Jahrgang 
1899
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3. Höhere Handelsſchule.

Durch die Handelskammer zu Mainz wurde im Jahre 1897 an die Großherzogliche Regierung das Erſuchen gerichtet, wegen Gründung einer höheren Handelsſchule zu Mainz das Erforderliche einzuleiten. Sie ging dabei von der Erwägung aus,daß es von den Vertretern des Handelsſtandes ſchon ſeit längerer Zeit als ein dringendes Bedürfnis empfunden würde, den jungen Leuten, die ſich dem Kaufmannsſtande widmen wollten, vor dem Eintritt in die Praxis neben der allgemeinen Bildung, wie ſie die beſtehenden höheren Lehranſtalten bieten, eine den geſteigerten Anforderungen der heutigen Zeit, insbeſondere dem ſtetig ſich verſchärfenden internationalen Wettbewerb mehr als ſeither ent⸗ ſprechende Fachbildung zu geben. Demgemäß wurde beantragt, im Anſchluß an das Realgymnaſium zu Mainz zwei Handelsſchulklaſſen mit je einjährigem Kurs zu errichten, welche der Oberſekunda und Unterprima parallel gehen ſollten, ſo daß alſo nur ſolche Schüler in dieſe Klaſſen aufzunehmen wären, die bereits Einjährigenberechtigung oder wenigſtens eine entſprechende Vorbildung erworben hätten.

Nach Prüfung aller in Betracht kommenden Verhältniſſe ſprach ſich die Großherzogliche Regierung dahin aus,daß die Anſtalt einem öffentlichen Intereſſe entſprechen würde und auch Mainz der für ihre Errichtung geeignete Platz wäre, und ſtellte am 4. Dezember 1897 an die Stände des Groß⸗ herzogtums das Anſinnen, zur Errichtung der Handelsſchule, zur Anſtellung der nötigen Lehrkräfte ꝛc. ihre Zuſtimmung zu erteilen.

Dieſe Zuſtimmung erfolgte gegen Oſtern 1898 und die Eröffnung der unteren Handelsſchulklaſſe fand am 2. Mai 1898 ſtatt.(Siehe auch unterChronik der Anſtalt auf Seite 25 u. f.)

Zweite Klaſſe). Klaſſenführer: Leitner.

Deutſche Sprache: Siehe Ober⸗Sekunda.

Franzöſiſche Sprache: Handelskorreſpondenz nach dem Lehrbuche von Vogel; grammatiſche Repetition nach Ploetz, Schulgrammatik; Sprechübungen; Lektüre: Pigeonneau, Histoire du commerce de la France.

Engliſche Sprache: Handelskorreſpondenz nach dem Lehrbuche von Vogel; grammatiſche Repetition nach Deutſchbein; Sprechübungen; Lektüre: History of Commerce by Fife.

Handelsgeſchichte: Handelsgeſchichte des Altertums und des Mittelalters; Neuzeit bis zur niederländiſch⸗britiſchen Periode(1600) nach Haushofer, Grundriß der Handelsgeſchichte.

Handelsgeographie: Geographie von Deutſchland und der außerdeutſchen Länder Europas, mit beſonderer Berück⸗ ſichtigung der Verkehrswege, Induſtrie und Handelsprodukte nach Raſche, kleine Handelsgeographie.

Kaufmänniſches Rechnen: Kettenſatz; Geſellſchafts⸗, Miſchungs⸗, Prozent⸗ und Zinſenrechnung; Diskontorechnung auf deutſchen und außerdeutſchen Plätzen; Gold⸗, Silber⸗ und Münzrechnung.

Luchhaltung: Einfache Buchhaltung bei Ausarbeitung einer größeren Anzahl von Buchungsbeiſpielen; Verbuchung eines einmonatlichen Geſchäftsganges im Warenhandel nebſt Abſchluß. Grundzüge der doppelten Buchhaltung.

Kaufmänniſche Korreſpondenz: Briefe über Barſendungen und Barzahlungen, im Warengeſchäfte für eigene und fremde Rechnung.

Handelslehre und Kantorarbriten: Der Handel und ſein Betrieb, Handelsvermittler, Geld und Erſatzmittel für gemünztes Geld; Ausarbeitung von Fakturen, Conti finti, Wechſeln ꝛc.

Handelsrecht: Einführung in die Rechtskunde; 1., 2. und 3. Buch des Geſetzes vom 10. Mai 1897 und die ein⸗ ſchlägigen Beſtimmungen des bürgerlichen Geſetzbuches; Geſetz betreffend die Warenbezeichnungen und zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes.

Chemie und chemiſche Technologie: Anorganiſche Chemie; Metalle und Metalloide nebſt ihren wichtigſten binären Ver⸗ bindungen; Metallurgie; Säuren, Baſen und Salze.

Schreiben: Deutſche, lateiniſche und Rundſchrift.

Stenngraphie: Wortbildung, Wort⸗ und Satzkürzung.

.*) Die erſte Klaſſe wird mit Beginn des folgenden Schuljahres gebildet und damit die Schule ausgebaut werden. überſicht der Unterrichtsſtunden Seite 13. Ausführliche Lehrpläne werden von der Direktion auf Wunſch abgegeben,