Jahrgang 
1893
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IV. Geſchichte der Anſtalt.

1. Das Schuljahr begann Montag, den 25. April, mit der Anmeldung und Aufnahmeprüfung der eintretenden Schüler. Nach einer kurzen Schulfeier nahm der Unterricht Dienſtag, den 26. April, ſeinen Anfang.

2. Der Großherzogl. Reallehrer Falkenhagen erhielt im Laufe des Sommers einen Urlaub von ſechs Wochen, den er zu einer Studienreiſe nach England benutzte. Da Herr Falkenhagen die vierwöchentlichen Sommerferien hierzu verwandte, konnte von einer Vertretung durch Berufung einer auswärtigen Lehrkraft abgeſehen werden.

3. Am 29. und 30. Auguſt inſpizierte Herr Geh. Oberſchulrat Soldan die Anſtalt.

4. Zum Vertreter des Ende Auguſt erkrankten Großherzogl. Reallehrers Falkenhagen wurde durch miniſterielle Verfügung vom 1. September der Acceſſiſt des höheren Lehramts, Joſeph Enders ernannt, der am 5. September in den Dienſt eingewieſen wurde.

Joſeph Enders iſt am 30. Januar 1865 in Gießen geboren, abſolvierte die dortige Realſchule I. Ordnung Oſtern 1883, um ſich dem Studium der neueren Sprachen zu widmen. Nach dem Staats⸗ examen, das er am 24. Oktober 1888 beſtand, nahm er an den Übungen des pädagogiſchen Seminars in Gießen bis Oſtern 1890 teil. Nach zweijähriger Wirkſamkeit an verſchiedenen Lehranſtalten in Offen⸗ bach, war er im Sommer 1892 vorübergehend an der Großherzogl. Realſchule zu Alzey thätig.

5. Zum Vertreter des am 11. September erkrankten Reallehrers Hilß wurde Schulverwalter Friedrich Schläger beſtellt.

Derſelbe iſt in Wendelsheim, Kreis Alzey, geboren, beſuchte die Präparandenſchule zu Wöllſtein und das Lehrer⸗Seminar zu Alzey. Als Schulverwalter war er nach der 1886 beſtandenen Entlaſſungs⸗ prüfung 5 Jahre, zumeiſt in Groß⸗Gerau, thätig. Während eines Urlaubs von Oſtern 1891 bis Auguſt 1892 ſtudierte er neuere Sprachen an der Friedrich⸗Wilhelms⸗Univerſität zu Berlin. Am 15. Auguſt 1892 wurde ihm die Vertretung einer Lehrerſtelle an der höheren Bürgerſchule zu Groß⸗Gerau übertragen.

6. Die Herren Geheimer Staatsrat Knorr von Roſenroth und Geheimer Oberſchulrat Soldan beehrten am 3. November die Anſtalt mit ihrem Beſuch und wohnten mehreren Unterrichtsſtunden bei.. 7. Am 25. November wurde der Geburtstag ſeiner Königl. Hoheit des Großherzogs feierlich begangen. Herr Dr. Reutzel hielt die Feſtrede über die heſſiſche Diviſion im Feldzug 1870/71.

8. Dem Großherzogl. Reallehrer Sturmfels, welcher am Anfang des Winterſemeſters aber⸗ mals erkrankte, wurde ein längerer Urlaub bewilligt. Da wir auf baldige Geneſung hoffen durften, wurden ſeine Stunden zunächſt von den Lehrern der Anſtalt verſehen. Weil jedoch die gehoffte Beſſerung in dem Befinden des Herrn Sturmfels nicht eintrat, wurde durch miniſterielle Verfügung vom 10. Dezember der Anſtalt in dem Lehramtsacceſſiſten Edmund Lücken eine weitere Lehrkraft zur Verfügung geſtellt.

Edmund Lücken iſt am 30. März 1868 auf der Teutoniahütte bei Willebadeſſen, Kreis Warburg, Weſtfalen geboren, beſuchte das Gyinnaſium zu Darmſtadt und die Landesuniverſität Gießen, wo er neuere Sprachen ſtudierte. Nach der Fakultätsprüfung wurde er Mitglied des pädagogiſchen Seminars und war ſpäter an dem Realgymnaſium zu Darmſtadt und an der Realſchule zu Heppenheim vorübergehend thätig.

9. Am 26. Januar wohnte Herr Geheimer Oberſchulrat Greim dem Unterricht bei.

10. Bei der Feier des Kaiſerlichen Geburtstags am 27. Januar hielt der Director die Feſtrede über Freiherrn Heinrich Friedrich Karl von Stein.

11. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigſt geruht:

am 22. Februar den Director der Realſchule zu Michelſtadt Dr. Friedrich Quentell zum Director des Schullehrer⸗Seminars zu Friedberg und am 4. März den Lehrer am Ludwig⸗Georgs⸗ Gymnaſium zu Darmſtadt Dr. Heinrich Gerhard zum Director der Realſchule zu Michelſtadt mit Wirkung vom 1. April d. J. an zu ernennen.

12. Die uns durch Großherzogl. Regierung zur Verfügung geſtellten Mittel fanden für die Zwecke des Unterrichts vollſtändig Verwendung. II. a. wurden angeſchafft: ein Schrank für Auf⸗ bewahrung chemiſcher Apparate, mehrere zerlegbare Bilderrahmen, das Modell eines Theodolits,