Jahrgang 
1895
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IV. Zur Chronilz der Anstalt.

Am Schluss unseres vorigen Berichtsjahres wurde durch Allerh. Entschluss dem Rechnungsrat Eduard Ottmar Eger die Stelle eines Generalrezeptors des Universitätsfonds und weiter auch die eines Rechners unserer Anstalt verliehen.

Am 11. August, dem Schlusse des Sommerhalbjahres 1894, wurden bei einer Schulfeier den Abiturienten die Reifezeugnisse übergeben.

Das Winterhalbjahr begann am 17. September. In das Lehrerkollegium trat zur Ableistung des zweiten Probejahrs ein der Lehramtsaccessist Dippel, nachdem er das erste Probejahr am pädagogischen Seminar des Gymnasiums zu Giessen vollendet hatte. Für die noch zu Militärdiensten einberufenen DDr. Denig und Willenbücher musste für die ersten drei Tage Vertretung eingerichtet werden. Vom Dienste an der Vorschule wurde der Lehramtsassessor Hensing zu einer Verwendung am Neuen Gymnasium in Darmstadt abberufen und zum Ersatz der Lehramtsaccessist Fuchs, vorher Seminarmitglied in Giessen bestellt. Da derselbe jedoch noch bis 1. Oktober im Regimente zu dienen hatte, so versah einstweilen bis zu seinem Eintritt am 2. Oktober der Accessist Dippel die Stelle an der Vorschule.

Am 2. und 3. November besuchte Herr Geh. Oberschulrat Soldan unser Gymnasium und wohnte dem Unterricht in mehreren Klassen bei.

Nachdem der Direktor der höheren Mädchenschule dahier, Dr. J. Keller, durch eine schwere Erkrankung sich genötigt gesehen hatte, einen längeren Urlaub zu erbitten, wurde am 16. November der Lehrer unserer Anstalt, Prof. Dr. Römheld, beauftragt, vertretungsweise die Leitung jener Schule zu übernehmen. In die hierdurch am Gymnasium erledigte Stelle wurde der Lehramtsaccessist Dippel berufen.

Am Samstag den 24. November beging die Anstalt mit einer Vorfeier das Geburtsfest Ihrer Kgl. Hoheiten des Grossherzogs und der Grossherzogin durch Gesang, musikalische Aufführungen und Deklamationen, wobei der Unterzeichnete die Ansprache hielt. Am Samstag den 26. Januar feierten wir in gleicher Festveranstaltung den Geburtstag Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Die Schüler führten das MelodramaHeil dem Kaiser auf und Kollege Vogt führte der Versammlung unseres Kaisers Wollen, Streben und Wirken zum Heil des Vaterlandes und unseres Volkes in packenden Worten vor.

Im Laufe des Winters wurden Lehrer und Schüler vielfach von Erkältungskrankheiten heimgesucht; besonders störend waren zahlreiche Erkrankungen der Schüler in 2H und 3H der Vorschule an Wasserpocken und Parotitis (Mumps) neben den gewöhnlichen Erkältungskrankeiten. Grippe und Bronchialkatarrhe machten besonders in der zweiten Hälfte des Winters häufige Vertretungen von erkrankten Lehrern nötig.

Am 4. Februar besichtigten die Herren Geh. Staatsrat von Knorr und Geh. Oberschulrat Soldan die Anstalt und wohnten dem Unterricht in mehreren Klassen bei.

Am 30. März als dem Schlusse des Winterhalbjahrs wurden in einer Schulfeier zu Ehren des achtzigsten Geburtstages des Alt-Reichskanzlers Fürsten Bismarck dessen Verdienste um die Einigung Deutschlands, die Begründung des Reiches und seiner Macht von dem Unterzeichneten den Schülern dargestellt. Zugleich wurden den Abiturienten die Reifezeugnisse übergeben.

Die Osterferien wäbrten vom 31. März bis 21. April. Das Sommerhalbjahr wurde am 22. April begonnen. An Stelle des für die Dauer eines Jahres beurlaubten Kollegen Braun ist der Lehramtsaccessist Büchler ernannt worden. Ferner wurden zur Ableistung des zweiten Accessjahres die Lehramtsaccessisten Hilsbos(vorher am pädagogischen Seminar in Darmstadt) und Müller(vorher in Giessen) dem Gymnasium zugewiesen. Letzterer übernahm sämmtliche Unterrichtsstunden des vom 2. April bis 29. Mai zum Militär eingezogenen Accessisten Fuchs. Im Laufe dieses Sommers wurde der Unterrichtsbetrieb in ungewöhnlicher Weise sowohl durch Ein- berufungen als auch durch Erkrankungen von Lehrern gestört. Die Kollegen Dr. Denig, Dr. Willenbücher (beide vom 15. bis 29. Juni) und Freund(vom 1. August bis 26. September) wurden oder werden durch militärische Uebungen dem Unterricht entzogen. Durch freundliches Entgegenkommen des Kgl. Bezirkskommandos Aschaffenburg ist in dankenswerther Weise gestattet worden, dass Accessist Büchler seinen Dienst, anstatt vom 8. August an, erst eine Woche später antritt; hierdurch wurden uns unmittelbar am Schlusse des Schuljahres grössere Störungen erspart. Der Dienst der genannten Lehrer wurde durch Mitglieder des Kollegiums, insbesondere auch durch den Accessisten Müller versehen. An Stelle der seit dem 30. April, bezw. dem 8. Mai erkrankten Kollegen Prof. Dr. Schall und Prof. Dr. Drescher sandte das Grossh. Ministerium die Lehramtsaccessisten Krauss und Brod zur Aushülfe. Nachdem der Erstgenannte mit dem 18. Juni seinen Dienst wieder angetreten