Jahrgang 
1887
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134 5) Chronik.

Das Schuljahr begann am 4. Mai.

Am 1. Juni ging der Gymnasiallehrer Dr. Friedrich Römheld von der Anstalt ab, an der er seit 1878 gewirkt hatte. Er wurde vom Grossh. Ministerium an das Gymnasium zu Mainz berufen. An seine Stelle trat der Gymnasiallehramtsaccessist Ernst Neeb aus Mainz.

Im Laufe des Sommers wurden ausser kleineren Spaziergängen in der Umgegend auch mehrere grössere Ausflüge gemacht. Die Prima bestieg über Ulrichstein den hohen Vogelsberg (Oberwald) und kehrte über Schotten zurück Die Sekundaner unternahmen über Grünberg und Gross-Buseck einen Ausflug nach der Burgruine Stauffenberg. Die Tertianer im Verein mit den Quartanern wandten sich nach Süden. Das vier Stunden von hier entfernte Nidda wurde zu Fuss erreicht. Von da ging es mit der Bahn nach Hungen. Der grössere Theil der Schüler machte von hier aus den Weg nach Laubach noch zu Fuss. Bei allen Ausflügen hatten die Ordinarien die Führung übernommen.

Mit Schluss des Sommersemesters ging Accessist Neeb von der Schule ab, um eine Lehrerstelle am Gymnasium zu Mainz zu übernehmen. An seine Stelle trat der Gymnasiallehramtsaccessist Dr. Adelbert Matthäi aus Giessen.

Am 22. März findet zur Feier von Kaisers Geburtstag ein Redeakt statt. Der Gymnasiallehrer Dr. Wetzell hat die Festrede übernommen. Am Schlusse der Feier werden sämmtliche Abiturienten, denen in der am 4. März unter Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrats Becker abgehaltenen Reifeprüfung das Zeugniss der Reife zuerkannt wurde, von der Schule entlassen. Es sind dies: Friedrich Nicklas aus Ober-Ofleiden, Georg Pullmann aus Neustadt i. O., Paul Schott aus Kissingen, Ernst Seitz aus Arnsburg, August Zinsser aus Münster. Die beiden ersteren wollen Medizin, die anderen Theologie studieren.

Die Arbeitsstunden, die im Laufe des Schuljahres in zwei Abteilungen unter Aufsicht der Lehrer der Anstalt(Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag je 2 St.) abgehalten wurden, hatten von Seiten der Klassen Sexta bis Unter-Sekunda starken Besuch. In beiden Abteilungen waren etwa 30 Schüler. Die von Seiten der Lehrer geübte Aufsicht beim und die Anleitung zum Lernen hatte bei den meisten Zöglingen guten Erfolg. Auch im Schuljahr 1887/88 wird die Einrichtung von Arbeitsstunden in der seitherigen Weise beibehalten werden.

Einen schweren Todesfall hat das Lehrerkollegium zu verzeichnen, indem kurz nach Beginn der Weihnachtsferien der ausserordentliche Lehrer Pfarrer Zöckler, der seit Gründung der Schule mit treuem Eifer an derselben thätig war, im besten Mannesalter nach kurzem Krankenlager vom Tode dahingerafft wurde. Das Lehrerkollegium gab dem Dahingeschiedenen das letzte Geleite.