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Der Geſundheitszuſtand im Lehrerkollegium kann als befriedigend bezeichnet werden, doch machten eine Erkrankung des Lehramtsaſſeſſors Franz im Monat Mai und eine Sehnenverzerrung, die derſelbe ſich beim Ballſpiel im Monat Februar zuzog, mehrwöchige Vertretungen nötig.
Auch der Geſundheitszuſtand der Schüler war im allgemeinen gut. Anſteckende Kinder⸗ krankheiten, die in einigen Heimatorten unſerer Schüler endemiſch auftraten, verliefen meiſt leicht
und befielen nur wenige unſerer Schüler.
Die als Erſatz für die monatlichen halbtägigen Spaziergänge am 30. Mai, 2. und 24. Sep⸗ tember ausgeführten Tagesausflüge hatten die Umgebung Michelſtadts zwiſchen Marbach⸗ und Maintal, zwiſchen Otzberg und Neckartal zum Ziel. Auch Heidelberg konnte in dieſem Jahre wegen der günſtigeren Bahnverbindung beſucht werden.
Am 9. Dezember und 22. Januar wurden die Schüler mittags auf die Eisbahn geführt.
Den Vertretern der Gemeinde Michelſtadt, den Buchhändlern, die Bücher und andere Er⸗ ſcheinungen ihres Verlags einſandten oder uns Freiexemplare für weniger bemittelte Schüler überließen, allen denen, die im Laufe dieſes Schuljahres beſonderes Intereſſe für unſere Anſtalt zeigten,— wir wollen hier nur an Geſchenken Bücher für Lehrer⸗ und Schülerbibliothek, Katalog der Pariſer Weltausſtellung in engliſcher Sprache, Syenitſchliffe aus dem Odenwald anführen— ſagen wir unſeren beſten Dank. Dank ſei auch den Herren geſagt, welche die ihnen zuſtehende Vergütung für die wervaltung der meteorologiſchen Station uns zur Verwendung für unſer phyſikaliſches Kabinett überwieſen.
Der Beſuch der ſeit Oſtern 1896 an unſerer Schule eingerichteten Progymnaſialabteilungen war ſo gering, daß die Anerkennung derſelben durch die Reichsſchulkommiſſion in abſehbarer Zeit nicht erwartet werden konnte. Die Schüler der Progymnaſialabteilung der Klaſſe II b konnten ſich bei uns nicht den Nachweis der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militär⸗ dienſt erwerben; zudem mußte mancher Schüler, der in den unteren Klaſſen am Lateinunterricht teilgenommen hatte, aber nicht Griechiſch lernen ſollte, in Klaſſe III b das Latein aufgeben.
Um nun unſeren Lateinſchülern die Möglichkeit zu geben, einesteils an unſerer Anſtalt den Nachweis der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Dienſt zu erwerben, anderen⸗ teils den Lateinunterricht ohne Griechiſch bis zur Klaſſe II a fortzuſetzen, hat Großh. Miniſterium auf Antrag der Direktion und des Lehrerrates angeordnet, daß der griechiſche Unterricht nur noch mit den Abteilungen weitergeführt wird, die ihn bis jetzt begonnen haben, daß aber weiterhin den Abteilungen der oberen Klaſſen Lateinunterricht nach dem Lehrplane der Realgymnaſien erteilt wird. Da dem Lateinunterricht in den Abteilungen der unteren Klaſſen die ſeitherige Stundenzahl belaſſen wird, ſo können auch fernerhin Schüler, die ſpäter ein Gymnaſium beſuchen ſollen, an demſelben teilnehmen, ſo daß dieſe Schüler unſere Anſtalt bis zum Einſetzen des Griechiſch, diejenigen aber, die in ein Realgymnaſium oder eine Oberrealſchule übertreten ſollen, bis zum Eintritt in die Unter⸗ prima beſuchen können.
Auch an dieſer Stelle ſei beſonders darauf hingewieſen, daß der Lateinunterricht in Klaſſe VI, in welche die Schüler mit dem neunten Lebensjahr eintreten, beginnt.
V. Bekanntmachung
über Zeit und Bedingungen der Aufnahme in die Großherzogliche Realſchule und in die mit derſelben verbundene Vorſchule.
Anmeldungen zur Aufnahme in die Großherzogliche Realſchule und in die Vorſchule für das neue Schuljahr nimmt der Direktor Samstag den 18. Ipril vormittags von 9 Uhr an in ſeinem Amtszimmer im Realſchulgebäude entgegen. Die Prüfung der neu eintretenden Schüler findet Montag den 20. April von 9 Uhr vormittags an ſtatt.
Jeder Schüler hat bei ſeiner Anmeldung ein Entlaſſungszeugnis aus der früher beſuchten Schule, den Geburtsſchein mit unterſtrichenem Rufnamen, die Beſcheinigung der erſten Impfung und, wenn er das 12. Lebensjahr überſchritten hat, die Beſcheinigung der zweiten Impfung vorzulegen.


