Jahrgang 
1880
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verliehen worden, im folgenden Jahre hatte dasſelbe auf Antrag Großh. Miniſteriums von dem Reichskanzler die Berechtigung zur Ausſtellung von wiſſenſchaftlichen Befähigungs⸗ zeugniſſen für den einjährig⸗freiwilligen Dienſt erhalten.

Sollte jedoch die Schule einer fröhlichen, gedeihlichen Zukunft entgegenſehen, ſo mußte es ihr möglich ſein, die Schüler unmittelbar zur Univerſität zu entlaſſen Von dieſem Geſichtspunkte ausgehend entſchloß ſich das Kuratorium des Fridericianum, den Rahmen der Anſtalt zu erweitern, zur Secunda die Prima mit zweijährigem Kurſus hinzuzufügen. Dieſer Plan fand die Genehmigung Großh. Miniſteriums, und ſo trat Oſtern 1878 Unter⸗Prima, Oſtern 1879 Ober⸗Prima ins Leben. Damit iſt die Anſtalt zum vollſtändigen Gymnaſium geworden, die jetzt die erſten Abiturienten zur Univerſität entläßt.

Aus den in den Jahren 18761880 erſchienenen Programmen entnehmen wir folgende auf die Entwicklung der Anſtalt bezügliche Notizen:

Anzahl der Klaſſen der Lehrer der Schüler Herbſt 1875 4(VIII) 6 40 Oſtern 1876 5(VI IIb) 9 59 Oſtern 1877 6(VI- IIa) 10 92 Oſtern 1878 7(VI Ib). 12 126 Oſtern 1879 7(VI- lJa) 12 138

Im vergangenen Schuljahre wurde das Gymnaſium von 153 Schülern beſucht.

Am 23. Juni, dem Geburtstage des hohen Patrons der Anſtalt, machten die beiden oberen Klaſſen einen größeren Ausflug. Ihr Ziel war die ſtattliche, hochgethürmte Burg Münzenberg, ein Wahrzeichen der Wetterau. Bis Lich ging es durch das Wetterthal zu Fuß. Dort nahmen ſie zwei, durch die Güte des Herrn Grafen von der Gutsverwaltung zu Münzenberg geſtellte, große Erntewagen auf und führten ſie unter fröhlichen Geſängen ihrem Ziel zu. Bei der gaſtlichen Tafel des Herrn Bürgermeiſters Jäger wurde dem Herrn Grafen ein donnerndes Hoch gebracht, und dasſelbe ihm ſofort durch Telegramm übermittelt. Dann ging es zum Beſuche der intereſſanten Burg, wozu leider die Zeit ſehr knapp bemeſſen war. Zu Wagen nach Lich zurückgebracht, erreichte man in dunkler Nacht zu Fuß das heimatliche Laubach. Die beiden Tertien waren über Grünberg nach Londorf marſchirt und genoſſen ungetheilt des Tages Luſt und Freude, Staub und Hitze. Die drei unteren Klaſſen vergnügten ſich des Nachmittags im Walde.

Die Strenge des verfloſſenen Winters machte ſich in dem Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülern in bedauerlicher Weiſe geltend. Etliche Lehrer waren genöthigt, längere Zeit ihre Stunden auszuſetzen. Erkrankungen von Schülern kamen häufiger als in ſonſtigen Jahren vor. Auch erfolgten Störungen des Unterrichts durch Einberufung der Herren Dr. Wetzell und Dr. Römheld zur militäriſchen Dienſtleiſtung.