Jahrgang 
1912
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VII. Mitteilungen an Eltern und Schüler.

Die geechrten Eltern und Pensionsgeber unserer Zöglinge werden dringend gebeten, der Lehrer- Schaft in der Durchführung der Schulordunung und der Schularbeit ihre pflichtgemäße Unterstützung zu gewähren. Diese Bitte, der ich in jedem Jahre Ausdruck verliehen habe, muß ich wegen schmerzlicher Vorkommnisse im vorletzten Jahre ganz besonders dringend wiederholen. Vor allem sehe ich mich zu dem Hinweis veranlaßt, auf Spuren von verbotenen Schülerverbindungen genau achten zu wollen. Die Schule bietet reichliche Gelegenheit, die jugendliche Freude zu genießen und die Kamerad- schaft zu pflegen. Im Interesse der Schüler ist es sehr erwünscht, sich vertrauensvoll mit den Lehrern der Anstalt in Verbindung zu setzen und zwar rechtzeitig: ein Besuch in den letzten Wochen des Schuljahres wird im allgemeinen keinen Wert mehr haben. Sprechstunden der einzelnen Herren im Gebäude der Oberrealschule(meist im Zimmer Nr. 35 im 1. Stock) werden nach wie vor in der Schule bekannt gegeben. Ganz besonders wertvoll ist es, wenn sich die Eltern öfter die Hefte ihrer Söhne vorlegen lassen. Dies wird in der Sprechstunde meist nur dann geschehen können, wenn die Eltern vorher darum nachsuchen. Von der Schule aus werden nach einer Verfügung der Behörde nur bei erheblichen Anlässen Mitteilungen an die Eltern gesandt, die mit Namensunterschrift zu versehen und zurückzusenden sind. Der Direktor ist an jedem Wochentage von 11 bis 12 Uhr in seinem Amts- zimmer zu sprechen, in seiner Wohnung nur ausnahmsweise nach vorangehender Anmeldung.

Dringend werden Eltern und Pensionsgeber gebeten die Schüler nicht zu leicht den Unterricht versäumen zu lassen. Die Jugend muß gelehrt werden, ihre Pflicht auch unter erschwerenden Um- ständen zu erfüllen.

Für diejenigen Schüler der obersten Klassen der Oberrealschule, die in den lehrplanmäßigen Lehrfächern durchaus genügen, ist ein Privatkursus zum Erlernen der Elemente der lateinischen Sprache eingerichtet, dessen Besuch mit Rücksicht auf einzelne Berufsarten empfohlen wird.

Das neue Schuljahr beginnt Montag den 15. April, vormittags 8 Uhr, mit der Aufnahme- prüfung und Dienstag, den 16. April. morgens 8 Uhr, mit dem Unterrichte.

Voraussichtlich werden im nächsten Sommerhalbjahr versuchsweise 6 Unterrichtslektionen zu je 45 Minuten auf den Vormittag von 7 bis 12 ½ Uhr zusammengelegt, da von den Eltern unserer Schüler sich 451 dafür und nur 9 dagegen ausgesprochen haben.

Die Ferien werden im neuen Schuljahre liegen wie folgt: Pfingstferien vom Preitag, 24. Mai, bis Dienstag, 4. Juni, Sommerferien vom PFreitag, 19. Juli, bis Dienstag, 20. August, Herbstferien vom Sonnabend, 5. Oktober, bis Donnerstag, 17. Oktober, Weihnachtsferien von Freitag, 20. Dezember, bis Freitag, 3. Januar 1913. Schuljahrsschlußs: Mittwoch, 19. März 1913.

Das Reform-Realgymnasium zählte im abgelaufenen Schuljahre fünf Klassen: Unter- tertia, Obertertia, Untersekunda, Obersekunda und Unterprima. Mit dem neuen Schuljahre wird die letzte Klasse, die Oberprima, eröffnet.

Etwaige weitere Anmeldungen von Schülern haben bis spätestens den 13. April persönlich bei dem Direktor in seiner Sprechstunde oder schriftlich unter Benutzung eines von dem Pedellen unent- geltlich zu entnehmenden Anmeldescheins zu geschehen. Hierbei sind Geburts- bezw. Taufschein, der Impf- bezw. Wiederimpfschein und das letzte Schulzeugnis einzureichen. Abmeldungen sind zur Ver- meidung der Verpflichtung zur weiteren Bezahlung des Schulgeldes spätestens bis zum 13. April pei dem Unterzeichneten durch den Vater oder dessen berechtigten Stellvertreter anzubringen.

Bei der Aufnahme in Sexta wird verlangt:

Geläufigkeit im Lesen deutscher und lateinischer Druckschrift, Kenntnis der Wortarten; Fertigkeit, etwas Diktiertes ohne grobe Rechtschreibungsfehler in deutscher und lateinischer Schrift nachzuschreiben; Geläufigkeit und Sicherheit innerhalb der vier Grundrechnungsarten mit unbenannten Zahlen, Uebung im Schreiben der Zahlen nach Diktat; Kenntnis der wichtigsten Geschichten aus dem alten Testament und des Lebens Jesu.

Marburg a. d. L., am 22. März 1911.

Der Oberrealschuldirektor:

Dr. Knabe.