Jahrgang 
1911
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Die neu errichtete Stelle eines zweiten Mathematikers erhielt Herr Oberlehrer Franz Petersohn aus Offenbach a. M.

Fr anz Petersohn, geb. am 11. Juni 1879 in Mainz, besuchte das Grossherzogliche Real- gymnasium seiner Vaterstadt, erwarb sich Ostern 1898 das Reifezeugnis dieser Anstalt und studierte dann auf den Universitäten zu Giessen und Berlin. Nachdem er im juli 1903 das Staatsexamen in angewandter Mathematik, reiner Mathematik und Physik an der Landesuniversität bestanden hatte, ge- nügte er seiner Militärpflicht bei dem Brandenb. Fuss-Art.-Reg.(Generalfeldzeugmeister) No. 3 in Mainz und trat dann im Oktober 1904 in das pädagogische Seminar des Grossherzoglichen Realgymnasiums zu Darmstadt ein. Von Oktober 1905 bis Ostern 1906 war er an dem Grossherzoglichen Realgymnasium und der Ober-Realschule zu Mainz als Lehramtsreferendar tätig. Im Kpril 1906 an die Grossherzogliche Ober-Realschule nach Offenbach a. M. versetzt, wurde er am 1. Oktober 1906 Lehramtsassessor, am 1. RKpril 1907 Oberlehrer an dieser Anstalt. Durch Kllerhöchstes Dekret vom 23. Februar 1910 wurde er zum Grossherzoglichen Oberlehrer an der Höheren Mädchenschule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz ernannt.

Zu Beginn des Schuljahrs musste eine vierte 7. Klasse(=7 d) errichtet werden; im Zu- sammenhang damit stand die Ernennung der bisherigen Hilfslehrerin Frl. Marie Nover(Vvergl. S. 4 des vorigen Jahresberichts) zur Schulverwalterin.

Marie Nover, geb. zu Mainz am 19. Juni 1886, besuchte von Ostern 1881 bis Herbst 1899 die Höhere Mädchenschule zu Worms, von da an bis Ostern 1901 das Brecher'sche Institut in Mainz und zuletzt noch ein Jahr lang die hiesige Höhere Mädchenschule. Nach dreijähriger Zugehörigkeit zu dem mit dieser Anstalt verbundenen Lehrerinnenseminar bestand sie am 26. März 1905 die Entlassungs- prüfung. Sie beschäftigte sich darauf etwa ein Jahr lang mit der Erteilung von Privatunterricht, bis sie am 6. Rpril 1906 an der Gemeindeschule zu Amöneburg(Kreis Mainz) als Schulverwalterin Verwendung fand. Hier blieb sie bis Ostern 1908. Sie weilte alsdann 3 Monate lang in Luzern als deutsche Lehrerin in einem französischen Pensionat und im Anschluss daran 10 Monate lang in Castres(Südfrankreich), um sich noch weiter in der französischen Sprache auszubilden. Seit Herbst 1909 war sie Hilfslehrerin

an der hiesigen Höheren Mädchenschule; ihre Ernennung zur Schulverwalterin erfolgte durch ministerielle Verfügung vom 17. März 1910.

Einige evangelische Religionsklassen(Vabed, 6 abc, 5 abc und 4 abc) wurden wegen der übermässig grossen Schülerinnenzahl gleich zu Beginn des Schuljahrs geteilt, ebenso die Klassen 6 a und 6 b im französischen Unterricht.

Mit Genehmigung Grossh. Ministeriums vom 26. Januar v. Js. ist unsere bisherige Fort- bildungsklasse, die Selekta, Ostern 1910 eingegangen. An ihre Stelle wird vom kommenden Schuljahr an eine zwei Jahreskurse umfassende Frauenschule treten(vergl. S. 17).

Mit Genehmigung Grossherzoglichen Ministeriums legte eine Schülerin der hiesigen Kunstgewerbeschule, Frl. Dina Roth, am 15. April bei uns die für die Zulassung zur Zeichen- lehrerinnenprüfung erforderliche Vorprüfung in Deutsch, Geschichte und Geographie ab.

Vom 8.28. Mai war der Unterzeichnete zu seiner Erholung beurlaubt; während dieser Zeit war Herr Professor Dr. Ledroit mit der Wahrnehmung der direktorialen Dienstgeschäfte betraut.

Wegen hochgradiger nervöser Abspannung musste Herr Reallehrer Müller im Mai seinen Unterricht drei Wochen lang aussetzen, ebenso späâter noch einmal, vom 18. Oktober bis zum 2. No- vember; in seine Stunden teilten sich mehrere Mitglieder des Kollegiums.

Infolge eines Sturzes vom Fahrrad war Herr Reallehrer Hoffmann vom 23. Mai bis zum 2. Juli dienstunfähig.

Der alljährlich wiederkehrende Schulausflug wurde am 24. Mai unternommen. Die Oberklassen wie auch die Schülerinnen des Lehrerinnenseminars blieben den ganzen Tag unter- wegs, während die Klassen 4 ab- 10 ab um 1 Uhr nachmittags wieder zu Hause waren.

Der grossen Hitze wegen wurde der Unterricht im Juni mehrmals nachmittags und auch einige Male in der letzten Vormittagsstunde ausgesetzt; am 22. Juli war ebenfalls hitzfrei.