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IV. Geſchichte der Anſtall.
Das Schuljahr begann Montag, deu 6. April 1891 mit der Anmeldung und Aufnahme⸗ prüfung der eintretenden Schüler. Nach einer kurzen Schulfeier nahm der Unterricht Dienſtag, den 7. April ſeinen Anfang.
Dem erkrankten Reallehrer Sturmfels wurde der im Vorjahr bewilligte Urlaub auf ein weiteres Jahr verlängert. Da ſeine Geſundheit ſich kräftigte, übernahm Herr Sturmfels im Winterhalbjahr drei Unterrichtsſtunden.
Durch den Tod des Pfarrer Hennig verlor die Schule einen Lehrer, welcher lange an ihr mit Eifer und Pflichttreue den katholiſchen Religionsunterricht erteilte. Die erledigte Stelle wurde im Auftrag Großherzogl. Miniſteriums zunächſt von Pfarrverwalter Vogel und nach deſſen Ver⸗ ſetzung nach Neu⸗Yſenburg von Pfarrverwalter Veith verſehen.
4 Reallehrer Falkenhagen wurde vom 9. April an auf ſechs Wochen zu militäriſchen Übungen eingezogen. Da in dieſer Zeit auch die Reallehrer Dr. Reutzel und Hilß erkrankten, wurde der Unterricht mehrfach in empfindlicher Weiſe geſtört.
Der Schuldiener Karl Neff wurde durch Miniſterialdekret vom 1. Auguſt mit Wirkung vom 1. Juli definitiv angeſtellt.
Am 13. Auguſt machte die Anſtalt ihren Sommerausflug. Die beiden unteren Klaſſen und die Vorſchule marſchierten über die Kohlgrube und dem Reichenberger Forſthaus nach Ober⸗ Moſſau. Klaſſe III und IV beſuchte Höchſt, den Breuberg und Lützel⸗Wiebelsbach. Die Schüler der erſten und zweiten Klaſſe gingen über Ober⸗Moſſau und das Lärmfeuer nach Lindenfels. Der Rückweg wurde über Reichelsheim angetreten, wohin ein Leiterwagen zur Aufnahme der etwa er⸗ müdeten Wanderer beſtellt war.
Der Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurde am 12. September feſtlich be⸗ gangen. Reallehrer Dr. Reutzel hielt die Feſtrede über Ludwig den Friedfertigen.
Am 17. September beehrten Herr Geheimer Staatsrat Knorr von Roſenroth und Herr Oberſchulrat Soldan die Anſtalt mit ihrem Beſuch und wohnten mehreren Unterrichtsſtunden bei.
Am Geburtstage Sr. Majeſtät des Kaiſers wurde eine Schulfeier veranſtaltet, bei welcher der Director die Feſtrede über Königin Luiſe von Preußen hielt.
Eine Trauerfeier vereinigte Lehrer und Schüler am 17. März, dem Tage der Beiſetzung der Leiche des höchſtſeligen Großherzogs Ludwig des Vierten. Nach dem einleitenden Geſange „Chriſtus, der iſt mein Leben“ wurde das Leben und Wirken des leider ſo früh dahingeſchiedenen Landesfürſten geſchildert, der als mutiger Feldherr ſeine tapferen Truppen zum Siege führte, als pflichttreuer Regent immer für das Wohl ſeines Volkes bedacht war und als liebevoller Familien⸗ vater ſein höchſtes Glück im Kreiſe der Seinen fand. Der Geſang„Selig ſind des Himmels Erben“ ſchloß die einfache würdige Feier.
Auf unſerer Bitte ließ der hieſige Stadtvorſtand einen Teil des Hofes einfriedigen und mehrere Schulſäkle ausbeſſern, wofür wir unſeren wärmſten Dank ausſprechen.
Herr Apotheker Braun war ſo freundlich mit uns den Plan zu einem Schulgarten zu ent⸗ werfen und im Laufe des Sommers das den Hof umgebende Gelände in zweckentſprechender Weiſe anzulegen. Es iſt ſo den Schülern Gelegenheit geboten, viele im Unterricht behandelte Pflanzen in ihrer ganzen Entwicklung zu verfolgen. Außerdem kann jetzt das für die Schule erforderliche An⸗ ſchauungsmaterial leicht beſchafft und ein Teil der botaniſchen Stunden im Freien gehalten werden. Wir ſprechen deshalb Herrn Braun auch an dieſer Stelle unſeren wärmſten Dank für ſein ver⸗ dienſtliches Wirken aus.
Da Großherzogliches Miniſterium des Innern die in der Rechnungsperiode 188%4 be⸗ willigten, aber nicht verausgabten Mittel im Betrage von 1045 Mark den Zwecken der Schule zur
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