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sich bereits auf das baldige Wiedersehen beim Jubiläum gefreut hatte. Er hatte seinen Besuch schon zugesagt. An der Trauerfeier beteiligten sich mehrere Herren unseres Lehrkörpers, die noch mit ihm zusammen gearbeitet hatten. Die Kundgebungen bei seinem Tode bezeugten aufs neue die große Wirksamkeit des bedeutenden Mannes, vor allem auch die Verehrung, die seinem Charakter, seiner Persönlichkeit dargebracht, wurde. UÜber seine hiesige Tätigkeit äußern sich mehrere Jahresberichte, zuletzt das Osterprogramm des vorigen Jahres S. 24.
Bei Beginn des neuen Schuljahres übernahm Herr Professor Wiskemann stell- vertretend die Leitung des Wilhelmsgymnasiums, da der Direktor zur Wiederherstellung seiner Gesundheit auf 3 Wochen beurlaubt war. Aus gleichem Grunde beurlaubt waren die Professoren Spitzbarth und Watermeyer, ersterer für ein halbes Jahr, letzterer bis zum Beginn des zweiten Vierteljahres. Die Vertretung der beiden Herren über- nahmen Herr Kand. Henkel und Herr Kand. Jülicher.
5. und 6. Mai. Feier des 25 jährigen Bestehens des Wilhelmsgymnasiums. Zahl- reiche ehemalige Schüler der Anstalt hatten sich zu diesem Erinnerungsfeste eingefunden, das, nach Außerung der Teilnehmer, in durchaus befriedigender Weise verlief. Herr Provinzialschulrat Kanzow beehrte die Feier durch seine Anwesenheit. Auch die Residenzstadt Cassel sowie die übrigen hiesigen höheren Lehranstalten waren vertreten. Ebenso brachten die Eltern unserer Schüler dem Feste viel Anteilnahme entgegen.
Zu seinem und der Anstalt tiefstem Bedauern war Herr Oberregierungsrat Geheimrat D. Dr. Lahmeyer durch körperliches Leiden an der Beteiligung verhindert. Vor 25 Jahren hatte er als Vertreter des Königlichen Provinzialschulkollegiums das Wilhelms- gymnasium eröffnet und ihm seitdem mit Rat und Tat ununterbrochen nahe gestanden. Der 84. Geburtstag des ehrwürdigen, hoch verdienten Schulmannes fiel mit dem Jubiläum der Anstalt zusammen. Ich gestatte mir, aus seinem Antwortschreiben auf die Glück- wünsche des Lehrerkollegiums einige Worte hervorzuheben:„Ich hatte mich darauf gefreut, in dem meinem Herzen so nahe stehenden Wilhelmsgymnasium mich an der in Aussicht genommenen Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Anstalt auch meinerseits beteiligen zu können. Es war mir sehr schmerzlich, diese Hoffnung schließlich doch aufgeben zu müssen. Nun geben Sie, meine verehrten Herren, durch Ihre Zu- schrift mir zu erkennen, daß Sie auch Ihrerseits mein Ausbleiben ernstlich bedauern, und geben zugleich im Hinblick darauf, daß der gestrige Tag mein Geburtstag war, so herzlichen Wünschen für mein Wohl beredten Ausdruck, daß ich daraus aufs neue ersehen habe, welch ein schönes, inniges persönliches Verhältnis zwischen Ihnen und mir obwaltet.“-.
Glücklicherweise erfreute sich der erste Direktor des Wilhelmsgymnasiums Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Heußner einer sô guten Gesundheit, daß er an der ganzen Feier teilnehmen konnte. Seine innigen Beziehungen zum Wilhelmsgymnasium traten dabei wieder in schönster Weise hervor.
Am Abend des 5. Mai fand ein Schülerfest statt. Musikverein und Turnverein erfreuten durch ihre Darbietungen; außerdem wurde von unseren Schülern das literar-


