Jahrgang 
1894
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Den 9. Januar. Die am 31. März 1892 erlassene Ferienordnung für die Provinz Hessen-Nassau behält auch für 1894/95 noch Giltigkeit.

Den 9. Februar. Es wird angezeigt, daſs der diesjährige naturwissenschaftliche Ferienkursus für Lehrer an höheren Schulen in der Zeit vom 2. bis 14. April in Göttingen abgehalten wird.

. Schulgeschichte.

Das Osterschuljahr 1893/94 wurde Dienstag den 11. April früh ½˙8 Uhr mit, einer gemeinsamen Andacht, der Vorstellung der 76 neu anfgenommenen Schüler und ibrer Ver- pflichtung auf die Schulgesetze eröffnet. Um 11 Uhr fand die feierliche Einführung des Unterzeichneten durch Herrn Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer statt. Derselbe hieſs den neu ernannten Direktor mit überaus freundlichen, herzgewinnenden Worten willkommen, wünschte ihm ein vollbefriedigendes und reichgesegnetes Zusammen- wirken mit dem Kollegium dieser groſsen Austalt, forderte die Schüler zu willigem Gehorsam und treuem Fleiſs auf, damit, wenn der Direktor einen Vergleich zwischen der Jugend Pommerns und der Hessens anstelle, die letztere nicht den Kürzeren ziehe, gab dem hohen Vertrauen Ausdruck, mit dem die vorgesetzte Behörde und er für seine Person dem neuen Direktor begegne, und übertrug ihm dann durch Handschlag alle Rechte und Pflichten eines Leiters des Königlichen Wilhelms-Gymnasiums zu Cassel. Nachdem sodann der erste Ober- lehrer Professor Dr. Prätorius im Namen des Lehrer-Kollegiums den neuen Direktor begrülfst und ihm die Versicherung vertrauensvoller Hingabe und treuer Mitarbeit gegeben hatte, ergriff dieser das Wort. Es sei ihm, so etwa führte er aus, in Stettin sehr gut gegangen. Die Behörden seien ihm mit groſsem Wohlwollen begegnet, mit den Amtsgenossen habe er die besten Beziehungen unterhalten, von den Schülern sei er geliebt, vom Publikum mit Auszeichnung behandelt worden. Es sei ihm also schwer, sehr schwer geworden, von Stettin fortzugehen; aber er habe dem Rufe Sr. Excellenz, des Herrn Unterrichtsministers Dr. Bosse, folgen zu müssen geglaubt, und gerade nach Cassel, dieser durch eine reiche Geschichte, durch hohes Bildungsstreben, durch Kunstschätze von seltenstem und höchstem Wert sowie hervorragende Naturschönheit ausgezeichneten Stadt, sei er sehr gern gekommen. Wenn er aber auch noch Bedenken gehabt hätte, so wären diese durch die unerwartet freundliche Aufnahme, die er hier gefunden, schnell beseitigt worden. Herr Geheimrat Lahmeyer habe ihm gleich bei der ersten Begegnung so viel Wohlwollen bewiesen, daſs er sich heimisch gefühlt und die Überzeugung gewonnen habe, es werde ihm eine Lust sein, unter diesem Manne zu arbeiten. Herr Direktor Dr. Heuſsner, sein trefflicher Vorgänger im Amte, habe ihm die Wege in der besten Weise geebnet; er habe ihm eine blühende Anstalt in all ihrer Kraft und all ihrem Schmuck übergeben und ihn in die Eigenart der hiesigen Geschäfte fürsorglich eingeführt; wenn es, wie in den bürgerlichen Gemeinwesen, so auch in den Schulen Sitte wäre, besonders verdiente Männer zu Ehrenbürgern zu ernennen, so