12 4. Chronik der Anſtalt.
Imtliche Mittheilungen.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 15. September iſt der bisherige Reallehrer Dr. Sparſchuh in den Ruheſtand verſetzt worden.
Durch Hohe Verfügung Großh. Oberſtudien⸗Direktion vom 22. Okt. 1863 iſt der Gymnaſiallehramts⸗ Candidat Dr. Bamberger aus Mainz zum Vicar an der Realſchule beſtellt worden; derſelbe hat ſeine dienſtliche Verrichtung am 27. Oktober angetreten.
Juhresbericht.
Noch aus den letzten Tagen des vorigen Schuljahres haben wir eines für unſere Schulanſtalt überaus feſtlichen Ereigniſſes zu gedenken. Es war dieſes die Betheiligung der Realſchule an der von der Bevölkerung der Stadt ſo freudig veranſtalteten Begrüßung beim Einzug unſeres geliebten Landes⸗ fürſten Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig III., welcher am 28. April für längere Zeit ſeine Reſidenz hierher verlegte. In feſtlichem Schmucke, mit Fahnen und Abzeichen reihten ſich unſere Schüler im Zuge mit den übrigen Schulen, welche alle zu gleichem Zwecke ſich eingefunden hatten.
Die für den 28. angeſetzte Prüfung der IV. und vV. Klaſſe der Realſchule mußte daher für dieſes Jahr ausfallen.
Das Schuljahr 1863/64 wurde am 1. Juni mit 239 Schülern eröffnet und am erſten Sonntag der feierliche Gottesdienſt mit bezüglicher Predigt gehalten.
Am 21. Auguſt war den Realſchülern Gelegenheit gegeben bei dem Beſuche des Kaiſers von Oeſterreich Zeuge des Jubels zu ſein, mit welchem derſelbe bei den damals ſo hochgehenden Hoffnungen hier empfangen wurde.
Das Büreau des deutſchen Juriſtentages hatte für die am 24. Auguſt ſtattfindende Juri⸗ ſtenverſammlung um die Mitwirkung von Schülern unſerer Anſtalt, beim Empfang der Gäſte zu veren Begleitung und Anweiſung nachgeſucht. Eine Anzahl Realſchüler aus den drei oberſten Klaſſen entſprach dieſem Erſuchen mit ebenſo viel Eifer als Anſtelligkeit.
„Auch in dieſem Schuljahre fanden mehrfache Ausflüge von Schülern in Begleitung von Lehrern ſtatt. Die erſte Klaſſe beſichtigte unter Anweiſung des Direktors die Glasfabrikation auf der Hütte Amöneburg bei Biebrich.
Der„18. Oktober,“ als Gedächtnißtag der vor 50 Jahren geſchlagenen Völkerſchlacht, wurde, wie überall im deutſchen Lande, auch hier feſtlich begangen. Die Realſchule gedachte deſſelben in wür⸗ diger Weiſe. Die feſtlich gekleidete Schuljugend wurde in dem geſchmückten Saale verſammelt und mit dem Geſange„Großer Gott wir loben dich⸗ die Feier eröffnet. Der Direktor gab dann in längerem Vortrage, unter Benutzung von Karten und Schlachtplan eine geſchichtliche Darſtellung der denkwürdigen Zeiten und Tage und ermahnte zur Nachfolge der damals bewährten Tugend und Vaterlandsliebe. An geeigneter Stelle wurden Lieder von Körner geſungen. In Folge der ergangenen Einladung hatte ſich von Seiten des geehrten Stadtvorſtandes der Herr Adjunkt Racke, ſowie mehrere Mitglieder des Ge⸗ meinderathes hierzu eingefunden.
Die anhaltend feuchte Witterung der Monate November und Dezember erwies ſich von ſehr nach⸗
theiligem Einfluß auf die Geſundheit der Schüler. Doch blieb die Anſtalt von ſchwerem Verluſt gnädig bewahrt.


