Jahrgang 
1911
Einzelbild herunterladen

10

IV. Zur Geschichte der Anstalt.

Einen Ehrenplatz in unserem Jahresbericht räumen wir dem Andenken des am 14. Juli 1910 verstorbenen Geheimerat Dr. Eisenhuth ein, des langjährigen bewährten und hochverdienten Leiters des hessischen Schulwesens, des allverehrten und beliebten Schulmannes. Der Unterzeichnete verfehlte nicht, schon beim ersten Zusammenkommen des Lehrkörpers den Verdiensten und Vorzügen des Vorstorbenen in einem Nachruf nach Kräften gerecht zu werden. Fortleben wird der Verblichene bei allen hessischen Schulmännern als leuchtendes Vorbild froher Pflichterfüllung, bedächtiger Erwägung, lesten Entschlusses, kräftiger Tat; die Er- innerung an sein gerechtes und wohlwollendes Wesen wird in den zahlreichen dankbaren Herzen, die es emplfinden durften, niemals erlöschen.

Auch zwei schmerzliche Verluste aus Schülerkreisen haben wir zu berichten. Am 15. März standen die Untersekundaner am Grabe ihres lieben Kameraden Max Saarbach. Er war als liebenswürdiger junger Mensch und gewissenhafter Schüler die Freude seiner Lehrer. Am 15. Mai musste ein anderer holfnungsvoller Schüler sein junges Leben lsssen, es war Max Klepper aus V. Die Schule suchte in beiden Fällen den Schmerz der schwer heimgesuchten Eltern durch Bezeugung ihrer Teilnahme nach Kräften zu lindern.

Dem Herrn Oberlehrer Krämer wurde am 1. April 1910 der Charakter als Professor verliehen, ebenso am 25. November den Herren Professoren Schmitt und Dr. Wissmann das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen.

Den Herren Lehramtsassessoren Lambinet und Kieffer wurde gestattet, an unserer Anstalt Unter- richt zu übernehmen. Die Herren Spang und Berninger, Nuss und Lenz traten als Lehramtsreferendare zur Ableistung ihres zweiten Vorbereitungsdienstjahres bei uns ein.

Mit Genehmigung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern wurde im Monat August dem Oberlehrer Herrn Professor Dr. Schrohe ein Urlaub bis zum Beginn des Winterhalbjahres 1911/12 bewilligt. Er ist be- auftragt, an dem Bande derKunstdenkmäler im Grossherzogtum Hessen, der die Stadt Mainz behandeln wird, mitzuarbeiten. Seine Lehrerstelle wird vorerst durch Herrn Lehramtsassessor Krauss verwaltet.

Die Ferienfrage fand in diesem Jahr ihre vorläufige Regelung. Die Abstimmung der Eltern aller Schüler der hiesigen höheren Lehranstalten über Beibehaltung der alten oder Einführung der neuen Ferien- ordnung hatte bereits im Mai 1900 stattgefunden und fſür Abänderung der seitherigen Ferien eine wenn auch nicht sehr erhebliche Mehrheit ergeben. Den Wünschen der Mehrheit, wenigstens versuchsweise, entsprechend hat Grossherzogliches Ministerium entschieden, dass vom Schuljahr 1911/12 an folgende Ferienordnung einge- führt werde:

. Vierzehntägige Osterferien und zwar acht Tage vor und acht Tage nach dem Fest. . Achttägige Pfingstferien. Vierwöchige Sommerferien von dem Donnerstag an, der dem 15. Juli zunächst liegt. . Vierzehntägige Herbstferien von dem Donnerstag an, der dem 29. September zunächst liegt. . Vierzehntägige Weihnachtsferien. (Für das jetzt zu Ende gehende Schuljahr behalten die Osterferien noch dreiwöchige Dauer.)

Ein Lehrgang in Stenographie nach Gabelsberger fand durch Herrn Schöpp statt; ausserdem besteht auf diesem Gebiet eine besondere Schülervereinigung unter dem Norsitz des Herrn Professor Dr. Reeb und unter Leitung des Primaners Heinrich Gehm.

Die Geburtstage Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs und Sr. Majestät des Kaisers wurden durch Reden, Chorgesänge, Schülervorträge und musikalische Darbietungen geleiert. Um den musikalischen Teil machten sich aus Schülerkreisen besonders verdient als Leiter des Orchesters das einemal Wilhelm Friedmann lba, das anderemal Franz Willms Ib2, ferner Franz Kallmann und Erwin Schmidt lbi; Albert Fischel, Wilhelm Gassner, Heinrich Gehm, Theodor Helm, Georg Ruhn 1ba; Otto Mayer, Fritz Nees Ilal; Karl Zuckmayer, Friedr. Wollweber IIIal; Otto Flohr und Friedr. Reh IVi.

Am Grossherzogstag sprach Herr Oberlehrer Dr. Kübel über Justus Liebigs Leben und seine Stellung in der Wissenschaft. Im KRaisertage hielt der Unterzeichnete die Festrede über Ferdinand

& A