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5) Chronik.
Das Schuljahr begann Dienstag den 14. April. Durch Allerhöchstes Dekret vom 24. April wurde der von dem Kuratorium des Gymnasium Fridericianum für die Stelle eines Lehrers dieser Anstalt vorgeschlagene provisorische Lehrer derselben, Dr. August Röschen, als Lehrer am Gymnasium Fridericianum bestätigt.
Da am 23. Juni, dem Geburtstag des hohen Patrons der Schule, das Wetter ungünstig zu werden drohte, so wurden die an diesem Tage üblichen Schulausflüge verschoben. Im Laufe des Sommers machte die Prima mit dem Direktor und dem Gymnasiallehrer Dr. Römheld einen Ausflug in das Lahnthal, nach Limburg und der Schaumburg, die Sekunda mit ihrem Ordinarius Gymnasial- lehrer Matthaei und dem Gymnasiallehrer Lahm nach Marburg, wo besonders die Elisabethenkirche, das Schloß und das neue Universitätsgebäude besichtigt wurden. Ober-Tertia und Unter-Tertia besuchten mit ihren Klassenführern, den Gymnasiallehrern Dr. Römheld und Dr. Mohr, die Burg Gleiberg bei Gießen. Die unteren Klassen blieben auf ihren Ausflügen in der Nähe. Außerdem machten die Schüler öfter Spaziergänge mit ihren Klassenlehrern in die Umgegend unserer Stadt.
Am 22. März fand zur Feier von Kaisers Geburtstag ein Redeakt statt. Der Direktor hielt die Festrede. Am Schlusse der Feier wurden sämtliche Ober-Primaner, denen in der am 12. März stattgehabten Reifeprüfung das Zeugnis der Reife zuerkannt worden war, von der Schule entlassen. Es sind dies: Georg Bernbeck aus Queck, Gustav Hotz aus Laubach, Heinrich Koller aus Ruhlkirchen, Georg Ritter aus Grünberg, Siegfried Rothenburger aus Hilgert. Sie wollen sich dem Studium der Theologie widmen.
Die Arbeitsstunden, die im Laufe des Schuljahres in zwei Abteilungen unter Aufsicht der Lehrer der Anstalt(Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag je zwei Stunden) abgehalten wurden, hatten von seiten der Klassen Sexta bis Unter-Sekunda starken Besuch. In der unteren Abteilung waren durchschnittlich zwanzig, in der oberen dreißig Schüler. Die von seiten der Lehrer geübte Aufsicht beim und die Anleitung zum Lernen hatte bei den meisten Zöglingen guten Erfolg. Auch im Schuljahr 1886/87 wird die Einrichtung von Arbeitsstunden in der seitherigen Weise beibehalten werden.
Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war im vergangenen Schuljahr befriedigend.
An Geschenken wurden der Anstalt zugewendet: Von dem Herrn Kalkulator Roth zu Darmstadt: Sphagna, von demselben im Großherzogtum Hessen gesammelt. Von Herrn Fabrikanten Römheld auf der Friedrichshütte: Mehrere Bücher für die Schülerbibliothek. Wir sagen hierfür den gütigen Gebern den gebührenden Dank.


