Jahrgang 
1915
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I. Bericht über das Schuljahr 1914/15.

1. Schulanfang. Das Schuljahr begann Dienstag, den 21. April 1914, früh 8 Uhr.

Der Vormittagsunterricht begann um 8 Uhr, der Nachmittagsunterricht um 2 Uhr 20 Minuten. Da mit Ausbruch des Krieges die Verkehrsverhältnisse auf der elektrischen Strassenbahn sich verschlechterten, wurde die Mittagspause um 20 Minuten verlängert.

2. Prüfungen. Am 27., 28. Februar und 2., 3. März wurde die schriftliche und am 26., 31. März bis 3. April die mündliche Osterprüfung unter dem Vorsitze der Herrn Geh. Oberschul- rates Block abgehalten. 46 Schüler wurden für bestanden erklärt und erhielten das Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst. Ein Schüler hatte sich schon vorher den Berechtigungsschein vor der Großh. Prüfungskommission in Darmstadt erworben.

Die mündliche Herbstprüfung fand am 18. Dezember 1914 statt, nachdem die schriftliche vom 1. bis 4. Dezember vorausgegangen war. 7 Zöglinge erhielten das Zeugnis der Reife. Ein Schüler hatte sich schon vorher vor der Kgl. Prüfungskommission in Frankfurt den Berechtigungs- schein erworben.

In zwei Notabschlußprüfungen im August und September bestanden 16 Schüler.

3. Nachrichten aus dem Lehrkörper. Mit Ausbruch des Krieges wurden fünf Herrn der Anstalt einberufen: Die Herrn Assessoren Dr. Arnold, Dr. Bär, Schott, Trautmann und Herr Rceallehrer Röder. Herr Dr. Hartmann nimmt als Kriegsfreiwilliger am Feldzuge teil. Mit Beginn des Winterhalbjahres nahm Herr Assessor Trautmann den Unterricht wieder auf, nachdem er aus Gesundheitsrücksichten vorläufig aus dem Heere ausgeschieden ist. Herr Dr. Arnold wurde in den Kämpfen in den Vogesen verwundet, steht jedoch zur Zeit wieder bei der Truppe.

Alle beklagen wir aufs tiefste das frühe Ende zweier biederen und treuen, echt deutschen Männer. Herr Lehramtsassessor Dr. Bär, Leutnant der Reserve und Kompagnieführer im Land- wehr-Infanterie-Regiment 116, und Herr Assessor Schott, Leutnant der Reserve und Kompagnie- führer im Reserve-Infanterie-Regiment 116, Inhaber des Eisernen Kreuzes, starben den Heldentod auf dem Felde der Ehre. Zwei liebenswürdige Amtsgenossen von vorbildlicher Pflichttreue, zwei erfolgreiche Lehrer und warmherzige Freunde der Jugend sind dahingegangen. Wir werden sie nie vergessen.

4. Todesfall. Nach langem, schweren Leiden verschied am 19. 3. 14 ein lieber und braver Schüler der IV. 1., Heinz Conte. Seine Klassenkameraden ehrten das Andenken des Entschlafenen durch eine Kranzspende und geleiteten ihn zur letzten Ruhe. Außerdem nahmen die Unterzeich- neten, der Klassenführer und noch einige Lehrer der Anstalt an der Beerdigung teil.

5. Zeugnisse. Hauptzeugnisse wurden wie alljährlich vor Beginn der Herbst-, Weihnachts- und Osterferien ausgestellt; außerdem erhielten die Schüler Ende Juni, Mitte November und Mitte Februar noch Monatszeugnisse.

6. Gliederung der Schule. U. II. und O. III. waren in drei, U. III, IV. und V. in zwei Abteilungen gegliedert. Die dritte Obertertia wurde in den Hauptfächern allein, in den Neben- fächern mit den Parallelklassen vereinigt unterrichtet.

Um mit Ausbruch des Krieges den ÜUnterricht einigermaßen in geordneten Verhältnissen durchführen zu können, wurden aus den drei Untersekunden und Obertertien je zwei Klassen gebildet. Die beiden Quarten und ebenso die Vorschulklassen wurden zusammengelegt.

Die Commissionäre, d. h. diejenigen Schüler, die über das Schulpflichtige Alter hinaus sind und die nicht in der Anstalt, sondern vor einer Prüfungskommission die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst erlangen wollen, waren in diesem Schuljahre der U. II. 1. bezw. der