Jahrgang 
1893
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IV. Zur Chronik der Anstalt.

Am 13. August, dem Schlusse des Sommerhalbjahrs 1892, wurden bei einer Schulfeier den Abiturienten die Reifezeugnisse übergeben.

Das Winterhalbjahr begann am 19. September. Zum Stellvertreter des erkrankten Gymnasiallehrers Dr. Schneider wurde der Lehramts-Accessist Karl Berger ernannt. Die Lehramts-Accessisten Christian Herbeck, Dr. August Messer und Dr. Heinrich Schrohe wurden unserer Anstalt zugewiesen. Die erledigte Stelle des katholischen Religionslehrers wurde durch Verfügung vom 17. September dem Pfarrer Johann Baptist Heinrich übertragen.

Während des ganzen Winters war der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler nicht befriedigend; für einige der ersteren waren längere Vertretungen nötig. Zumeist waren es Erkrankungen der Athmungsorgane und Grippe, bei den Schülern der Vorschule viele Fälle sog. Wasserpocken, später auch mehr oder minder heftige Erkrankungen an Scharlach und Diphtherie, die den Schulbesuch auf längere oder kürzere Zeit unterbrachen. Der Pedell des neuen Gymnasiums war durch eine schwere Krankheit drei Monate lang seinem Dienst entzogen.

Am 14. November wurde der Gymnasiallehrer Dr. Engelbert Schneider von seinem langwierigen Leiden durch einen sanften Tod erlöst. Geboren am 12. Oktober 1857 in Hainhausen, Kr. Offenbach, trat er Ostern 1872 in die Quinta des hiesigen Gymnasiums ein, in welchem er sich als tüchtiger Schüler bis zu seinem Abgang im Herbst 1877 bewährte. Nachdem er mit Auszeichnung seine Reifeprüfung bestanden, mit Auszeichnung auch im Dezember 1881 seine akademischen Studien vollendet hatte, erwies er sich während des Seminarjahres und der provisorischen Verwendung am Gymnasium in Giessen(Januar 1882 bis Herbst 1884) als strebsamer, tüchtiger Lehrer. Seit dem 9. Oktober 1884 zunächst als provisorischer Lehrer und vom 6. Februar 1886 an in definitiver Anstellung gehörte er bis zu seinem Ende unserer Anstalt an. Er war ein eigenartiger Charakter, rastlos thätig, arbeitsfreudig und pflichttreu; streng gegen sich selbst, voll Güte gegen seine Schüler, zumal gegen die schwächeren. Vor seiner Schaffenslust und Berufstreue traten alle Rücksichten, besonders die auf seine Gesundheit zurück; er hielt trotz seines Brustleidens im Berufe aus, bis er zusammenbrach. So war er vom 8. Nov. 1890 bis Herbst 1891, und von Mitte Juli 1892 bis zu seiuem frühen Tode dem Unterricht entzogen. Wenn auch die geschwächte Körperkraft ihm die Ausübung seines Berufes zuletzt unmöglich machte, so konnte er es trotz aller Einsprache nicht unterlassen, mit den letzten verglimmenden Lebensfunken, der von ihm festgehaltenen Verpflichtung getreu, seine letzte wissenschaftliche ArbeitSemasiologische Beiträge, Ueber den Ausdruck der Gefühle, die unserm vorigen Programm beigegeben war, druckfertig zu machen und die Druckbogen zu verbessern. Von ihm erschienen, abgesehen von Rezensionen, früher im Druck: De dialecto Megarica(als Doktor-Dissertation), Giessen 1882; Dialecti latinae priscae et faliscae exempla selecta Pars I. Leipzig 1886. Diese Denkmäler der altitalischen Dialekte, die für die Kenntnis der geschichtlichen Entwicklung der lateinischen Sprache und für die Einführung in die grammatische Methode von grossem Interesse sind, sollten in handlicher Form zugänglicher gemacht werden, als dies bisher geschehen war. Die Arbeit ist auf Anregung der Professoren Clemm in Giessen und Ribbeck in Leipzig entstanden. Nach dem Urteil der Kritik ist der wissenschaftliche Stoff in übersichtlicher Weise ver- wertet, so dass das Werk seinem Zweck völlig entspricht. Endlich übersetzte er aus dem Englischen die beiden Werke Max MüllersDas Denken im Lichte der Sprache, Leipzig 1888 undNatürliche Religion, Gifford-Vor- lesungen, Leipzig 1890. Dem allseitigen tiefen Schmerz gaben bei dem feierlichen Leichenbegängnis, das am 16. November stattfand, sowohl der fungirende Geistliche, wie der Unterzeichnete Ausdruck. Dem am 22. Nov. von dem kathol. Religionslehrer in St. Peter abgehaltenen Trauergottesdienst wohnten Lehrer und Schüler bei.

Das Geburtsfest Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs wurde am 25. November gefeiert; in seiner Festrede schilderte Prof. Schlenger die Entwicklung unseres engeren Vaterlandes. An diesem Tage zeichnete unser Landesherr den Kollegen Klein durch Verleihung des Titels Professor aus.

Der provisorische Gymnasiallehrer Freund wurde durch Allerhöchste Entschliessung vom 10. Dezember definitiv angestellt. Mit Neujahr trat der Lehramtsaccessist Herbeck eine Lehrerstelle an der Goetheschule in Offenbach an.

Nachdem schon vor Beginn des Winters die Heizungs-Einrichtungen des neuen Gymnasiums Gegenstand einer am 26. September durch die Herren Geh. Staatsrat von Knorr, Geh. Oberschulrat Soldan und Geh. Oberbaurat von Weltzien vorgenommenen Besichtigung gewesen waren, und schliesslich durch die strenge Kälte des darauf- folgenden Winters sich in verschiedenen Teilen des Gebäudes, vor allem in der Turnhalle, eine Reihe von Mängeln