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zu, dem auch die Bauoberleitung übertragen wurde. Die Bauleitung liegt in den Händen des Architekten Reinhardt zu Oberursel. Die Erd- und Maurerarbeiten werden durch die Firma A. Henrich Wwe., die Zimmerarbeiten durch das Baugeschäft„Taunus“, Inhaber J. J. Meister, ausgeführt.
Bis zum Jahre 1818 bestand in Oberursel eine Lateinschule, die im Jahre 1522 von dem Humanisten Erasmus Alberus gegründet worden war. Seit dem Jahre 1861 besaß Oberursel eine Realschule, die im Jahre 1877 mit der Volksschule vereinigt wurde und als vereinigte Volks- und Realschule bis zum Oktober 1910 bestand. Schon zweimal, 1867 und 1881/82 wurden Verhand- lungen geführt, sie zu einer höheren Lehranstalt im Sinne des Gesetzes umzuformen. Aber jedesmal scheiterte der Plan an den hohen finanziellen Forderungen. Doch immer gebieterischer verlangte die Entwicklung und das Emporblühen der Stadt eine höhere Schule.— Auf Grund der Denk- schrift vom 29. Februar 1908 beschlossen Magistrat und Stadtverordnete einstimmig, eine Ober- realschule zu errichten. In diesem Vorhaben wurden sie erfolgreich von dem Kgl. Landrat Dr. Ernst Ritter von Marx und dem Regierungspräsidenten Dr. Wilhelm von Meister unterstützt. Die vorgesetzten Behörden genehmigten die Eröffnung der Realschule mit den Klassen Sexta bis Ouarta am 1. Oktober 1910. Zum Leiter wurde der Oberlehrer Hermann Wallenfels an der Ober- realschule mit Reformrealgymnasium zu Marburg gewählt und am 10. Oktober in sein Amt ein- geführt. Die Städtischen Behörden übernahmen bereitwillig die großen notwendigen Lasten. Es wirken augenblicklich an der Anstalt außer dem Leiter drei Oberlehrer, ein wissenschaftlicher Hilfslehrer und ein Zeichenlehrer.
Möge es der Anstalt vergönnt sein, in dem neuen Heime sich zur Blüte zu entfalten; möge es ihr gelingen, ihren Schülern nicht nur reiches Wissen zu vermitteln, sondern sie auch zu tüchtigen Charakteren heranzubilden, daß sie nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft werden— zum Wohle unserer Stadt und des gesamten Deutschen Vaterlandes.
Dazu wolle Gott der blerr seinen Segen geben.
Der Magistrat: Die Stadtverordnetenversammlung: Füller, Lüttich. A. Wolff. A. Gerold.
Die Direktion der Realschule:
Professor Wallenfels.
Diese Urkunde sowie ein Verwaltungsbericht der Stadt Oberursel, die Denkschrift des Bürgermeisters über die Notwendigkeit der Errichtung einer Oberrealschule in Oberursel sowie je ein Exemplar der beiden hier erscheinenden Zeitungen wurden in eine Kapsel verschlossen und in den Grundstein versenkt. Dann erfolgten die üblichen Hlammerschläge. Die Reihe der Heran- tretenden eröffnete Bürgermeister Füller, dem sich der Stellvertreter des nicht anwesenden Stadt- verordnetenvorstehers, Privatier A. Gerold, anschloß. Alle kleideten ihre Wünsche in beherzigens- werte Sprüche. Bürgermeister Füller: Mit Gottes Segen, der Jugend zur Bildungsstätte, der Stadt zur Zierde. Stadtverordneter Gerold: Dem Wahren, Schönen, Guten. Beigeordneter, Stadt- ältester Lüttich: Möge Jedermann und zu jeder Zeit eingedenk sein der Worte: Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Architekt Thyriot: Licht und Leben für die Jahrhunderte. Pfarrer Heß: Möge in diesem Hause allzeit gepflegt werden der Sinn der Gerechtigkeit, der Vaterlandsliebe und der Freiheit. Pfarrer Friton: Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des bleiligen Geistes. Direktor Koulen: Wie früher die drei Schulen vereint waren, so mögen auch für die Zukunft die drei Schulen in Einheit und Treue zusammenwirken. Rektor Kexel: Möge in diesem Hause walten ein guter Sinn, ernstes Streben zu hohem Ziele. Professor Wallenfels: Denen, die mit Fleiß nach Wissen streben, sei dies neue Haus gegeben. Oberlehrer Dr. Messer- schmitt: Freier Sinn, wahres Wissen und Redlichkeit mögen in edler Weise wirken allezeit. Oberlehrer Wicke: Der Jugend zur Lehre, dem Vaterland zur Wehre und Gott zur Ehre. Wiss. Hilfsl. Weis: Der Kraft des Glaubens, der Macht des Wissens und dem Segen der Arbeit. Zeichenlehrer Henkel: Nicht Kunst, nicht Fleiß, nicht Arbeit nützt, wo Gott der ierr das Haus nicht schützt.
Untertertianer Koulen: Was an Tugend und Weisheit die Alten uns lehren, das sollen wir Jungen ehren. Quartaner Renno: Gott zur Ehre, der Jugend zur Lehre, zum Segen der Stadt.


