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Zur Chronik der Realſchule.
Freitag den 21. September 1883 wurde Realſchuldirektor Profeſſor Albert durch den Großh. Geheimen Ober⸗Schulrat Herrn Greim in den Dienſt eingewieſen.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 31. Oktober wurde der erkrankte Reallehrer Heinrich Lindenſchmit beurlaubt und Lehramtsacceſſiſt Hermann Willig aus Dienheim mit ſeiner Vertretung beauftragt. Leider ſtarb Lindenſchmit ſchon kurz darauf, am 17. November, nachdem er ſeit 1868 an der Anſtalt gewirkt und ihr ſeine volle Kraft gewidmet hatte. Bald darauf wurde die Schule von einem anderen, ſehr ſchweren Verluſt betroffen. Realſchuldirektor Albert, der von 1856 bis 1880 derſelben als Lehrer angehört hatte und noch aus ſeiner früheren Stellung her bei Kollegen und Schülern ſich der größten Achtung und Liebe erfreute, ſah bald nach ſeiner Einführung ſich genötigt, wegen geſchwächter Geſundheit um zeitweiſe Verſetzung in den Ruheſtand nachzuſuchen, die ihm durch AÄllerhöchſtes Dekret vom 12. Dezember 1883 gewährt wurde.
Eine Verfügung vom 13. Dezember übertrug die Vertretung des Direktors dem Großh. Real⸗ lehrer Kölſch, der bis zum 17. Juni 1884 mit großer Gewiſſenhaftigkeit den Dienſt verſah.
Durch Verfügung vom 3. Januar 1884 wurde dem erkrankten Reallehrer Reeb Urlaub ver⸗ willigt, und der Lehramtsacceſſiſt Karl Stoltz zu Darmſtadt mit ſeiner Vertretung beauftragt.
Durch Dekret Großh. Miniſteriums des Innern und der Juſtiz vom 4. Februar 1884 wurde der Zeichenlehrer an der Volksſchule zu Mainz, Paul Gehry, an Stelle des verſtorbenen Linden⸗ ſchmit zum Lehrer an der Realſchule ernannt.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 29. März 1884 wurde der Großh. Reallehrer Johannes Simon, der ſeit 1847 der Anſtalt angehört hatte, auf ſein Nachſuchen und unter Anerkennung ſeiner langjährigen, treuen Dienſtführung, mit Wirkung vom 16. April an, in den Ruheſtand ver⸗ ſetzt und ihm zugleich das Ritterkreuz I. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmüthigen verliehen.
Am 27. April ſtarb der frühere Direktor der Realſchule Dr. Friedrich Schödler. Er hatte 1854 die Leitung der Anſtalt übernommen und war in dieſer Stellung geblieben, bis Oſtern 1883 Krankheit ihn nötigte, ſich in den Ruheſtand zurückzuziehen. Dr. Schödler hat während faſt 30 jähriger Dienſtzeit durch Umſicht, Energie und raſtloſe Thätigkeit die Realſchule zu dem gemacht, was ſie eben iſt. Seine große Anhänglichkeit an die Anſtalt zeigte er noch in ſeinen letzten Lebens⸗ tagen, indem er ihr den naturwiſſenſchaftlichen Teil ſeiner Bibliothek zum Geſchenk machte.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 31. April und 1. Mai wurde den Lehramts⸗ acceſſiſten Juſtus Seeger aus Pfungſtadt und Auguſtin übel aus Dieburg der Acceß an der Anſtalt geſtattet.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 3. Mai wurde der Direktor der Großh. Realſchule I. und II. Ordnung zu Gießen Wilhelm Soldan zum Direktor der hieſigen Anſtalt ernannt. Am 17. Juni wurde er durch den Großh. Geheimen Oberſchulrat Herrn Becker in den Dienſt eingewieſen.
Ferner ward durch Allerhöchſtes Dekret vom 9. Juli der Lehrer an der Viktoriaſchule zu Darmſtadt und dem damit verbundenen Lehrerinnenſeminar Dr. Bernhard Schädel mit Wirkung vom 1. September für den abgegangenen Kollegen Simon an hieſige Realſchule verſetzt.
Endlich wurde durch eine Verfügung Großh. Miniſteriums vom 24. Juli genehmigt, daß mit Beginn des Winterhalbjahres an der Realſchule I. Ordnung eine weitere Klaſſe für Schüler von 9— 10 Jahren errichtet werde. Die Anſtalt wird ſomit von Herbſt 1884 an einen gjährigen Kurs beſitzen und in ihrer Organiſation in allen weſentlichen Punkten mit den preußiſchen Realgymnaſien übereinſtimmen.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war während des Schuljahres ein durchaus befriedigender. Doch hat die Anſtalt den Tod eines braven Schülers zu beklagen, Jakob Koch, Schüler der 5. Klaſſe, ſtarb an Gelenkrheumatismus.
Am 12. September 1883 beteiligten ſich der Stellvertreter des Direktors und die in Mainz anweſenden Lehrer am Gottesdienſte zur Feier des Geburtsfeſtes Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs. Ebenſo war am 17. März die Realſchule bei der Feier des Geburtsfeſtes Sr. Majeſtät des Kaiſers vertreten. 3


