II. Chronik des Gymnasiums.
Donnerstag den 8. April wurde das neue Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht und mit der Aufnahme von 51 neuen Schülern begonnen. Zugleich wurde der Schulamts- Candidat Theodor Kausel in seine neue Stellung eingeführt. Derselbe ist nämlich durch Beschluss des Kgl. Provinzial-Schulcollegiums zum Vertreter des zu einer Reise nach Italien und Griechenland auf ein Jahr beurlaubten Oberlehrers Dr. Philipp Braun bestimmt worden.
Am 24. April starb in seiner Heimath Leidenhofen bei Ebsdorf der Untertertianer Karl Lenz, Sohn des Lehrers Lenz daselbst, im 17. Lebensjahr an einer Herzkrankheit, an der er schon lange gelitten hatte. Diejenigen Gymnasiasten, welche mit dem Ver- storbenen in derselben Klasse gesessen hatten, betheiligten sich unter Leitung des Ordinarius Pf. extr. Vogt an der Leichenfeier.
Montag den 26. Mai begann das schriftliche Tentamen der Primaner und endigte den 29. desselben Monats.
Das herkömmliche Frühlingsfest wurde am Nachmittag des 18. Juni in dem hinter dem Glaskopf gelegenen Wald von den Lehrern und Schülern des Gymnasiums gefeiert. Von den Primanern wurde ein komisches Stück:»zwei Herren und ein Diener«, von den Obersecundanern eine Scene aus dem Kriegszug des Perserkönigs Xerxes aufgeführt. Auch trug der Sängerchor mehrere Lieder vor.
Die Sommerferien begannen Sonnabend den 3. Juli und dauerten bis zum 31. Juli. Während dieser Zeit wurde für diejenigen Schüler von Sexta, Quinta und Quarta, deren Eltern es wünschten, durch den Schulamts-Candidaten Dr. Georg Hunrath ein Nachhülfe- Unterricht ertheilt, der sich jedoch auf 2 Tage in der Woche und auf eine Zeit von 1 ½ bis 2 Stunden beschränkte. Da nämlich Gymnasiallehrer Fritze als Reserve-Officier zu einer 6 wöchigen Dienst-Uebung einberufen worden war, so hatte Kgl. Prov.-Schulcollegium durch Beschluss vom 18. Mai bestimmt, dass derselbe durch den Schulamts-Candidaten Dr. Hunrath vertreten werde, und dass letzterer seine Thätigkeit am hiesigen Gymnasium, an welchem er zugleich sein Probejahr vollenden solle, schon mit dem 1. Juni beginne. Auch der Stellvertreter für Dr. Braun, Candidat Kausel, wurde zu einer 6 wöchigen militärischen Dienstleistung einberufen und trotz mehrfacher Bemühungen von der Militär- behörde nicht freigegeben. In dieser Verlegenheit leistete ein ehemaliger Schüler des hiesigen Gymnasiums, Studiosus philol. Friedrich Wolff, nach vorgängiger Genehmigung des Kgl. Provinzial-Schulcollegiums die erforderliche Aushülfe, indem er während der Abwesenheit des Candidaten Kausel dessen Lehrstunden übernahm. Bei dem Wiederbeginn


