Im allgemeinen war der Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülerinnen, abgeſehen von mehreren Grippeerkrankungen, zufriedenſtellend. Längere Zeit waren dienſtunfähig: Herr Studienrat Michel, vom 8. Auguſt bis 28. Oktober, der in der Zeit vom 3. bis 30. September durch Herrn Studien⸗ aſſeſſor Dr. Hartmann vertreten wurde; Herr Prof. Dr. Waas, vom 15. Oktober bis zum Schluſſe des Schuljahres; die Handarbeitsleherin Frl. Seitz, vom 14. Auguſt bis 1. Dezember.
In Ausführung des Geſetzes vom 30. März 1928, die Beſoldung der heſſiſchen Staatsbeamten be⸗ treffend, wurden die Studienräte Prof. Dr. Reis und Prof. Peterſohn zu Oberſtudienräten, die Damen Schoeppler, Wilhelmine Fleck, Selma Wetter, Litzendorff und Sichel zu Oberreallehrerinnen, Frl. Hedwig Klein zur Zeichenoberlehrerin ernannt; nach demſelben Geſeh haben die Damen Nover, Schalk, Marg. Fleck, Köhm und Steigerwald vom 1. Oktober 1927 die Amtsbezeichnung„Reallehrerin“ zu führen.
Rege Tätigkeit war auf dem Gebiete der Kunſterziehung entfaltet worden. Neben dem regelmäßigen häufigen Beſuche der hieſigen Kirchen, Baudenkmäler und Muſeen, wohin die Fachlehrer zeitweilig ihre Unterrichtsſtunden verlegten, war es uns möglich, den Schülerinnen die Beſichtigung werkvoller Aus⸗ ſtellungen und ſonſtiger Unternehmungen in Mainz und den Nachbarſtädten zu vermitteln. So wurden ſie in das Goethehaus und den Römer in Frankfurt a. Main, die Porzellanausſtellung in Wiesbaden, die Sigmaringer Kunſtausſtellung in Frankfurt, die Kunſtausſtellung des„bildmäßigen Aquarells“ in Wiesbaden u. a. geführt. Auch diesmal wieder wurde den Schülerinnen unſrer Anſtalt von der Inten⸗ danz des Stadttheaters eine ſogenannte„Schülermiete“ eingerichtet. Es war infolgedeſſen etwa 130 Schü⸗ lerinnen die Möglichkeit gegeben, für verhältnismäßig geringen Preis 10 gute Vorſtellungen zu be⸗ ſuchen. Außerdem durften wir mit denſelben Vergünſtigungen an den erleſenen Morgenfeiern im Theater teilnehmen Wir ergreifen daher gerne die Gelegenheit, an dieſer Stelle der Inkendanz unſeres Theaters für ihre Liebenswürdigkeit herzlichſt zu danken.
Von beſonderen Unternehmungen ſeien dann noch erwähnt: Die Reiſe der Klaſſe F. I, die während einer Woche im Juni die Schillerfeſtſpiele in Weimar ſowie die dortigen großen Bildungsſtätten be⸗ ſuchte und der mehrtägige Aufenthalt der Klaſſe F. II im mittelalterlichen Rothenburg.
Ferner wurden dieſelben Klaſſen im Anſchluß an den Unterricht in der Geſundheitslehre und Wohlfahrtspflege mit den charikativen Einrichtungen des Eleonorenheims in Darmſtadt und der hieſigen Bahnhofsmiſſion bekannt gemacht. Für die Führung bei den beiden Veranſtaltungen ſind wir Herrn Dr. Bach und Frau Prof. Altendorf zu Dank verpflichtet.
Ebenſo hielt die Lehrdame der Firma Junker& Ruh in Karlsruhe, Frau Ockel, den beiden Frauen- ſchulklaſſen einen Vortrag über Einrichtung und Gebrauch des von der genannten Firma zum Geſchenk gemachten Gasherds.
Als Abſchluß der praktiſchen Arbeit in der Frauenſchule fand am 21. März eine Ausſtellung ſtatt, die den Beſuchern Gelegenheit gab, die von den Schülerinnen während des Jahres in den prakkiſchen Fächern(Weißnähen, Schneidern, Bügeln, Kochen, Kindergartentechnik, Buchführung) erlangten Fer⸗ tigkeiten darzutun.
Für die körperliche Ertüchtigung unſrer Jugend ſorgten die regelmäßigen Spiel⸗ und Wanderkage. Überdies wurde dem Schwimm⸗ und Ruderſport im Sommerhalbjahr eifrig gehuldigt. Eine Reihe unſerer Mädchen gehörte der Jugendgruppe der im Laufe des Schuljahres gegründeten Mainzer Damen⸗Ruder⸗ vereinigung an. Im Winter iſt diesmal, wie nie zuvor, reichlich Winkerſpork getrieben worden. Aus⸗ flüge in die Schneelandſchaft der nahen und weiteren Umgebung wurden mehrfach unkernommen, und, was ſich ſeit 34 Jahren nicht begeben hatte, die Jugend konnte ſich auf den Eisflächen des zugefrorenen Rheines kummeln.
Am Schluſſe unſres Berichts angekommen, möchten wir nicht verſäumen, den Freunden und Gön⸗ nern zu danken, die ihr Wohlwollen für uns durch werkvolle Gaben bekundet haben: So Herrn Fabri⸗ kanten Karl Ihm für einen mit ausgezeichneter Optik verſehenen phokographiſchen Apparat, und der Oberprima des vorletzten Jahres für zwei Bände Löns.
Im Laufe des letzten Jahres überreichte uns der Hochwürdigſte Herr Biſchof von Mainz Dr. Ludwig Maria Hugo das Werk des Caritasdirektors A. Strempel„Die Retkung des Mainzer Doms“; von der Firma Dyckerhoff& Söhne, Amöneburg, erhielten wir das große Werk von Prof. Dipl.-Ing. Georg Rüth„Die Sicherungsarbeiken am Mainzer Dom“; die Firma Junker& Ruh in Karlsruhe ſchenkte uns einen vollſtändigen Gas-Backofen neueſter Konſtruktion; Herr Skudienrat Hoops einen verſteinerken Seeigel; Herr Alfred Schwarzer einen ſchönen, geſtickten V. D. A.⸗Wimpel:; und die diesjährige Ober⸗ prima einen phyſikaliſchen Apparak(Vacuumſkala nach Groß).
Wir ſchloſſen das Schuljahr nicht, wie vorgeſehen am Samstag, den 23., ſondern am Mittwoch, den 27. März, da laut Verfügung des Kultusminiſteriums vom 12. März 1929(Nr. K. M. 6969) der durch die Kohlenferien ausgefallene Unterricht zunächſt in 3 Tagen nachgeholt werden mußte.
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