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II. Die Lehrer.
1. Als Vertreter für den nach Schlüchtern beurlaubten Studienrat Dr. Fenner blieb hier der Studienassessor Dr. Hadermann.
Zum 1. Oktober 1928 schied Herr Studienrat Engelhardt infolge Erreichung der Alters- grenze aus dem Amt, nachdem er vor 40 Jahren in den Dienst an den höheren Schulen der Provinz eingetreten war und zuletzt 28 Jahre am Philippinum tätig gewesen war. Als gebürtiger Hesse, der auch seine ganze Studienzeit in Marburg zugebracht hatte, war er mit Stadt und Bevölkerung eng verwachsen und personifizierte in sich die Tradition der Schule, um deren Geschichte er sich durch mannigfache Arbeiten großes Verdienst erworben hat. Unsern Schülern ist er besonders in den alten Sprachen und der Geschichte sowie auch im Turnen ein ruhig zielbewußt leitender Lehrer gewesen, dessen unbedingte Sachlichkeit und Gerechtigkeit vielen Schülergenerationen ein Vorbild gewesen ist. Seine Arbeitsfreude und Arbeitsökonomie ermöglichten ihm neben der eigentlichen Berufsarbeit sich im Interesse der Gesamtheit zu betätigen: so hat er Jahrzehnte hindurch die Lehrerbibliothek verwaltet, war ebenfalls lange Jahre an den Kursen zur Ausbildung von Turnlehrern sowie an den Turn- prüfungen tätig, half zeitweise bei der Ausbildung der Studienreferendare und leitete als Nachfolger von Prof. Elste seit 1920 die von der juristischen Fakultät eingerichteten Latein- kurse zur Einführung in die Quellen des römischen Rechts. Außerdem war er seit 1918 Mitglied des Prüfungsausschusses für lateinische und griechische Ergänzungsprüfungen. S80 kann er auf ein reiches, gesegnetes Berufsleben zurückblicken, das vielen zum Segen war und ihm die Dankbarkeit von vielen sichert.
Da der Herr Minister dem a. o. Prof. Oberstudienrat Dr. Enßlin gestattete, um sich seiner akademischen Lehrertätigkeit ausschließlicher widmen zu können, sich im Schulunterricht zu entlasten, übernahm Engelhardt auch nach dem offiziellen Abgang noch freiwillig mit Genehmigung des Provinzial-Schulkollegiums die Hälfte des Herrn Enßlin zugewiesenen Unterrichts.
Zu seinem Nachfolger ernannte der Herr Minister den Studienrat am Gymnasium Deutsch-Krone, Herrn Karl Sandt, geboren am 12. September 1883 in Lengweten, Kreis Ragnit in Ostpreußen, der am 10. Oktober in sein hiesiges Amt eingeführt wurde.
Ungewöhnlich groß war die Zahl der Erkrankungen, durch die von den 13 Mitgliedern des Lehrerkollegiums 9 auf kürzere oder längere Zeit vom Unterricht ferngehalten wurden. Da die Vertretung vom Kollegium getragen werden mußte und wir uns nicht entschließen konnten, Unterricht ausfallen zu lassen, war die Belastung sehr groß. Im Ganzen mußten 114 Arbeitstage mit durchschnittlich 4— 5 Stunden durch die Mehrarbeit des Kollegiums ge- deckt werden.
Auch Herrn Studienrat Luckey war vom Herrn Minister ein Lehrauftrag an der Universität übertragen und gestattet worden, sich vom Unterricht zu entlasten. Da ausgebildete Lehrkräfte nicht zur Verfügung standen, nahmen wir mit Genehmigung des Provinzial-Schul- kollegiums die Hilfe von älteren Studenten in Anspruch: im Sommer die des cand. phil. Volland, im Winter die des Dr. phil. Wietling. Beiden Herren ist die Schule für ihre pflichttreue Arbeit zu Dank verpflichtet.
Am Anfang des Schuljahres war der Direktor zur Teilnahme an einer Konferenz der Vorsitzenden der wissenschaftlichen Prüfungsämter auf 3 Tage nach Berlin beurlaubt; am 2. 3. 1929 fand hier in Marburg eine Tagung von Oberschulräten und Direktoren statt zur Besprechung der Arbeit an den Jahresplänen.
2. Ein Lehrerausschuß ist hier nicht vorhanden.
3. Am wissenschaftlichen Prüfungsamt sind tätig: der Direktor als Vorsitzender und die Herren Enßlin, Lieberknecht und Luckey als Mitglieder.
4. An der Universität halten Vorlesungen oder Uebungen ab: der Direktor, der Ober- studienrat Dr. Enßlin, Studienrat Engelhardt, Studienrat Luckey sowie als Leiter der griechischen Kurse Studienrat Dr. Wysk.
5. Der besondere Prüfungsausschuß für Ergänzungsprüfungen in Latein und Griechisch bestand wie bisher weiter.
6. Durch Erlaß des Herrn Ministers für Wissenschaft usw. in Berlin vom 15. 3. 1929 — UII Nr. 5506— wurde Herr Studienrat Luckey zum Oberstudienrat ernannt und ihm die infolge Anerkennung des Gymnasium Philippinum als besonders bedeutungsvoller Schule neu- geschaffene Oberstudienratsstelle mit Wirkung vom 1. April 1929 ab übertragen.


