Jahrgang 
1925
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D. Zur Geschichte der Anustalt.

1. Schulgebäude. Im abgelaufenen Schuljahr litt die Anstalt noch schwer unter den Hem- mungen, die durch die Beschlagnahme des Schulhauses in der Schulstrasse für die französische Regie hervorgerufen waren. Im wesentlichen musste der Unterricht von 21 Klassen in 10 Räumen erteilt werden, die von der Stadtverwaltung in dem Schulhaus in der Welschnonnengasse zur Verfügung gestellt waren. Bei der gemeinsamen Benutzung der dortigen Gebäude durch die Handelsrealschule und unsere Anstalt fanden wir jederzeit bei Herrn Oberstudiendirektor Professor UÜbel weitgehendes Entgegenkommen. Immerhin mussten die Klassen auf den Vor- und Nach- mittag verteilt werden, eine Massnahme, die in vielen Familien sehr unangenehm empfunden wurde. Die physikalische und chemische Sammlung war mit je einem Lehrsaal räumlich weit von der übrigen Anstalt getrennt in der sogen. Gassner'schen Villa, Rheinstrasse 101, unter- gebracht. Wir mussten froh sein, auf diese Weise auch diesen Unterricht, wenn auch notdürftig, aufrecht erhalten zu können. 3

Eine Anderung in diesen Zuständen trat erst ein, als um die Jahreswende infolge der Londoner Abmachung und der Durchführung des Dawesplans die Regie abgebaut und unser Schulgebäude freigegeben wurde. Die notwendigen Wiederherstellungsarbeiten nahmen noch einige Wochen in Anspruch, so dass wir erst am 16. März 1925 unser schönes Schulhaus wieder beziehen konnten. Bei einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier hielt Herr Studienrat Prof. Faust- mann eine begeisterte Weiherede.

Für die eifrige Förderung der Ubergabeverhandlungen, die rasche und, glückliche Durch- führung der Wiederherstellungsarbeiten und die Bereitstellung von Mitteln für eine moderne Ausgestaltung der naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume sagen wir dem Herrn Oberbürger- meister, Herrn Bürgermeister Dr. Ehrhardt, der Stadtverordnetenversammlung und dem städtischen Bauamt und hier besonders Herrn Baurat Weiss unsern herz- lichen Dank.

2. Direktion. Der ausgewiesene Oberstudiendirektor Dr. Kalbfleisch kehrte nicht mehr an die Anstalt zurück. Er übernahm die Leitung der Höheren Mädchenschule zu Giessen. Zu seinem Nachfolger wurde der unterzeichnete Oberstudiendirektor Ludwig Poepperling ernannt, der am 17. Juni 1924 sein Amt antrat. Bis dahin war die Direktion von Herrn Ober- studienrat Rudolf Gerhard geführt worden.

3. Lehrer. Von den ausgewiesenen Lehrern kehrten im Laufe des Jahres die Studienräte Bausch und Deister an die Anstalt zurück. Dafür schieden aus Studienrat Heisenberger und Studienassessor Bertram, von denen der eine nach Rüsselsheim, der andere an das hiesige Realgymnasium versetzt wurde. Studienrat Lust wurde an die Liebigsoberrealschule zu Darm- stadt versetzt, Studienrat Dr. Schorn hat bis zum Schlusse des Schuljahrs die Erlaubnis zur Aufnahme seines Dienstes noch nicht erhalten.

Am Anfang des Schuljahres traten folgende Veränderungen in der kusammensetzung des Lehrerkollegiums ein:

An die Oberrealschule wurden versetzt: Studienrat Lambinet von der Handelsrealschule (kommissarisch), Studienassessor Selzer vom Neuen Gymnasium, Zeichenlehrer Poths vom Neuen Gymnasium.