10
IV. Zur Geschichte der Anstalt.
In den Herbstferien 1903 wurde durch Erbreiterung und Erhöhung der Fenster eine völlig genügende Belichtung des neueingerichteten Schulzimmers No. 10 hergestellt.
Auf Grund eines an die oberste Behörde gerichteten Gesuches vieler Eltern um Einführung des fünfstündigen Vormittagsunterrichts auch im Winter und einer Abstimmung der Eltern, bei welcher sich am Herbstgymnasium 82% für die Einführung erklärten, wurde durch Verfügung Grossh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, die Einführung vom Winter- halbjahr 1904/05 ab genehmigt.
Durch Verfügung vom 12. Januar 1904 wurde eine von den Direktionen beider Gymnasien beantragte Verschiebung von Klassen des Herbst- und Ostergymnasiums genehmigt. Die bisherige Osterquinta des Herbstgymnasiums ging als Quarta an das Ostergymnasium über, die zweite vor- schulklasse des Ostergymnasiums wurde geteilt, und der eine Teil dem Herbstgymnasium angegliedert.
Herr Lehramtsaccessist Dr. Eugen Köser, der für das Sommerhalbjahr 1903 zum Access am Herbstgymnasium zugelassen war, wurde mit Schluss des Halbjahrs zur Erledigung der 2. Hälfte des 1. Vorbereitungs-Dienstjahres dem pädagogischen Seminar in Giessen zugeteilt.— An Stelle der Herren Prof. Heinrich und Kaplan Seipel übernahm zu Anfang des Winter- halbjahres Herr Kaplan Sartorius den ganzen katholischen Religionsunterricht, so dass Herr Prof. Heinrich nur noch den hebräischen Unterricht an unserer Anstalt erteilt.— Ostern 1904 gab Herr Prof. Klein seinen Unterricht am Herbstgymnasium auf, um nur mehr als Religions- lehrer am Ostergymnasium zu wirken. Seinen Unterricht, 6 Stunden evangelische Religion in I, II, III, übernahm Herr Pfarrassistent Schuster. Auch Herr Eschelbacher schied um dieselbe Zeit als Religionslehrer aus, da er am hiesigen Realgymnasium und der Oberrealschule definitiv angestellt wurde. Den israelitischen Religionsunterricht versehen seitdem ganz die Herren Rabbiner Dr. Salfeld und Lehrer Nussbaum.— Ostern verliess auch Herr Schul- verwalter Rodrian die Anstalt, um seiner Militärpflicht in Darmstadt zu genügen. An seine Stelle wurde Herr Johannes Rüdinger aus Erbes-Büdesheim zum Schulverwalter an der Vor- schule bestellt.
Am 8. Oktober kam Herr Prof. Schollmayer beim physikalischen Unterricht so unglück- lich zu Fall, dass er einen doppelten Knöchelbruch erlitt und seine Verbringung nach dem Rochushospital anordnen musste. Erst am 18. Januar konnte er den Unterricht wieder aufnehmen. Diesen hatte in der Zwischenzeit Herr Lehramtsaccessist Ludwig Weber aus Kelsterbach über- nommen, welcher dann durch Verfügung vom 6. Januar zur Vertretung an das Realgymnasium
und die Realschule in Giessen beordert wurde.— Auch Herr Schulverwalter Schmaus wurde längere Zeit, von Pfingsten bis zum 4. Juli, der Schule durch eine Blinddarmentzündung fern- gehalten. Der Unterricht wurde zum grössten Teil durch Kombination aufrecht erhalten.— Zu
einer vierwöchigen militärischen Ubung war von Pfingsten an Herr Pfarrverwalter Schuster eingezogen, dessen Unterricht während dieser Zeit zu übernehmen Herr Pfarrer Vogt die Güte hatte.— Herr Oberlehrer Grösser war vom 24. Juni ab zu einer 14 tägigen Landwehrübung eingezogen.— Zum Besuch der Philologenversammlung in Halle war der Unterzeichnete vom 3. bis 11. Oktober beurlaubt. Herr Prof. Nover versah währenddessen die Direktionsgeschäfte.
Durch Dekret vom 23. März 1904 wurde Herr Lehramtsassessor Schönberger zum Ober- lehrer am Herbstgymnasium ernannt.
Am 10. Mai beehrte Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel das Gymnasium mit seinem Besuche und wohnte dem Unterricht in mehreren Klassen bei.


