Jahrgang 
1913
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frühzeitig im Schuljahre geſchehen, je früher, um ſo beſſer. Die Eltern und deren Stellvertreter mögen ſich regelmäßig die Klaſſenarbeiten der betreffenden Schüler vorlegen laſſen, dann können ſie nicht im Zweifel ſein über deren Fortſchritte.

Entſprechend einer Verfügung vom 25. Mai 1905 rate ich den Eltern derjenigen Schüler, die ſich ſpäter der Technik, den Naturwiſſenſchaften, der Mathematik oder der Medizin zu widmen gedenken, darauf zu dringen, daß ihre Söhne an dem wahlfreien Zeichenunterrichte teilnehmen.

Ebenſo empfehle ich den Schülern der oberen Klaſſen, wofern ſie nicht als künftige Theo⸗ logen das wahlfreie Hebräiſche vorziehen, die wahlfreien engliſchen Unterrichtsſtunden zu beſuchen.

Bekannt iſt, welch wohltätigen Einfluß die Pflege der Jugendſpiele, Sportübungen wie aller Turnübungen und Turnmärſche auf den jugendlichen Körper ausübt. Wenn auch hier wie überall ein übertriebener Ehrgeiz von Übel iſt, ſo iſt doch körperliche Kraft und Gewandt⸗ heit nicht bloß für die körperliche Geſundheit, ſondern auch für die Ausbildung des Geiſtes zu Mut und Entſchloſſenheit von außerordentlich hoher Bedeutung.

Zuletzt hat der Berichterſtatter dann noch die Pflicht, auf ein ganz ſchlimmes Gebrechen unſerer Zeit, auf den Hang der Jugend zur Schundliteratur und die ſchweren Gefahren, die hier drohen, hinzuweiſen und einen Erlaß des Kultusminiſters vom 21. September 1912 mit⸗ zuteilen, der dieſe Gefahren zum Gegenſtande hat.Die Gefahren, die durch die überhand nehmende Schundliteratur der Jugend und damit der Zukunft des ganzen Volkes drohen, ſind in den letzten Jahren immer mehr zutage getreten. Neuerdings hat ſich wieder mehrfach ge⸗ zeigt, daß durch die Abenteurer⸗, Gauner⸗ und Schmutzgeſchichten, wie ſie namentlich auch in einzelnen illuſtrierten Zeitſchriften verbreitet werden, die Phantaſie verdorben und das ſittliche Empfinden und Wollen derart verwirrt worden iſt, daß ſich die jugendlichen Leſer zu ſchlechten und ſelbſt gerichtlich ſtrafbaren Handlungen haben hinreißen laſſen. Die Schule hat es auch bisher nicht daran fehlen laſſen, mit allen ihr zu Gebote ſtehenden Mitteln dieſes libel zu be⸗ kämpfen und alles zu tun, um bei den Schülern und Schülerinnen das rechte Verſtändnis für gute Literatur, Freude an ihren Werken zu wecken und dadurch die ſittliche Feſtigung in Ge danken, Worten und Taten herbeizuführen. In faſt allen Schulen finden ſich reichhaltige Büchereien, die von den Schülern und Schülerinnen koſtenlos benutzt werden können. Aber die Schule iſt machtlos, wenn ſie von dem Elternhauſe nicht ausreichend unterſtützt wird. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der ihren Kindern drohenden Gefahren und im Bewußt⸗ ſein ihrer Verantwortung die Leſeſtoffe ihrer Kinder, einſchließlich der Tagespreſſe ſorgſam überwachen, das verſteckte Wandern häßlicher Schriften von Hand zu Hand verhindern, das Betreten aller Buch- und Schreibwarenhandlungen, in denen Erzeugniſſe der Schundliteratur feilgeboten werden, ſtreng verbieten, und ſelbſt überall gegen Erſcheinungen dieſer Art vorbild⸗ lich und tatkräftig Stellung nehmen, nur dann iſt Hoffnung vorhanden, daß dem Uebel ge⸗ ſteuert werden kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern wie auch den Schülern und Schülerinnen ſelbſt mit Rat und Tat zur Seite ſtehen und ihnen diejenigen Bücher angeben, die ſich für die Altersſtufe und für ihre geiſtige Entwicklung eignen. Zu dieſem Zwecke werden es ſich die Lehrer und Lehrerinnen gern ange⸗ legen ſein laſſen, ſich über die in Betracht kommende Jugendliteratur fortlaufend zu unterrichten. Das in dem Weidmannſſchen Verlage zu Berlin erſchienene Buch des Direktors Dr. Johanneſſon: Was ſollen unſere Jungen leſen? wird den Schülern und den Schülerinnen wie deren Eltern als zuverläſſiger Wegweiſer dabei dienen können.

Professor Dr. Marx.