Jahrgang 
1913
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Simon erkrankte im Laufe des Sommers, ſodaß er ſeine Stelle aufgeben mußte. Sein Nach⸗ folger wurde Herr Fiſchbach.

Im Laufe des Monats Oktober verbreitete ſich die Kunde, daß Herr Direktor Dr. Thamm zur Leitung des Gymnaſiums in Wiesbaden auserſehen ſei. Die Beſtätigung folgte bald und mit dem 1. Januar ſollte die Anſtalt ihren Direktor, der über 9 Jahre mit ebenſoviel Eifer und Geſchick wie Erfolg ſie geleitet hatte, verlieren. Der Unterzeichnete betonte in ſeiner Rede auf den Scheidenden bei der Abſchiedsſchulfeier am 18. Dezember u. a., wie es das eifrigſte Beſtreben des bisherigen Direktors geweſen ſei, Gottesfurcht, Arbeitsluſt und Vaterlandsliebe in der Jugend zu wecken, wie er in humaner und doch tatkräftiger Weiſe die Anſtalt geleitet, allen ein Vorbild unermüdlichen Fleißes, wie er die Studienerinnerungsfeſte und den Verein ehemaliger Schüler ins Leben gerufen, welch letzterer bisher jedes Jahr zu Weihnachteu 6 Stipendien à 50 Mk. für bedürftige und würdige Schüler der Anſtalt geſpendet, wie die Schule unter ſeiner Leitung zum erſten Male die hohe Schülerzahl von 300 erreicht habe. Herr Direktor Dr. Thamm dankte dem Lehrerkollegium für ſeine Mitarbeit, ermahnte die Schüler eifrig weiterzuarbeiten nach den Weiſungen ihrer Lehrer wie bisher und wünſchte der ganzen Anſtalt Gottes reichſten Segen. Zu ſeinem Nachfolger wurde Herr Profeſſor Dr. Jöris vom Gym naſium zu Limburg vom Kuratorium gewählt. Die Königliche Beſtätigung erfolgte bald darauf.

Ein Feſt eigener Art fand gleich bei Beginn des neuen Schuljahres ſtatt. Es war ein Doppelfeſt, ein Feſt der Abiturienten von 1887, die nach 25 Jahren die Erinnerungsfeier ihres Abganges von unſerer Schule begingen, ſowie eine Feier für Herrn Prof. Dr. Lückenbach, der ſo viele Jahre an derſelben Schule gewirkt hatte und jetzt von ihr Abſchied nahm. Am Nachmittage des 17. April begrüßte der Direktor Dr. Thamm mit der Schule dieEhemaligen bei ihrem Eintreffen nach 4 Uhr am Bahnhofe. Am Abende fand eine längere Begrüßungsfeier im Naſſauer Hofe ſtatt, zu der Vertreter des Kuratoriums, des Magiſtrats, das Lehrerkollegium und die 3 oberen Klaſſen der Schule erſchienen waren. Es folgten preiſende und glück wünſchende Reden von Dr. Stemmler aus Ems im Namen der Herren Jubilare auf die Anſtalt, des Direktors Dr. Thamm auf die früheren Schüler, des Bürgermeiſters Sauerborn wie des Oberprimaners Spies ebenfalls auf die lieben Gäſte. Es fand ein reicher Austauſch von meiſt fröhlichen Erinnerungen aller Art aus alten Tagen ſtatt. Am Morgen des 18. hielt Herr Domkapitular Strieth einen Trauergottesdienſt für die inzwiſchen verſtorbenen Schulkameraden. Es waren 3 von 18. Dann wurde ein Kranz auf dem Grabe des ebenfalls inzwiſchen ver⸗ ſtorbenen langjährigen früheren Direktors Dr. Werneke niedergelegt, worauf in der Aula der Anſtalt die Schulfeier ſich anſchloß. Nachdem Herr Direktor Dr. Thamm im Namen des Gymnaſiums die früheren Schüler herzlich begrüßt hatte, gab Herr Dr. Stemmler den Em⸗ pfindungen dieſer, ihrer immer jungen Liebe zu der alten Schule in der alten freundlichen Stadt in längerer poeſievoller Rede Ausdruck. Dann trat Herr Direktor Dr. Thamm zum zweiten⸗ mal zum Rednerpult und dankte Herrn Prof. Dr. Lückenbach für die lange treue Arbeit, die er geleiſtet und überreichte ihm den von Sr. Majeſtät verliehenen Roten Adlerorden IV. Klaſſe. Herr Prof. Dr. Lückenbach warf in ſeiner Dank⸗ und Abſchiedsrede intereſſante Rückblicke auf die kurze und doch reiche Geſchichte des Gymnaſiums, die er faſt ganz miterlebt, auf die Turnfahrt ſeiner Schüler nach Ems zu dem großen Kaiſer, der der Anſtalt ihren Namen ge⸗ geben hat und wünſchte dieſer eine weitere glückliche Zukunft.

Am 15. Mai zog die Schule aus zum munteren Kriegsſpiel nach Niederahr, ebenſo ſpäter nochmals am 24. September ins Gelbachtal, beide Male unter Führung ſachkundiger Herren, der Reſerveoffiziere Oberleutnant Dietz und Leutnant Keil. Am 20. Mai hielt ein früherer Schüler Herr cand. phil. Hubert Klein aus Coblenz in der Turnhalle einen ſehr intereſſanten Vortrag über die Lebensgewohnheiten Napoleons I.

Zu Pfingſten machten Direktor Dr. Thamm und Hilfslehrer Reichert I mit 18 Schülern eine dreitägige Ferienreiſe über Trier und Luxemburg nach Sedan. Es wurde das Schlachtfeld von Sedan nebſt Umgebung ſowie das Schloß Bouillon eingehend beſichtigt. Am 24. Juni hielt Herr Direktor Dr. Thamm in der Turnhalle einen Lichtbildervortrag über ſeine Reiſe nach Sedan. Ein kleines nach Belieben gezahltes Eintrittsgeld ſollte zur Verſtärkung der Nationalflugſpende ſeitens unſerer Schule dienen. In der Tat beteiligten ſich unſere Schüler