Jahrgang 
1894
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IV. Geſchichte der Anſtalt.

Samstag, den 8. April, vormittags 10 Uhr fand durch Herrn Geheimen Oberſchulrat Soldan die feierliche Einführung des neuernannten Direktors Dr. Gerhard ſtatt, zu welcher die Erlauchten Herrſchaften von Erbach⸗Fürſtenau und Erbach⸗Erbach, Herr Kreisrat Dr. Breidert, Herr Kreisſchul⸗ inſpektor Rückert, Herr Oberlehrer Berres, Herr Oberpfarrer Wagner als Vorſitzender des Kirchen⸗ vorſtandes, Herr Bürgermeiſter Seip, der geſamte Stadtrat und das Lehrerkollegium der Realſchule eingeladen waren.

In ſeiner Antrittsrede gedachte der Direktor beſonders ſeiner beiden Amtsvorgänger, von denen Herr Direktor Becker 25 Jahre lang an unſerer Anſtalt als Direktor wirkte und ſich in ſeiner langjährigen pflichttreuen Amtsführung Liebe und Verehrung ſowohl bei der ganzen Be⸗ völkerung, als auch ganz beſonders bei ſeinen Schülern und Kollegen erwarb. Obwohl Herr Direktor Dr. Quentell nur 2 ½ Jahre unſere Anſtalt leitete, ſo vermochte er doch dieſelbe durch ſeine reichen Geiſtesgaben, ſein tiefes Wiſſen, ſeine weiten Erfahrungen weſentlich zu fördern. Seine große Herzensgüte, ſein unerſchütterliches Pflichtgefühl erwarben ihm das wohlverdiente Anrecht, daß er unter den Hente welche unſerer Anſtalt angehört haben, allezeit und mit Dankbarkeit genannt werden muß.

Zugleich wurde an dieſem Tage der Großherzogl. Reallehrer Büttenbender in ſein Amt ein⸗

eführt, der an Stelle des an die Großherzogl. Realſchule Heppenheim verſetzten Herrn Dr. Reutzel in das Lehrerkollegium unſerer Anſtalt eintrat.

Den mit Beginn des Schuljahres aus dem Lehrerkollegium ausſcheidenden Kollegen, Herrn Dr. Reutzel, Herrn Lücken und Herrn Schläger, welche beide letzteren als Vertreter erkrankter Kollegen an unſerer Anſtalt unterrichteten, ſagen wir Dank für die Treue und Gexiſſenhaftigkeit, mit der ſie hier ihres Amtes walteten und verbinden damit die beſten Wünſche für ihre Thätigkeit in ihrem neuen Wirkungskreiſe.

Der ſchon längere Zeit ſchwer erkrankte Kollege Sturmfels konnte leider ſeinen Unterricht mit Beginn des Schuljahres nicht wieder aufnehmen, vielmehr machte ſeine Krankheit ſo raſche Fort⸗ ſchite daß 4 derſelben am 9. Mai 1893 erlag. An ſeiner Begräbnisfeier nahm unſere Anſtalt geſchloſſen teil. 1

Karl Sturmfels wurde am 1. Oktober 1884 als proviſoriſcher Lehrer an unſere Anſtalt ver⸗ ſetzt und verblieb an derſelben bis zu ſeinem Tode, der ihn im Alter von 37 Jahren von einer 8 ½ jährigen ſegensreichen Wirkſamkeit abrief, in der er ſeine reichen geiſtigen Kräfte ſo lange unſerer Anſtalt widmete, bis der ſchwer erkrankte Körper der angeſtrengten Geiſtesthätigkeit ein Ziel ſetzte. Nimmer wird unſer Lehrerkollegium den liebenswürdigen Mitarbeiter vergeſſen, der Jahre hindurch Freude und Leid des Berufes getreulich mit ihm teilte; immer werden die Schüler gerne und mit Dank ihres Lehrers gedenken, der ihnen in ſeiner freundlichen Art Luſt und Liebe zu ihrer Beſchäftigung, Eifer und Ausharren bei dem Erwerben der geforderten Kenntniſſe anzuerziehen wußte.

Als Vertreter des Kollegen Sturmfels verblieb Herr Enders in unſerem Kollegium; durch Verfügung Großherzogl. Miniſteriums des Innern und der Juſtiz vom 28. Juli 1893 wurde derſelbe zum Lehramtsaſſeſſor ernannt.

Im Laufe des Schuljahres, das Montag, den 10. April, mit der Anmeldung und Aufnahme⸗ prüfung der eintretenden Schüler begann, und in welchem der Unterricht am Dienstag, den 11. April, nach einer kurzen Schulfeier ſeinen Anfang nahm, beehrten Herr Geheimer Staatsrat von Knorr und Herr Geheimer Oberſchulrat Soldan unſere Anſtalt am 7. Auguſt mit ihrem Beſuche und wohnten dem Unterricht ſämtlicher Lehrer der Realſchule bei.

Am 21. Auguſt unterzog der Superintendent Herr Oberkonſiſtorialrat D. Köſtlin die evan⸗ geliſchen Schüler der Vor⸗ und Realſchule einer eingehenden Prüfung.

Herr Geheimer Oberſchulrat Soldan wohnte am 8. Dezember dem Unterricht in den mittleren Klaſſen unſerer Anſtalt bei, nahm von den ſchriftlichen Arbeiten dieſer Klaſſen Einſicht und be⸗ ſprach mit dem Lehrerkollegium in einer Konferenz ſeine Beobachtungen.