Jahrgang 
1916
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Die schule im Kriegsjahr 1915-16. Von den Lehrern der Anstalt standen im Feld:

Herr Lehramtsassessor Ferdinond Vetter, Reserve-Inf.-Rgt. 224, in Ostgalizien an der Zlota Ripa(am 9. Dezember 1915 wegen Erkrankung aus dem Heeresdienst bis auf weiteres entlassen und zur Zeit wieder im Schuldienst).

Herr Lehramtsassessor Hugo Link, Leutnant der Reserve im Fußzartillerie-Regiment Nr. 3, bei Verdun und in der Champagne, zur Zeit in Mainz bei dem 3. Ersatz-Bataillon des Regiments.

Herr Lehramtsassessor Heinrich Sach wurde am 5. Mai 1915 zum Heere einberufen und in das 2. Ersatzbataillon Inf.-Rgts. Nr. 116 eingereiht. Nachdem er im Garnisondienst Verwendung gefunden hatte, wurde er am 11. Oktober 1915 wegen Erkrankung entlassen und nahm den Schul- dienst wieder auf.

Herr Lehramtsassessor Dr. Steiger verließ uns am 28. November 1915 und befindet sich gegen- wärtig beim 1. Ersatzbataillon des Infanterie-Regiments Nr. 173 in St. Avold.

Von dem seit mehr als Jahresfrist vermißten Herrn Lehramtsreferendar Dr. FNudolf Graf fehlt leider noch jede Nachricht.

Zum dauernden Gedächtnis an den gefallenen Herrn Lehramtsreferendar Dr. Jalites Rossler wurde sein Bild in der Schule aufgehängt. Die gleiche Ehrung ist auch für die übrigen gefallenen Lehrer und Schüler geplant. Für die gütige Ueberlassung der Photographien sagen wir den An- gehörigen der Toten auch an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank.

Die gewaltigen Begebenheiten des Weltkriegs wurden auch in dem verflossenen Schuljahr mit regstem Interesse verfolgt. Wichtige Ereignisse gaben den Lehrern Gelegenheit, den Fortgang der Unternehmungen in Ost und West vor den Schülern zu besprechen, wobei die in allen Klassen- räumen angebrachten Kriegskarten gute Dienste leisteten. Auch sonst gab der Krieg mannigfache Anregungen zur Betätigung patriotischer Gesinnung. Allwöchentlich zirkulierten in den Klassen die Sammelbüchsen, und bereitwillig spendete unsere Jugend ihren Kriegspfennig. Ansehnliche Beträge konnten an den Landesverein vom Roten Kreuz in Darmstadt abgeführt werden. Aber auch andere Unternehmungen fanden Unterstützung, so die Sammlungen für die U-Boote in Berlin- Friedenau, für die blinden Soldaten, für die Kriegsgefangenen in Rußland, für das Seemanns- Erholungsheim, für den ostpreußischen Unterstützungsverein zu Berlin, für die Cecilienhilfe u. a. 25 Schüler sind auf das wöchentlich erscheinende BlattDer Weltkrieg abonniert und unterstützen auf diesem Wege die Bestrebungen des Hilfsvereins deutscher Frauen, der sich die Fürsorge für die Kinder der im Felde stehenden Männer angelegen sein läßt. Eine große Anzahl Schüler beteiligte sich an der Nagelung eines von der IIIb aufgstellten Eisernen Kreuzes. Sie ergab die Summe von 38 Mark, die dem Roten Kreuz zuflossen. Der Aufruf zur Sammlung von Lektüre für unsere Truppen im Felde fand begeisterte Aufnahme. Nachdem aus den Bücherbeständen unserer Schüler schon im Sommer etwa 70 Bände an die Materialien-Abteilung des Roten Kreuzes in Darmstadt abgesandt worden waren, brachte eine über die Stadt ausgedehnte Sammlung 400 Bände, die am 28. Februar 1916 an die genannte Stelle geschickt wurden. Ein sehr günstiges Ergebnis hatte der Vertrieb des Kaulbach- schen Bildes zu Gunsten der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der Gefallenen. Auch an der allgemeinen Goldsammlung im Januar 1916 beteiligten sich unsere Schüler mit Erfolg und brachten in Laubach und Umgebung 1560 Mark zusammen. Für die dritte Kriegsanleihe zeich- neten unsere Schüler 2000 Mark, daneben gemeinsam an selbständigen Zeichnungen außerdem noch 4600 Mark, bei der vierten Kriegsanleihe wurden 1000 Mark für die Kriegssparkasse, daneben selbständig 4400 Mark gezeichnet.(Die erste Kriegsanleihe hatte an selbständigen Zeichnungen unserer Schüler 1800, die zweite 2000 Mark gebracht)..

2. Der Unterricht. Das neue Schuljahr begann am Montag, den 12. April, mit der Prü- fung der neu angemeldeten Schüler. Der folgende Tag vereinigte Lehrer, Schüler und geladene Gäste zu einem festlichen Akt, bei dem sich der neue Direktor vorstellte. Der Unterricht begann Mittwoch den 14. April. Die Verhältnisse des Krieges brachten auch bei uns recht viel Unruhe in den Schulbetrieb. Mehrfach mußte infolge des Wegganges von Lehrern der Plan geändert und eine andere Verteilung des Unterrichts vorgenommen werden. Ober- und Unterprima wurden nach der Kriegsreifeprüfung im Juni zusammengelegt. Die Trennung der übrigen Klassen konnte im allgemeinen aufrecht erhalten werden, allerdings war dies nach dem Weggang des Herrn Lehramts-