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eine ordentliche Lehrerſtelle im Sommer 1889, da Herr Dr. Weißgerber, welcher der Anſtalt zwei Jahre lang ſchätzbare Dienſte geleiſtet hatte, Oſtern nach Gießen verſetzt worden war. Der Zeichen⸗ lehrer Herr Goetz begann am 1. Oktober ſeinen Militärdienſt, während Herr Richard Hölſcher aus Alsfeld ſeine Stelle vertrat, nachdem er bereits ein Jahr volontiert hatte. Herr Kaplan Bendix übernahm eine Stellung in Mainz, und nach einem kurzen Zwiſchenraum trat Herr Kaplan Wolf an ſeine Stelle.
Mit den obigen Ausnahmen war der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler im ganzen befriedigend. Doch wurde uns ein wackerer und ſtrebſamer Schüler, Friedrich Krämer, leider durch den Tod entriſſen. Der Direktor und eine beträchtliche Anzahl ſeiner Lehrer, wie ſeine Klaſſen⸗ kameraden gaben ihm das Grabgeleite. Längere Vertretungen wegen Unwohlſein waren für die Herren Goes und Provence erforderlich; auch Herr Maul, in deſſen Familie leider eine anſteckende Krankheit ausbrach, wurde der Anſtalt vom 25. November ab bis zum Schluſſe der Weihnachts⸗ ferien ferngehalten.
Die Veranſtaltungen zur Pflege der Geſundheit fanden die bisherige Pflege: monatliche Ausflüge, an den freien Nachmittagen das Freiturnen, dem insbeſondere Herr Roth und Herr Hamann eine aufopfernde Thätigkeit widmeten. Auch wurde, wie im Vorjahr, ein Sanitätskurſus, in den Wintermonaten abgehalten, durch den über 30 Schüler der oberen Klaſſen ſowie eine Anzahl Lehrer für den Ernſtfall ausgebildet wurden. Die Oberaufſicht führte ſeitens der Schule diesmal auf Wunſch der Direktion Herr Profeſſor Langrock, während Herr Stabsarzt Dr. Föhliſch wiederum die Güte hatte, die techniſche Anleitung zu gewähren. Beiden Herren wird dafür hier auch öffentlich Dank geſagt. Für das Schlittſchuhlaufen konnten in dieſem Schuljahre Schulſtunden, mit Aus⸗ nahme von Turnſtunden, nicht freigegeben werden, weil der Unterricht durch die Influenzaepidemie ohnehin verkürzt worden war. Aus dieſem Grunde wurde diesmal auch der Ausfall der öffent⸗ lichen Prüfungen bei Gr. Miniſterium beantragt und von demſelben genehmigt.
Einen Verſuch, die Benützung unſres trefflich eingerichteten ſtädtiſchen Schwimmbades ſeitens der Anſtalt anzuregen und zu ordnen, zu dem die Herren Dr. Keutzer, Storck, Friederich, Hamann, Fäth, Koob und Stahl uneigennützig mitgewirkt hatten, mußten wir wieder aufgeben, da die anfängliche Zahl von 90 Teilnehmern ſchließlich ſich ins Lächerliche verringerte. Es ging daraus hervor, daß ſeitens der Familien die bisherige ungebundenere Weiſe des Badens bevorzugt wird.
Beſondere Ereigniſſe. Am 27. Januar feierte die Anſtalt das Geburtsfeſt Sr. Majeſtät des Kaiſers durch eine Feſtrede des Herrn Dr. Metz, worin das Vorbildliche in der Er⸗ ziehung des Herrſchers eindringlich hervorgehoben wurde, und die von Herrn Roth eingeübten Feſtgeſänge des Schülerchors. Zum erſtenmal wehten an dieſem Tage die zwei mächtigen Fahnen der Anſtalt, eine deutſche und eine heſſiſche, von unſerem Schulhauſe.
Für folgende Geſchenke verfehlen wir nicht den Dank der Anſtalt auch hier auszuſprechen:
Herr Reallehrer Tönges übergab uns vier Kaſten Schmetterlinge, vorzüglich geordnet und gehalten; Herr Zeichenlehrer Goetz eine Anzahl ſelbſtgefertigter Unterrichtsmittel; Herr Fabrikant Steeb, dahier, ſchenkte eine Sammlung von Palmölpräparaten; die Herren Gebr. Eichhorn, dahier, lehrreiche Metallproben; die Hamburger Seefiſchhandlung von Wilhelm Schrötter, dahier(Kl. Bier⸗ grund 14), bereicherte unſre Sammlung durch einen Seeteufel; Herr Stadtſekretär Schmidt unſre Bibliothek durch Knod's Werk„Die Bibliothek des Beatus Rhenanus“; der Schüler Hainer(IIb.) brachte einige von ihm geſammelte geograph. Bilder; Kochendörfer(VI.) verſchiedene Seetiere; Fink(1. Vorb. Kl.) ein Hermelin; Wagner(4. Kl.) ein Straußenei.
Zum Schluſſe bemerken wir, daß der Direktor immer ſehr gern bereit iſt, Beſuche der Eltern auf ſeinem Amtszimmer zu empfangen; daß es ſich jedoch empfiehlt, der paſſenden Stunde vorher nachfragen zu laſſen, da der Unterricht auch dadurch nicht geſtört werden darf. Für kürzere


