an Großherzogs Geburtstag, wo der Unterprimaner Mittermaier eine recht anſprechende Schilderung der Zerſtörung von Worms durch die Franzoſen in freier Rede gab, und an Kaiſers Geburtstag, wo der Direktor eine Parallele in Charakter und Beſtrebung zwiſchen unſres Kaiſers Majeſtät und ſeinem Lieblinge unter den Kaiſern des alten Reichs, Friedrich Barbaroſſa, zog. Beide Feſte wurden in unſrer viel zu engen Turnhalle und darum nur im Kreiſe der Schule begangen, aber durch Chorgeſänge und Vorträge des Geigenchors verherrlicht.

Auch in dieſem Jahre haben liebevolles Intereſſe oder Pietät unſren Sammlungen manche ſchöne Gabe zugewandt, für die hier auch die öffentliche Abdankung erfolgt. Herr Sanitätsrat Dr. Voemel⸗ Frankfurt ſchenkte eine Anzahl Jugendſchriften von Glaubrecht; Herr Fabrikant Sievers hier, unſer ſteter Gönner, die fortlaufenden Bände von Weſtermanns Monatsheften. Herr Buchhändler Strauß widmete uns 8 Bände(2. 9.) der ſtenographiſchen Berichte aus der Paulskirche, von welchen wir