Chronik.
Der 1. April 1890 war ein hochbedeutsamer Tag für unsere Anstalt. Nachdem längere Zeit zwischen Grossherzoglicher Staatsregierung einerseits und dem Herrn Grafen zu Solms-Laubach und dem Stadtvorstand der Stadt Laubach andererseits Verhandlungen über die Verstaatlichung des Gymnasiums stattgefunden hatten, trat mit dem 1. April unter Zustimmung der Landstände ein Vertrag in Kraft, der unter anderen folgende Bestimmungen enthält:
Das Gymnasium Fridericianum wird am 1. April als staatliche Lehranstalt zu Lasten der Staatskasse übernommen. 3
Die am 1. April 1890 am Gymnasium Fridericianum definitiv angestellten Lehrer werden mit allen den Grossherzoglich Hessischen Staatsbeamten zustehenden Rechten von dem Staate übernommen.
Zum ehrenvollen Gedächtnis des Herrn Stifters Erlaucht soll das Gymnasium auch fernerhin den Namen
GVYMNASIUM FRIDERICIANUM
führen.
Diesem Vertrag entsprechend ging am 1. April vorigen Jahres die Schule auf den Staat über. Möge sie unter der steten Aufsicht und der regen Fürsorge der Grossherzoglichen Regierung weiter blühen und gedeihen, auf dass sie immer besser im Stande sei, die ihr vom erlauchten Stifter gestellte hohe Aufgabe zu erfüllen: Zu sein eine Pflanzstätte idealen, wissenschaftlichen Strebens, ein Mittel- punkt geistiger und sittlicher Kultur, ein Segen für Laubach und veitere Kreise.
Mit Beginn des Schuljahres trat Herr Altendorf wieder in Dienst. Er war durch Krankheit lüngere Zeit verhindert gewesen, Unterricht zu erteilen. Seinem Vertreter, Herrn Kullmann, wurde die Verwaltung einer Lehrerstelle an der erweiterten Volksschule zu Gross-Gerau übertragen.
Am 2. August wurden die üblichen Tagesausflüge gemacht, die die Klassen nach allen Welt- gegenden zerstreuten. Abgesehen davon, dass ein Gewitterregen gegen Abend die eine uud die andere Schaar befeuchtete, verlief alles aufs beste.
Drei Wochen vor Beginn der Herbstferien wurde Herr Collin zu einer militärischen Ubung einberufen.
Am Schlusse des Sommersemesters unterzog sich der Ober-Primaner Friedrich Ernst Graf zu Solms-Laubach der Reifeprüfung. Er bestand dieselbe und hat sich dem Studium der Medizin gewidmet. Die Funktionen des Grossherzoglichen Regierungs-Kommissärs waren dem Direktor übertragen.
Durch allerhöchstes Dekret vom 3. Dezember wurde Herr Becker zum ordentlichen Lehrer an dem Gymnasium ernannt.
Den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers feierte die Schule durch einen öffentlichen Redeakt. Herr Becker hielt die Festrede.
In den Monaten November und Januar hatten wir an je einem Tag die Ehre des Besuchs des Herrn Oberschulrats Soldan, der dem Unterricht in den meisten Klassen beiwohnte.
Vom 12. Februar ab beteiligte sich Herr Dr. Röschen an einem in Darmstadt veranstalteten Instruktionskursus im Turnen für Lehrer an höheren Lehranstalten.


