Jahrgang 
1906
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IIII. Zur Geschichte des Schuljahres.

Das neue Schuljahr nahm am 2. Mai seinen Anfang; um 7 ½ Uhr wohnten die katholischen Schüler dem Gottesdienste in der Pfarrkirche bei; darauf wurden den Schülern in der Aula der Anstalt die Schulgesetze vorgelesen. Die neu aufgenommenen Schüler wurden durch Handschlag auf die Beiolpung derselben verpflichtet. Am Tage vorher hatte die Prüfung der neu eintretenden Schüler stattgefunden.

Zu Beginn des Schuljahres trat Kandidat Bahmer als Hilfslehrer in das Lehrerkollegium ein als Ersatz für Dr. Madert, der nach sechsmonatlicher Tätigkeit an der Apstalt aus dem Lehrerkollegium ausgeschieden war, um eine Oberlehrerstelle in Dortmund zu übernehmen.

Durch Erlass des Herrn Ministers vom 25. April wurde die Anstalt als Gymnasium anerkannt. Darauf fand am 5. Mai bei der Schulfeier zur Erinnerung an den hundertjährigen Todestag Schillers die Entlassung der ersten Abiturienten statt. Zuerst wurde Schillers Lied von der Glocke nach der Kom- position von Romberg von dem Sängerchore der Anstalt vorgetragen; einzelne Teile des Liedes wurden deklamiert. Dann sprach der Abiturient J. Schmitz der Anstalt den Dank aus für die Ausbildung, die ihm und seinen Konabiturienten hier zu icil geworden, und rief seinen Mitschülern und der Stadt Ober- lahnstein herzliche Abschiedsworte zu. Darauf gab der unterzeichnete Dircktor cinen Ueberblick über die Entwicklung der Anstalt und gab der Freude Ausdruck, dass endlich das Ziel erreicht, die Schule als Gymnasium anerkannt sei. Im zweiten Teile seiner Rede stellte er den Abiturienten den Dichter- fürsten Schiller als ein Vorbild hin, dem sie nacheifern sollten in ernster Arbeit, im richtigen Ge- brauche der Freiheit, in der Liebe zu den Eltern und zum Vaterlande!

Am 9. Mai nahm die ganze Schule an dem Festzuge teil, der sich durch die Strassen der Stadt nach den vor dem Gymnasium liegenden Anlagen bewegte, wo die feierliche Pflanzung einer Schillerlinde vorgenommen wurde. Am Abende desselben Tages hielt der Unterzeichnete bei der Feier, die im Saale der Germania stattfand, die Festrede, in der er ein Bild von dem Leben und Schaffen des Dichters entwarf.

Am 9. Mai, dem Todestage Schillers, fiel der Unterricht aus. Am Nachmittage machte die ganze Anstalt einen Ausflug nach dem Lahnsteiner Forsthause; mehrere Angehörige der Schüler und Freunde der Anstalt nahmen teil. Der Aufenthalt unter den mächtigen Bäumen vor dem Forsthause wurde verschönert durch Vorträge der Musikkapelle der Schüler des Collegiums Carolinum. Die Schillerpreise, die auf Veranlassung des Herrn Ministers der Anstalt vom Königl. Provinzial-Schul- Kollegium zugesandt worden waren, wurden bei dem Waldfeste den dazu ausgewählten Schülern zum Andenken an diesen Tag überreicht. Eine besondere Ueberraschung hatte für dicsen Ausflug Herr Oberförster Bonse von Niederlahnstein erdacht. Er hatte neben dem Forsthause auf einem weithin sichtbaren Platze die Pflanzung einer Eiche vorbereiten lassen zur Erinnerung an die ersten Abiturienten der Vollanstalt. DasLahnsteiner Tageblatt berichtete über die Pflanzung dieser Abiturienteneiche folgendermassen:

Einen besonderen Reiz gewann der Ausflug durch eine sinnige Ueberraschung, die Herr Oberförster Bonse dem Gymnasium zum Andenken an diesen Tag und an die Anerkennung des Gymnasiums als einer Vollanstalt, insbesondere aber zur Erinnerung an die ersten Abiturienten bereitete. Herr Oberförster schenkte nämlich in diesem Sinne eine junge Eiche, die vor dem Forsthause an der Einmündung der Fahrstrasse von Ems ihren Platz finden sollte. In einer kernigen Ansprache legte er die Gedanken dar, die ihn bei dieser eigenartigen Widmung leiteten: Diese Eiche solle ein Sinnbild der jugendfrischen deutschen Kraft sein, welche die Lehrer, Schuler und Abiturienten der Anstalt allzeit beseelen solle, und zugleich ein Wahrzeichen eines steten, kräftigen Wachstums des für Stadt und Umgegend so wertvollen Gymnasiums. Die Rede des Herrn Oberförsters klang aus in ein Hoch auf die ersten Abiturienten sowiée auf den Direktor, das Lehrerkollegium und die Schüler des Oberlahnsteiner Gymnasiums und Realprogymnasiums. Als einziger noch anwesender Abiturient dankte darauf Herr stud. jur. Meinhard Schlaadt als Vertreter seiner Kommilitonen, die bereits auf der Universität weilen, für die ihnen erwiesene Ehre und tat drei Spatenstiche zur Pflanzung der Eiche. Im Namen des Gymnasiums sprach sodann Herr Gymnasialdirektor Professor Schlaadt dem Herrn Oberförster Bonse den herzlichsten Dank für die sinnreiche Schenkung aus, nahm die Eiche in den besonderen Schutz der Schule und brachte ein begeistertes Kaiserhoch aus, das bei den Festteilnehmern, deren Zahl 300 überstieg, einen kräftigen Wiederhall und im Walde ein herrliches Echo fand. In der Geschichte des Gymnasiums wird dieser Festtag noch für spätere Geschlechter mit goldenen Buchstaben aufgezeichnet bleiben.

Die Pfingstferien dauerten vom 10. bis 20. Juni, die Herbstferien vom 15. August bis 19. Sept.

Am 20. September schied Hilfslehrer Bahmer aus dem Kollegium aus; an seine Stelle trat am 1. Oktoöber der Probekandidat Bräuning.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember bis 9. Januar 1906.