Jahrgang 
1897
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III. Moguntias Festgruss.

PROLOC,

Johannes

zu Ehren von Kaisers Geburtstag gedichtet von Herrn Dr. Ledroit.

L klingt gar heller Jubel ins weite Land hinein, Es rauschet heut' so freudig an unserm deutschenRhein, Es schmücken Fahn und Wimpel und Tannengrün das Land,

Es sind in Festesfreude die Herzen all' entbrannt.

Dem Kaiser gilt das Singen, das Jubeln und die Freud'! Es ist des Kaisers Festtag und unser Festtag heut'

Der Tag, da du geboren, sei uns ein Jubeltag!

Aus unsern frohen Herzen ein Glückwunsch dringen mag!

Und mitten in dem Jubel und in der Festesfreud

Denk' ich vergangner Tage, denk' ich entschwundner Zeit. Aus altersgrauen Sagen zieht's heut an mir vorbei,

Wie stets in meinen Mauern dem Kaiser blüht' die Treu!

Carolus Magnus weilte gar oft an dieser Statt,

Gar gross und herrlich Zierde bringt mir des Kaisers That: Er schirmte Kunst und Wissen, hat alles wohl bestellt, Zur ersten Stadt im Reiche Moguntia sich erwählt.

Und aus dem Sachsenstamme der Otto, stark und mild, Bestellte hier den Kanzler, des Reiches Wehr und Schild. Des Vaterlandes Herze, es war am grünen Rhein,

Es schlug so stark und freudig wohl in den Mauern mein.

Gar mancher Herr und Kaiser hat freudig hier geweilt, Sie alle sind gar gerne zum gold'nen Mainz geeilt.

Wie strahlte doch gar prächtig des Reiches Herrlichkeit, Als hier der greise Rotbart gerüstet sich zum Streit.

Gar mancher ward geküret allhier am grünen Strom, Es künden laut die Freude die Glocken meines Dom; Von all den Herrn und Kaisern, die man erwählet hier, Nenn' ich nur einen: Konrad, des Reiches Stolz und Zier.

Und als im deutschen Lande verloren Glanz und Pracht, Hat Kaiser Rudolf wieder von hier erneut die Macht; Walpod, der Mainzer Bürger, ihm treu zur Seite stand, Sein Nam' zu allen Zeiten hatt' Klang im Vaterland.

Und als vom welschen Lande droht' Not uns und Gefahr, Kurmainz stand immer feste und treu dem Kaiser war. Der Sturm ward abgeschlagen, es war gar bange Zeit,

Es brachten mir die Welschen noch manchenSchmerz undLeid.

Das Reich, es ging in Trümmer, sein Glanz, er war dahin, Gar elend und gebrochen ich lang gewesen bin.

Zu fremdem Lande riss man mich von der Heimat ab, 3is blutig, herrlich Siegen zurück dem Reich mich gab.

Doch ach, zerstiebt, zerfallen war deutsche Herrlichkeit, Die schönen deutschen Lande zerrissen und entzweit. Nie schien sich mehr zu einen das alte deutsche Reich, Schon hub der welsche Nachbar zum allerletzten Streich.

Das einte Deutschlands Stämme, in Zwietracht lang' geteilt; Zu heissem, ernstem Ringen vereint Alldeutschland eilt. Und hier, in meinen Mauern, da fing das Kämpfen an, Von hier betrat der König die plut'ge Siegesbahn.

Die Einheit ward gewonnen, ein Kaiser wieder mir.

Des grossen Helden Enkel ist heut' des Thrones Zier. Ihm lasst uns heute weihen mit Freuden Herz und Hand! Die Treue für den Kaiser blüht stets im Mainzer Land.

So soll es fürder bleiben und ew'ge Zeiten sein!

Es gleichet unsre Treue dem edlen Feuerwein,

Den an dem steilen Hange die Rebe bietet dar,

Er gähret und er brauset, doch ist er echt und wahr.

Und nun, ihrSchwestern, kommet! Willkommen hier am Rhein! Von Herzen sollt ihr alle begrüsst, beglückwünscht sein. Aus Nord und Süd willkommen! Ihr Städte allesamt,

In Liebe und in Treue zum Kaiserhaus entflammt!

Vom Rheine, von der Elbe und von dem fernen Meer, Von Westen und von Osten: sagt' euren Glückwunsch her! Sagt' alle eure Wünsche und ziert und sperrt euch nit! Hier spricht man frei vom Herzen;'s ist alte Mainzer Sitt'-