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schwalbach ihren Abschluss fand. Die Heimreise erfolgte über Wiesbaden mit der Bahn.— Die übrigen Klassen unternahmen, in einzelnen Abteilungen, einen halbtägigen Ausflug; verschiedene Punkte der näheren Umgebung der Stadt bildeten das Ziel ihrer Wanderung.
Wegen allzugrosser Hitze wurde der Unterricht im Juli achtmal, im August zweimal nach- mittags ausgesetzt; am Nachmitag des 15. Dezember vergnügten sich die Klassen 1—7 auf der Eisbahn.
Der Gesundheitszustand des Kollegiums im verflossenen Schuljahre liess leider recht viel zu
wünschen übrig; insbesondere hatte eine längere durch Erkrankung bedingte, jedoch zeitlich glück- licherweise nicht zusammenfallende Beurlaubung der Herren Dr. Daub, Bonin und Kempf sowie der Lehrerinnen Frl. Nauheimer, Bernhard und Walther eine vorübergehende Störung des Unterrichtsbetriebes im Gefolge; ebenso die Einberufung des Herrn Dr. Ledroit zu einer vierzehn- tägigen Landwehrübung in der Zeit vom 24. Juni bis zum 7. Juli.
Am 7. November, dem Tage der feierlichen Beisetzung des Hochwürdigsten Bischofs, Herrn Dr. Haffner, fiel, da eine Anzahl von Kollegen und Kolleginnen an ihr sich zu beteiligen wünschte, der Unterricht aus.
Der Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Grossherzogs und der Grossherzogin am 25. November wurde in gewohnter Weise gefeiert. Die Festrede hielt Herr Dr. Daub; ihr ging die Aufführung von Schillers„Huldigung der Künste“ voraus, mit Prolog und Epilog des Herrn Dr. Ledroit. Die Herren Professoren Dr. Stigell und Schlenger wohnten der Feier bei.— Am 27. Januar sprach Herr Müller, der Bedeutung des Tages gemäss, in warm empfundenen Worten zu den Schülerinnen; auch bei dieser Gelegenheit beehrte uns Herr Professor Dr. Stigell mit seiner Anwesenheit.— Ausserdem hatten wir noch zweimal Gelegenheit, wenigstens die Schülerinnen der fünf obersten Klassen und der Selekta zu einem Festaktus zu versammeln: der eine, am 15. September, galt dem Andenken Goethes, dessen dichterischen Entwicklungsgang Herr Heess in knapper, wohl- durchdachter Darstellung den Schülerinnen vor Augen führte; der andere, am 23. Dezember, brachte ihnen des abgelaufenen Jahrhunderts Grösse und Bedeutung zum Bewusstsein und gipfelte in einem zweckentsprechenden, lichtvollen Vortrage des Herrn Bonin..
Die Wiederimpfung der 1888 geborenen Schülerinnen erfolgte am 25. Juli; ihr schloss sich am 1. August die amtliche Nachschau an.
Einer Einladung des Grossherzoglichen Ministeriums entsprechend wohnte der Unterzeichnete am 18. Dezember der in Darmstadt abgehaltenen Direktoren-Conferenz bei.
Leider haben wir auch zwei Trauerfälle zu verzeichnen. Am 8. Februar wurde Emilie Brand, Schülerin der Klasse 4 a, nach kurzer, aber sehr schwerer Krankheit, am 6. März Katharina Schneider aus 5 b nach längerem Leiden durch den Tod von ihren Schmerzen erlöst. Die Mitschülerinnen legten Kränze und Sträusse am Sarge der früh verblichenen Freundinnen nieder und geleiteten sie am 10. Februar bezw. 7. März zur letzten Ruhestätte; der Unterzeichnete mit den Klassenführerinnen sowie der Mehrzahl seiner Herrn Kollegen beteiligte sich ebenfalls an dem Begräbnis.
Am 30. September konnte die Anstalt auf die ersten 10 Jahre ihres Bestehens zurückschauen; von einer festlichen Begehung dieses Erinnerungstages glaubten wir jedoch, im Einverständnis mit
dem Kuratorium, absehen zu sollen; ein Rückblick aut die Geschichte der Schule möge deshalb vorerst ebenfalls unterbleiben.
Wiederum dürfen wir eine Anzahl von Geschenken erwähnen, für deren Überlassung wir den gütigen Gebern auch an dieser Stelle nochmals unseren wärmsten Dank auszusprechen nicht ver- säumen wollen. Mit Gaben haben uns erfreut:
Herr Daniel Bonin.(Aktenmässige Darstellung der Waldensersiedlung in Hessen. Fortsetzung.)


