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Braun hielt die Festrede und zwar über Entstehung, Entwicklung und Vollendung der deutschen Pinheits-Idee. Nachmittags machten die einzelnen Classen mit ihren Ordinarien Spaziergänge in die Umgegend.
Freitag den 14. September fand die münlliche Prüfung der unserin Gymnasium angehörenden Examinanden, Dienstag den 18. September die der sogen. Externi statt.
Sonnabend den 22. September wurden die Lectionen geschlossen und die vier im folgenden Abschnitt genannten Ober-Primaner, welche die Maturitäts-Prüfung bestanden hatten, feierlich entlassen. Die Herbstferien dauerten bis zum 10. October.
Donnerstag den 11. October wurden die Lectionen wieder mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet.
Am 24. October wurden Prüfungen der Classen Sexta und Quinta, am 31. October der Classen Quarta und Unter-Tertia abgehalten.
Von Anfang Novembers an wurde dem Gymnasial-Lehrer A ugust Fritze ein sechs- monatlicher Urlaub bewilligt. Derselbe wird als Fahrer eines jungen Mannes aus Frank- furt am Main Italien, Spanien sowie das südliche Frankreich bereisen und hoffentlich mit Kenntnissen und Erfahrungen bereichert zu uns zurückkehren. Zum Ersatz für Gym- nasial-Lehrer Fritze trat zu gleicher Zeit Schulamts-Candidat Lud wig Christfreund als beauftragter Lehrer in das Gymnasium ein.
Freitags den 9. November musste das Lehrer-Collegium über viele seiner Schüler schwere Strafen verhängen. Die Untersuchung eines von Gymnasiasten verübten nächt- lichen Strassen-Unfugs führte nämlich zur Entdeckung mehrerer verbotener Verbindungen, welche unter den Schülern des hiesigen Gymnasiums theils bestanden hatten, theils noch bestanden. Sechs Schüler, welche entweder schon früher mit der Ausweisung bedroht waren, oder sich besonders straffällig gezeigt hatten, wurden aus dem Gymnasium aus- gewiesen, die Uebrigen je nach dem Grad ihrer Schuld mit Carcer bestraft und mit der Ausweisung bedroht. Um dieselbe Zeit sind ähnliche Verbindungen auch auf anderen Gymnasien der Monarchie entdeckt und bestraft worden, so dass man sieht, wie die Neigung zu verbotenen Vereinigungen gleichsam eine ansteckende Krankheit unter der Jugend ist. Alle solche Verbindungen widerstreiten dem Geist wahrer Jugend-Erziehung, indem sie, Wo es sich um die Zwecke der Verbindung handelt, Ungehorsam gegen die Lehrer fordern, häufig auch zu Trinkgelagen u. S. w. Veranlassung geben; manche der- selben aber sprechen aller Sittlichkeit Hohn, indem sie, um sich. gegen Entdeckung zu sichern, von ihren Mitgliedern verlangen, dass diese ihren Eltern und Lehrerm gegenüber in der hinterlistigsten und schmachvollsten Weise die Wahrheit verleugnen. Deshalb wird es gerechtfertiat erscheinen, an alle Eltern der Schüler die dringende Bitte zu richten, dass sie entweder unmittelbar durch persönliches Einwirken solchem Treiben Einhalt thun, oder durch Mittheilung an die Schulbehörde zur Beseitigung des Uebels mitwirken möchten.
Das schriftliche Tentamen der Primaner begann am 22. uncdk endigte am 29. Nov.


