Jahrgang 
1875
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4. Chronik der Anſtalt.

Die ſeit Herbſt 1873 beſtehende Einrichtung, wonach die dritte Klaſſe aus zwei combinierten Ab⸗ theilungen IIIb und IIIa beſtand, konnte in dem Schuljahr 187 ⁄ nicht mehr beibehalten werden, da die untere Abtheilung 41, die obere 30 Schüler hätte faſſen müſſen. Es wurde daher eine vollſtändige Tren⸗ nung der ſeitherigen dritten Klaſſe in zwei Klaſſen mit einjährigem Curſus vorgenommen und hierdurch die Realſchule in ſechs Klaſſen mit einjährigem Curſus getheilt. Dieſe Einrichtung war bereits durch verſchie⸗ dene hohe Verfügungen Großh. Oberſtudiendirection, namentlich durch Diejenige vom 20. December 1869, „Lehrplan für Realſchulen,“ ſowie durch Entſchließung Großh. Miniſteriums des Innern vom 22. April 1874 vorgeſehen und daran die Berechtigung zur Ausſtellung der zum einjährigen Militärdienſte giltigen Zeug⸗ niſſe gekuüpft worden, ſie wurde ferner durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, unter dem 16. Oktober 1874 genehmigt.

Durch dieſe Erweiterung der Realſchule wurde ein weiterer ſeminariſtiſch gebildeter Lehrer noth⸗ wendig. Auf unſere hierauf bezüglichen Anträge wurde Herr Lehrer Weis, welcher ſeit Herbſt 1865 mit vorzüglichem Erfolge an der Vorbereitungsſchule zur hieſigen Realſchule wirkte, durch Decret Großh. Ober⸗ ſtudiendirection vom 16. October 1874 proviſoriſch an der Realſchule angeſtellt. Derſelbe gibt über ſeine Vorbildung und ſeitherige Wirkſamkeit nachfolgende Mittheilungen:

Wilhelm Weis, geboren zu Unter⸗Scharbach, am 3. Januar 1843, beſuchte von 1855— 59 die lateiniſche Schule zu Wimpfen, von 1859— 64 das Lehrerſeminar zu Friedberg, beſtand an demſelben die Abgangsprüfung mit der Note„gut“, ferner im Jahre 1864 die Definitorialprüfung mit der Note „gut.“ Von 1861—1865 wirkte er als Vicar zu Schönnen, hierauf von 1865— 1874 als Lehrer an der Vorbereitungsſchule zur Realſchule.

Bei der Herſtellung von 6.Klaſſen wurde ferner ein weiteres Klaſſenzimmer erforderlich. Wir haben ſchon im vorjährigen Programm erwähnt, daß die äußerſt nothdürftige Herrichtung dieſes Klaſſen⸗ zimmers im oberen Stocke des Lokales nicht allein die Verlegung des ſeitherigen Directionszimmers in einen faſt unwohnlichen Raum, der nur ein Fenſter hat, nothwendig machte, ſondern auch die oft gerügten Uebel⸗ ſtände des Lokales in höchſt bedenklicher Weiſe vermehrte. Da inzwiſchen der hieſige Stadtvorſtand unter Hinweis auf die für das dringendſte Bedürfniß errichteten Klaſſenzimmer die Herſtellung geeigneter Lokali⸗ täten meinte verſchieben zu ſollen, bis die von ihm erbetene Unterſtützung vom Staate gewährt ſei, ſo haben wir uns wiederholt genöthigt geſehen, die Noihwendigkeit baldiger Abhilfe zu betonen. Wir haben nachge⸗ gewieſen, daß die Geſundheitsverhältniſſe gerade durch die hinzugekommenen Lokale bei der außerordentlichen Frequenz der Realſchule ſich weſentlich verſchlimmert haben, und daß die pädagogiſchen Aufgaben der Schule nicht vollſtändig mehr erfüllt werden können. Wir haben hervorgehoben, daß die Luftverhältniſſe in den Klaſſenzimmern und auf den Gängen durch die große Anzahl der Schüler und durch die Lage der Aborte weſentlich ſchlechter geworden ſind, daß das Licht beinahe in allen Räumen außerordentlich mangelhaft iſt, daß die Schüler zu gedrängt ſitzen und theils zu nahe an die Oefen, theils zu nahe an die Fenſter geſetzt werden müſſen. Durcch ſtatiſtiſche Zuſammenſtellungen haben wir gezeigt, daß die Geſundheitsverhältniſſe von Schülern und Lehrern ſchon jetzt abnorm ſind, daß 28% der Schüler an Kopfweh, 15% an Naſen⸗ bluten, 24% an Schwindel, 30% an Kurz⸗ und Schwachſichtigkeit leiden, während z. B noch vor eini⸗ gen Jahren unter ſehr ungünſtigen Verhältniſſen in den Schulen zu Darmſtadt und Beſſungen nur 27% an Kopfweh und nur 11% an Naſenbluten litten, daß für Mittel⸗ und Realſchulen im Durch⸗ ſchnitt nur 10— 20% an Kurzſichtigkeit leiden.(Falk, die ſanitätspolizeiliche Ueberwachung höherer und niederer Schulen. Wir haben dieſe Erhebungen und Erfahrungen Großh. Kreismedicinalamt auf deßfall⸗ ſige Anfrage mitgetheilt. Es fand hierauf am 30. Januar d.)] J. eine nochmalige Beſichtigung der Lokale durch Großh. Miniſterium des Innern, wozu die Herren Oberſchulrath Becker und Miniſterial⸗ rath Jaup hierher gekommen waren, der ganze Gemeinderath geladen und erſchienen war, ſtatt. In der im Beiſein dieſer Herrn ſtattgehabten Sitzung des Gemeinderaths wurde der Stadt durch die Regierung behufs Erbauung eines Realſchulgebäudes eine Erleichterung hinſichtlich des jährlichen Beitrags zugeſagt, ſowie in Ansſicht geſtellt, daß die Regierung einen Antrag des Stadtvorſtandes betreffend die? Gewährung