.... In Mainz kamen wir nun in das Gebiet des Landesverbandes Heſſen-Darmſtadt des V. D. A., deſſen Gäſte wir nun die nächſten Tage ſein ſollten. Die einzelnen Orktsgruppen hatten die Vorbereitung unſeres Aufent⸗ haltes übernommen. Mainz begann. Trotz 2 ſtündiger Verſpätung warketen noch Hunderte Menſchen auf uns. Alle Schulen waren angerückt, Lehrer und Lehrerinnen, die Bürger— ganz Mainz war auf den Beinen. In einer rieſigen, prachtvollen Halle(wie unſer Athenäum) wurden wir empfangen. Der Saal war dicht gefüllt. Wir wurden an die einzelnen Tiſche aufgeteilt, ich kam zu Tiſch Nr. 1, wo der Bürgermeiſter, Vertreter der Stadt, der Regie- rung, des Landesverbandes(mehrere Herren waren von Darmſtadt extra zu unſerem Empfang nach Mainz gekommen), der Orksgruppe Mainz des V. D. A., Direktoren und weiß Gott welche andere hohe Herren feſtlich gekleidet und erwar⸗ ungsvoll um mich herumſaßen. Und dann wollte das Fragen und Erzählen kein Ende mehr nehmen. Und dann kamen die Begrüßungsreden, mächtig und ſchwungvoll und voll heiliger Begeiſterung, inzwiſchen ſpielte ein Orche- ſter und der große Schülerchor ſang begeiſterte Lieder... In meiner Dankanſprache konnte ich mit voller Über- zeugung behaupten, daß wir ſchon in vielen deutſchen Städten gaſtfreundlich und warm aufgenommen worden ſeien, aber all das verblaſſe vor dem wundervollen, großartigen Empfang in Mainz, der uns ein unvergeßliches Erlebnis für unſer Leben ſeil
Erſt um Mitternacht verteilten wir uns in die Quartiere, und dann war der große— nein, der größte Tag unſerer Reiſe vorüber.—
Am nächſten Morgen ſind wir pünktlich zur Stelle. Der Dom wird uns gezeigt und erläutert, wie er ſich etwa ſeit dem zehnten Jahrhundert allmählich zu dieſem gewaltigen, romaniſchen Bauwerk entwickelt hat. Das Ge⸗ lände war ſumpfig, und deshalb mußten die Mauern auf Pfählen errichtet werden. Nach den neuzeiklichen Enk⸗ wäſſerungsanlagen begannen die Pfähle zu verfaulen, Teile der Kirche ſanken, Riſſe entſtanden, der ganze Bau drohte zuſammenzubrechen. Erſt in den letzten Jahren hat man die Urſachen erkannt, und unter ungeheuren Koſten beginnt man den ganzen Dom mit Zementfundamenten zu unterfangen. Die Arbeiten ſind in vollem Gange und wurden uns gezeigt. Wir gingen durch wahre Katakomben und Labyrinthe hindurch, wo unzählige Arbeiter eifrig am Werke waren. Deutſchland weiß eben ſeine wertvollen hiſtoriſchen Bauwerke zu ſchätzen und ſcheut ſelbſt in dieſer ſchweren Zeit keine Opfer.
Dann gingen wir durch winklige Gäßchen, an uralten Häuschen vorbei zum Stefansturm, auf einer Anhöhe gelegen, von wo wir einen Blick über die ganze Stadt hatten.
Nachmittags beſichtigten wir das röm.-germ. Muſeum, das die wertvollſten Römerfunde aus dieſer Gegend birgt, und dann atteſen wir noch dem naturhiſtoriſchen Muſeum in aller Eile einen Beſuch ab.
Um 5 Uhr waren wir zum Kaffee geladen, und hier wurden wir auch ſchon von der Orksgruppe Wiesbaden des V. D. A. übernommen.—(GFolgen Schilderungen der Beſuche in Darmſtadt, Bad Nauheim uſw.)
Am 19. Auguſt hatten wir zum erſten Mal heſſiſchen Boden betreten, empfangen von einer viele hundert Köpfe zählenden jubelnden Menſchenſchar. Dann hatten wir uns ſechs Tage verwöhnen laſſen von den lieben, lieben Menſchen und hatten ihr ſchönes Land kennen und lieben gelernt.—— und mußten nun, am 25. Auguſt, ſchon Abſchied nehmen mit wehem Herzen. Vielen, vielen Dank, Ihr Lieben alle! Die gemeinſam verlebten Stunden werden uns nicht nur unvergeßlich ſein, ſondern ſie haben auch das alte Band, das uns an unſer heißgeliebtes deutſches Mutterland kettet, neugefeſtigt und geſtärkk.—
Auf Wiederſehen!'
Herr Studienrat Kißler war zu Studienzwecken während der Sommerferien und im Anſchluß noch weiter 14 Tage nach London beurlaubk.
Am 27. Auguſt hielt dann im Auftrag des Vereins für das Deutſchtum im Ausland Herr Pfarrer Harth aus der Bukowina unſren Schülerinnen im Feſtſaal der Schule einen Vorkrag, der viele für die Sache des Auslandsdeutſchtums gewann.
Am 29. Auguſt beſuchten einige Klaſſen unter Führung von Frl. Dina Roth das Kaufhaus Chriſtian Mendel, wo ſie in die Technik der modernen Weberei eingeführt wurden. Wir danken an dieſer Stelle der genannten Firma für ihr Enkgegenkommen.
Der große Tagesausflug der Anſtalt am 4. September führte unſre Schülerinnen in die ſchönen Gaue des Rhein- und Neckartales, auf die Höhen des Taunus und Odenwaldes ſowie in die nähere Um⸗ gebung.
Zur Teilnahme an der 90. Verſammlung der Naturforſcher und Arzte vom 15. bis 22. September waren die Studienräte Überle und Schier beurlaubk.
Der großen Hitze wegen mußte während der Sommermonate der Unterricht an 6 Tagen von der letzten Vormittagsſtunde an ausgeſetzt werden.—
Am 25. September nahm der Unterzeichnete als Vertreter der Schule an der Feier des 75 jährigen Beſtehens der Studienanſtalt in Offenbach teil und überbrachte dork perſönlich die Glückwünſche der Schweſteranſtalt Mainz.
Anläßlich der Feierlichkeiten gelegenklich der Einweihung des wiederhergeſtellten Domes fiel der Geſamtunterricht am Dienstag, den 16. Oktober, aus. Als Vertreter der Anſtalt wohnte der Direktor der Serenade am Montag, den 15. Oktober, abends, dem am 16. Oktober im hohen Dome abgehaltenen Pontifikalamt und außerdem der im Ahkademieſaal des Kurfürſtlichen Schloſſes veranſtalteten aka⸗ demiſchen Feier teil.
In der Zeit vom 22. bis 27. Oktober war von dem Miniſterium für Kultus und Bildungsweſen ein neuſprachlicher Fortbildungslehrgang in Darmſtadt eingerichtet worden.„Er ſollte in der Haupk⸗ ſache dem Unterricht dienen und zur Ausſprache über die durch die neuen Lehrpläne geforderte Unter⸗ richtsweiſe führen:„Arbeitsunterricht, Kulkurkunde, Querverbindung der Fächer.“ Zu dem Kurſus waren zugelaſſen die Studienräte Hagen, Dr. Magdalene Herrmann, Hoops und Kißler.
Am 31. Oktober wurde die inzwiſchen von Bad Nauheim zurückgekehrte Referendin Dr. Anni Pfeifer durch miniſterielle Verfügung erneut abgerufen und zur Dienſtleiſtung an das Lyzeum in Alzey beordert.


