von einem ſchweren Lungenkatarrh befallen war, der ihn vom 20. Juni bis Ende des Semeſters zu einem Kuraufenthalt auf dem Rigi zwang, während Herr Profeſſor Dr. Volckmar wegen einer Lungen— entzündung eines ſechswöchigen Urlaubs bedurfte. Beide Herren konnten alsdann, vollkommen geneſen, ihren Dienſt wieder aufnehmen. Kürzere Erkrankungen betrafen: während zweier Wochen Herrn Müller; während einer Woche Herrn Steinmetz, Schwarzſchild und Schäfer, ſowie den Direktor zweimal während je vier Tagen. Auch der Pedell der Anſtalt, Herr Dieterich, mußte wegen eines ſchweren Gelenkrheumatismus, vom 8. Juni bis 15. Oktober ſeinen Dienſt, ſo gut es gehen wollte, einem Vertreter überlaſſen.
Ausflüge bezw. allgemeiner Eislauf(zweimal!) fanden neunmal ſtatt; einer davon war ein Ganztagsausflug, ein andrer galt dem zoologiſchen Garten(Samoaner!). Einzelne Klaſſen beſuchten außerdem die Salburg, das Mainzer Muſeum, unternahmen geologiſche Exkurſionen u. dgl. m. Auch brachte der Sommer außer dieſen Erholungen viele freie Nachmittage, an denen der Unterricht wegen allzu großer Hitze verfügungsmäßig auszufallen hatte: am 5., 9., 15., 16. und 18. VI., 9. VII., 21. VII. Beſonders ſei hervorgehoben, daß unſren Schülern zweimal wöchentlich Gelegenheit geboten iſt, in freierer Weiſe zu turnen und ſich an Turnſpielen zu erfreuen. Die Aufſicht dabei führen ſeit einem Jahrzehnt die Gründer dieſer Einrichtung, Herr Kollege Roth und Herr Kollege Hamann, durchaus freiwillig. So hat unſere Anſtalt ſeit einem Dezennium durch die Opferwilligkeit zweier Lehrer— in aller Stille— wozu in ganz Deutſchland Vereine, Körperſchaften und Behörden große und koſt— ſpielige Anſtrengungen machen: Freiturnen und Jugendſpiele. Herr Pfarrer Walther, der ſeit 1860 unſerer Anſtalt mit vorbildlicher Treue und dem vollen Segen eines berufenen Lehrers und Er— ziehers dient, wurde von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog durch das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen ausgezeichnet.
4. Als beſondere Ereigniſſe haben wir nur einige äußere Folgen der ſtarken Vergrößerung unſerer Anſtalt zu verzeichnen. So mußte unſere ſchmucke, wenn auch nicht ausreichend geräumige Aula den Raum zu einem neuen Klaſſenzimmer abgeben, in welches zu Oſtern eine Klaſſe verlegt werden wird. Da eben nur dieſer eine Raum in abſehbarer Zeit als unumgänglich nötig ſich herausſtellte und die Pflicht, ein neues Schulgebäude zu erſtellen, falls Gymnaſium und Realſchule getrennt würden, von der Stadt bis jetzt noch nicht anerkannt iſt, ſo erſchien es am beſten, dieſe Frage durch Aufopferung der Aula zu vertagen. Unſere Schulfeſte mußten wir unter dieſen Um— ſtänden in der Turnhalle abhalten, welche nur für einen Teil der Schüler Sitzgelegenheit verſtattet. An Großherzogs Geburtstag hielt Herr Gymnaſiallehrer Fäth die Feſtrede über Landgraf Georg II., insbeſondere ſeine erzieheriſchen Intereſſen und Beſtrebungen; an Kaiſers Geburtstag durfte auf Beſchluß des Lehrerkollegiums der Oberprimaner Wilhelm Pullmann zu Ehren Kaiſer Wilhelms II. die Feſtrede ſprechen. Für den muſikaliſchen Teil hatte Herr Kollege Roth wieder ſehr ſchöne Chöre eingeübt und den Geigerchor zu ſehr gelungenen Leiſtungen befähigt. Am 22. März Nachmittags gedenken wir den Kaiſer Wilhelm⸗Gedenktag in der Halle des hieſigen Turnvereins feſtlich zu begehen, damit auch die Eltern der Schüler ſich wieder einmal mit der Schule vereinigen können.
Die mündliche Reifeprüfung fand am 3. März 1897 unter dem Vorſitz des Herrn Ge⸗ heimen Oberſchulrat Soldan ſtatt; die 16 Abiturienten beſtanden ſämtlich, zehn davon waren ganz, zwei teilweiſe von der mündlichen Prüfung befreit. Die mündliche Prüfung an der Realſchule fand am 13. März unter dem Vorſitze des Direktors Dr. Schädel ſtatt, der hierfür als Regierungs⸗ kommiſſar beſtellt war. Von den 16 Prüflingen haben 15 beſtanden; 10 waren völlig, 1 in einzelnen Fächern von einer mündlichen Prüfung losgeſprochen worden. Einer war freiwillig zurückgetreten.
5. Dank für Widmungen. Der ſtete Gönner unſerer Anſtalt, Herr Fabrikant Sievers, ſchenkte der Bibliothek vier Bände der Weſtermannſchen Monatshefte ſowie Wildenbruchs„Kaiſer Heinrich“ und das Prachtwerk„Unſer Heldenkaiſer“; Herr Kollege Hamann einen Mignet, Geſchichte der franzöſiſchen Revolution und Thomas, Buch der Erfindungen. Herr Weingärtner, Abiturient des Gymnaſiums, und der Oberſekundaner Simrock widmeten ein Buch; von Herrn Grau, Abiturienten der Realſchule, erhielten wir 10 Mark zur Vergrößerung unſrer nun weit über das erſte Tauſend angewachſenen Schülerbibliothek. Der Schüler der 4. Klaſſe, Anton Krumm, ſchenkte uns zwei Schlangenhäute und 2 Gazellenhäute. Allen dieſen freundlichen Gebern ſei auch hier nochmals im Namen der Anſtalt herzlich gedankt.


