—. 21—
Cassel, 10. 8. 04. Das P. S. C. gibt Abschrift der Verfügung von demselben Tage an das Kuratorium, durch die die Errichtung einer zweiten Elementarlehrerstelle an der Anstalt genehmigt wird.
Cassel, 12. 8. 04. Das P. S. C. zeigt an, dass Maler Jung aus Berlin im September den Zeichenunterricht an der Anstalt revidieren werde.
Cassel, 4. 3. 65. Das P. S. C. teilt mit, dass durch Min.-Erl. vom 1. 3. die Abhaltung der Reifeprüfung an der Anstalt genehmigt sei.
III. Zur Geschichte des Schuljahres.
Das neue Schuljahr nahm am 14. April seinen Anfang; um 7 ½ Uhr wohnten die kath. Schüler dem Gottesdienste in der Pfarrkirche bei; darauf wurden den Schülern in der Aula die Schulgesetze verlesen. Am Tage vorher hatte die Prüfung der neu eintretenden Schüler stattgefunden.
Am 10. Mai wohnte Herr Geheimer Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Paehler dem Unterrichte einiger Lehrer der Anstalt bei.
An demselben Tage starb nach längerem Leiden Herr Bürgermeister Reusch. Sämtliche Lehrer und Schüler der Anstalt nahmen an der Beerdigungsfeier am 13. Mai teil. Der Verstorbene hat sich grosse Verdienste um die Entwicklung unserer Schule erworben. Für ihren Ausbau zur Voll- anstalt trat er s. Z. mit grossem Eifer ein, und die allmähliche Entwicklung und das fortgesetzte Wachstum der Schule verfolgte er bis zuletzt mit lebhafter Anteilnahme. Die Schule wird ihm ein treues, dankbares Andenken bewahren.
Die Pfingstferien dauerten vom 21. bis 31. Mai.
Am 7. Juli machten sämtliche Klassen unter Führung ihrer Ordinarien einen Ausflug.
Die Herbstferien dauerten vom 14. August bis zum 20 September. Mit dem 1. Oktober wurde eine zweite Elementarlehrerstelle an der Anstalt errichtet. Dieselbe wurde dem Lehrer Christian Brass*) übertragen, der bis dahin an der Volksschule in Bleidenstadt tätig war. Infolge dieser Ver- mehrung der Lehrkräfte war es möglich, die beiden Primen in fast allen Unterrichtsstunden zu trennen.
Im Laufe des Sommers war von den städtischen Behörden eine Vergrösserung des Schul- gebäudes beschlossen worden: es soll die Aula vergrössert und ein neuer Zeichensaal über der Turn- halle gebaut werden. Da man erwartete, dass mit dem Bau bald nach den Herbstferien begonnen werde, während des Baues aber die Turnhalle nicht benutzt werden kann, so fiel der Turnunterricht bis Weihnachten aus. Auf diese Weise war es möglich, die Trennung der beiden Primen schon gleich zu Anfang des Winterhalbjahres vorzunehmen, obgleich Lehrer Brass erst mit Neujahr seine Stelle antreten konnte. Die Unterrichtsstunden., die Brass ausser Turnstunden zu erteilen hatte, wurden durch Ueberstunden einzelner Lehrer gedeckt. Da aber die Genehmigung der Baubehörde zu Weih- nachten noch nicht erteilt war, so wurde die Ausführung des Erweiterungsbaues bis zum Sommer verschoben. Es wurde vom 7. Januar ab, nachdem Brass seinen Dienst angetreten hatte, der Turn- unterricht wieder regelmässig erteilt.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember 1904 bis zum 7. Januar 1905.
Das Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers wurde von der Schule in herkömmlicher Weise gefeiert. Schüler und Lehrer wohnten dem Gottesdienste ihrer Konfession bei. Bei dem Festaktus, der mit Gesang und Deklamation in der Aula gefeiert wurde, hielt Professor Dr. Dencker die Festrede. Des Kaiserpreises„Wislicenus' Deutschlands Seemacht“ wurden 3 Schüler für würdig ge- halten: Die Oberprimaner Georg Schmitz, Peter Schlitt und Meinhard Schlaadt; das Los entschied für Meinhard Schlaadt; ihm wurde er von dem Unterzeichneten auf dem Aktus überreicht.
An den patriotichen Gedenktagen wurden kleine Ansprachen in den Klassen gehalten.
Am 1, 3. und 4. Februar nahm Herr Oberregierungsrat Dr. Paehler die vorgeschriebene Revision der Anstalt vor. Darnach wurde durch Ministerialerlass vom 1. März der Anstalt die Ge- nehmigung zur Abhaltung der ersten Reifeprüfung erteilt.
*) Christian Brass, geboren den 12. Dezember 1876 zu Elgendorf(Kreis Unterwesterwald), besuchte von 1894— 1897 das Lehrerseminar zu Montabaur und bestand 1899 die zweite Lehrerprüäfung. Vom 1. Mai 1897 bis Ostern 1898 war er Lehrer und Organist an der Sutton'schen Choralschule zu Kiedrich. Dann war er, bis 1. Januar 1905, nacheinander Lehrer an den Volksschulen zu Arnoldshain, Weisel und Bleidenstadt. Am 1. Januar 1905 wurde er als technischer Lehrer am Gymnasium i. E. zu Oberlahnstein angestellt.


