Jahrgang 
1890
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5) Chronik.

Zu Beginn des Schuljahres trat eine Aenderung im Lehrkörper ein. Der Gymnasiallehramts- Accessist Ludwig Freund wurde von hier abberufen, und an seine Stelle trat der Gymnasiallehramts- Accessist Karl Altendorf.) Da derselbe noch eine militärische Dienstleistung zu erledigen hatte, so wurde sein Dienst einstweilen von Lehrern der Anstalt versehen. Auch für Herrn Collin musste, als er vom 1. Juni an zu einer militärischen Ubung einberufen war, ein Vikariat eingerichtet werden.

Am 23. Juni, dem Geburtstage Sr. Erlaucht des Herrn Grafen zu Solms-Laubach, wurden die üblichen Klassenausflüge gemacht, die vom Wetter begünstigt den besten Verlauf hatten.

Gegen Ende Oktober erkrankte Herr Altendorf. Als gegen Mitte November eine alsbaldige Wiedergenesung noch nicht abzusehen war, wurde sein Unterricht, den zeitweise Kollegen übernommen hatten, dem Gymnasiallehramts-Accessisten Albrecht Kullmann übertragen, der denselben mit geringer Unterbrechung im Januar bis zum Schluss des Schuljahres erteilte.

Nach den Weihnachts-Ferien war es zunächst, wie es ein Versuch zeigte, nicht möglich, den Unterricht aufzunehmen. Lehrer wie Schüler waren zum grossen Teil an der Influenza erkrankt Der regelmässige Unterricht begann zuerst wieder am 20. Januar, nachdem er vom 16. Januar ab auf den Vormittag beschränkt war. Die Krankheit verlief rasch und gutartig.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde durch eine Schulfeier begangen.

Am 1. März fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrats Soldan die diesjährige Maturitäts- prüfung statt. Es unterzogen sich derselben vierzehn Ober-Primaner, die grösste bis jezt erreichte Zahl. Sie bestanden sämmtlich die Prüfung, und zwar haben das Zeugnis der Reife erhalten:

Theodor Beilstein aus Grünberg, studiert Rechtswissenschaft. Eduard Bergmann aus Marburg, studiert Rechtswissenschaft. Wilhelm Fischer aus Eichelsdorf, studiert Theologie. Otto Hamburger aus Grünberg, studiert Rechtswissenschaft. Wilhelm Heuser aus Felsberg, wird Soldat. Karl Klös aus Lauterbach, studiert Theologie. Theodor Kreiß aus Schlitz, wird Ingenieur. August Kurz aus Laubach, widmet sich dem Postfach. Hermann May aus Altenstadt, widmet sich dem Kameralfach. Otto Schäfer aus Laubach, widmet sich dem Kameralfach. Friedrich Schultheis aus Bannerod, studiert Theologie. Karl Graf zu Solms-Laubach, studiert Rechtswissenschaft. Ludwig Stotz aus Laubach, studiert Theologie. Paul Zinßer aus Leipzig, studiert Medizin.

Der Gesundheitszustand war, abgesehen von der Influenzaepoche, günstig.

*) Derselbe berichtet über seinen Lebenslauf Folgendes:

Ich, Karl Joseph Altendorf, geboren zu Bubenheim(Kreis Bingen) am 2. April 1862, besuchte die Volksschule meines Gehurtsorts, die höhere Privatanstalt von Dr. Krumm zu Gross-Winternheim, die Gymnasien zu Worms und Mainz, auf welch letzterem ich Herbst 1880 das Reifezeugnis erhielt. Darauf studierte ich in Giessen und Berlin klassische Philologie, Deutsch und Geschichte und bestand die Staatsprüfung am 30. Juni 1885 in Giessen. Von Herbst 1885 bis Herbst 1886 war ich Accessist am Gymnasium zu Mainz, vom 1. Oktober 1886 bis 30. September 1887 Einjährig-Freiwilliger beim Infanterie-Regiment 117. In den beiden darauffolgenden Semestern war ich an der Realschule und dem Progymnasium zu Friedberg, Winter 1888-89 am Realgymnasium und der Realschule in Darmstadt verwendet und wurde mit Sommer 1889 zur provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle an das Gymnasium Fridericianum berufen.