Gedenkblatt
zur Erinnerung an den Geheimen Schulrat Dr. Friedrich Roemheld, † 24. November 1925.
Am 24. März 1855 wurde Dr. Friedrich Roemheld zu Groß-Gerau geboren. Er widmete sich nach dreijährigem Besuch des Ludwig-Georg-Gymnasiums zu Darmstadt(1869— 1872) auf der Landesuniversität zu Giebßen dem Studium der klassischen Philologie, deutscher Sprache und Geschichte; daselbst legte er auch am 2. März 1877 das Staatsexamen ab.
Nach S jähriger Wirksamkeit an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach(1878— 1886) wurde ihm eine Lehrerstelle an dem Gymnasium zu Mainz übertragen.
Seit dem 16. November 1894 war er mit der Stellvertretung des erkrankten Direktors Dr. Jakob Keller an der Höheren Mädchenschule in Mainz betraut worden. Nach dessen Tode wurde Roemheld durch Dekret vom 5. Oktober 1895 zum Direktor dieser Anstalt ernannt und am 9. Oktober von dem damaligen Geh. Oberschulrat Soldan in sein Amt eingeführt.
Mehr denn 25 Jahre hat nun Roemheld der Höheren Mädchenschule in Mainz als Direktor vorgestanden und in dieser Zeit für die gedeihliche Entwickelung der Schule seine Kräfte in hohem Maße eingesetzt.
Die Erinnerung an seine ersprießliche Wirksamkeit hat sich in unser aller Gedächtnis fief eingeprägt.
Der am 24. November 1925 Heimgegangene war nicht nur ein vorzüglicher, mit reichem Wissen und hervorragenden pädagogischen Fähigkeiten begabter Lehrer, sondern auch ein aus- gezeichneter Organisator auf dem Gebiete des Schulwesens.
Hatte sein Vorgänger Keller den äußeren Ausbau der Schule zu einem gewissen Abschluß gebracht, so war es Roemhelds Aufgabe, die innere Ausgestaltung durchzuführen, eine Auf- gabe, welche die höchsten Anforderungen an ihn stellte. Mit größter Umsicht hat er auf restlose Durchführung hingearbeitet und sie nach UÜberwindung von mancherlei Schwierigkeiten zur vollsten Anerkennung der obersten Schulbehörde und der Fachgenossen vollendet.
Unermüdlich war er um das Wohl und Wehe seiner Schule besorgt, immer höhere Ziele sich steckend.
Seiner Tatkraft und seinen rasflosen Bemühungen verdanken wir die weitere Entwickelung der Höh. Mädchenschule, insbesondere den Ausbau des Lehrerinnenseminars, die Gründung der einsprachigen Parallelklassen(der C-Klassen), die Einrichtung der Studienanstalt und der 2 Jahres- kurse umfassenden Frauenschule.
Für die Ausbildung der seiner Obhut anvertrauten weiblichen jugend unserer Vaterstadt hat Roemheld damit Bildungsstätten geschaffen, die ihm zu hoher Ehre gereichen und die er einzig als sein Lebenswerk ansprechen darf.
Die von ihm errichteten Anstalten geben sowohl der weiblichen Jugend unserer Vaterstadt als auch der der engeren und weiteren Heimat eine günstige Gelegenheit zu einer vertieften höheren Ausbildung und ebnen ihnen den Weg zum Universitätsstudium.
So werden unsere Vaterstadt und alle, die als Schülerinnen einst zu seinen Füßen gesessen, ihm ewig innigen Dank wissen.
Sein Name wird bei allen, die ihre Dienste dem weiblichen Erziehungswesen gewidmet haben, stets geachtet und geehrt sein, hatte Roemheld doch gerade für alle Fragen dieses Ge- bietes ein seltenes Verständnis. Mächtig war sein erziehlicher Einfluß auf die weibliche Jugend, der er stets in Liebe und echt väterlicher Weise zugetan war.
Sein Gerechtigkeitssinn war stark ausgeprägt und wirkte vorbildlich auf alle, die mit ihm zu arbeiten hatten. Vornehme Gesinnung gegenüber seinen Amtsgenossen und-genossinnen, entgegenkommendes und liebenswürdiges Wesen bildeten die Fundamente zu gemeinsamer ersprießlicher Arbeit.
Nach einer an Erfolgen reichen 25 jährigen Amtstätigkeit im Dienste der ihm unterstellten Anstalten trat Roemheld am 1. November 1920 in den wohlverdienten Ruhestand.
Nur 5 Jahre leider konnte er die Segnungen desselben genieben.
Am NMorgen des 24. November 1925 machte eine Herzlähmung dem arbeitsreichen Leben des reichbegabten Mannes, eines Menschen von seltener Treue und Lauterkeit der Gesinnung sowie tiefster Religiösität, ein jähes Ende.
Sein Andenken bleibe unter uns unvergessen!


