Jahrgang 
1928
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OI b: I. Deutscher Aufsatz: Zur Wahl: a) Der Gedanke der Volkssouveränität als Grundlage der heutigen Reichsverfassung. b) Welche Wesenszüge der Romantik spiegeln sich in BrentanosGeschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl? c) Wie zeigt sich die Eigen- art der verschiedenen graphischen Techniken bei der Darstellung der Landschaft? d) Gibt es Mittel und Wege, die Gefahren aus der Abhängigkeit unserer Wirtschaft vom Auslande zu beseitigen oder wenigstens zu mindern?

2. Lateinische UÜbersetzung: Caesar, bellum civile IlII, cap. 85, 86..

3. Statt der lateinischen Ubersetzung konnte ein französisches Resumé gewählt werden: La Grève des forgerons(Coppée).

4. Englische Nacherzählung: A Wise Judgément.

Mathematische Aufgaben: a) Erörtere die Funktion

l b) In den

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Schnittpunkten Pi und P, der Parabel y2= 8 x mit der Geraden 8X 5y= 6sind die Tangenten gezogen. Wo und unter welchem Winkel schneiden sich die in P und Pa ge- zogenen Tangenten? Wie groß ist der durch die Sehne PrPa gebildete Parabelabschnitt?(Analytische Geometrie). c) In ein gegebenes Dreieck ABC ist eine Gerade so zu legen, daß das abgeschnittene Dreieck BUV ein Drittel Inhalt des Dreiecks ABChat und die Strecke UV möglichst klein wird(Differentialrechnung).

Folgende Jahresarbeiten wurden von Schülern der Oberprimen eingereicht: 1. Die elektrischen Schwingungen, ihre Erzeuger- und Ubermittlungsanordnungen. 2. Das mitteleuropäische Nationalitätenproblem.

y= sin(E 5 1 Differentialrechnung).

Künstlerischer und technischer Unterricht.

Jede Klasse hatte wöchentlich zwei Stunden Zeich- nen. Da die Schule nur einen Zeichensaal hat, mußten wieder einige Stunden in der Klasse gegeben werden (die Klassen wechselten). Im Sommer wurde viel im Freien gezeichnet. Die Quinta a stellte wieder buch- künstlerisch ausgestattete Erzählhefte zusammen. Die graphischen Techniken wurden noch mehr als früher sowohl im Klassenunterricht wie auch in einer Arbeits- gemeinschaft gepflegt. Die Ausstellungen des Kunst- vereins, das Landesmuseum, die staatliche Gemälde- galerie, die städtische Galerie und das Tapetenmuseum sind fleißig besucht worden. In den Osterferien konnte endlich auch der Zeichensaal neu hergerichtet werden. Die Vorbereitungen für eine Osterausstellung mußten leider infolge des plötzlichen Todes des Oberschullehrers Rudolph aufgegeben werden.

Am Werkunterricht nahmen Schüler aller Klassen- stufen teil. Mit besonderem Eifer wurden Holzarbeiten hergestellt.

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Der Musikunterricht lag in den Händen des Ober- schullehrers Knöpfel. Die Sexta und die Quinten hatten wöchentlich je zwei Stunden Singen. Die übrigen Klassen wurden nach Jahrgängen zu sieben Gruppen zusammengefaßt; jede hatte wöchentlich eine Stunde Musik. Außerdem bestand ein großer gemischter Schul- chor, ein kleiner Chor(Männerchor der Oberstufe) und eine Instrumentengruppe. Instrumentengruppe und Chöre wirkten bei allen Schulfeiern mit; vor allem trugen sie zum Gelingen der Abendunterhaltung in der Stadthalle bei. Einzelne stimmlich oder instrumental begabte Schüler wurden durch Sonderunterweisung angeregt und gefördert. Der alte, unbrauchbar gewordene Flügel konnte zu Be- ginn des Jahres durch einen neuen ersetzt werden. Für die Instrumentengruppe wurde eine Viola beschafft. Etwa 60 Schüler der Oberstufe besuchten mit dem Musik- lehrer die internationale AusstellungDie Musik im Leben der Völker in Frankfurt. Die Reise gab dem Musikunterricht mancherlei wertvolle Anregung.

Jede Klasse hatte zwei Stunden Turnen. Nach Möglichkeit wurde im Freien und mit Turnhose geturnt. Die Turnspiele fanden am Mittwochnachmittag statt. Die Schule benutzte die Waldauer Wiesen, die Hessen- kampfbahn und den Platz des Schüler-Rudervereins. Im

Winterhalbjahr trat an die Stelle der Turnspiele Hallen-

turnen; bei geeignetem Wetter wurde der Nachmittag auch zu Wanderungen, Waldläufen und Wintersport benutzt. Die Schule beteiligte sich am Staffellauf Wilhelmshöhe-Kassel, an den Schlagballwettspielen der höheren Schulen Kassels und den Reichsjugendwett- kämpfen. Die letzteren fanden am Vormittag des Sommer- festes in der Hessenkampfbahn statt. 45 Schülern konnte die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten gegeben werden. Die drei besten Turner jeder Klasse erhielten Eichen- kränze. An den Staffelläufen nahmen alle Klassen teil. Den Siegerklassen wurden im Zeichenunterricht her- gestellte Ehrenurkunden überreicht.

Zum Baden und Schwimmen wurden das Städtische Flußbad und der Platz des Schüler-Rudervereins benutzt. Lehrplanmäßig wurde Schwimmunterricht im Sommer in den mittleren und einigen oberen Klassen in je einer wöchentlichen Vor- und Nachmittagsstunde erteilt. Die Freischwimmprüfung(20 Minuten Schwimmen, davon 15 Minuten stromauf) bestanden 80 Schüler. Die Gesamt- zahl der Freischimmer ist jetzt 208= 33,4% gegen 201= 31,1% des Vorjahres. Uber dem Durchschnitt standen: OIIla mit 71,4%, Ola mit 66,7%, OIlb mit 58,1%, UIIla mit 56,8%, OIla mit 56,3%, OIIIb mit 54,5% der Schüler.

Zur Einführung in die Reichskurzschrift war ein Lehrgang mit zwei Wochenstunden eingerichtet, an dem sich 24 Schüler der Mittelklassen beteiligten.

2. Lehrer und Schüler.

Uber die Lehrerschaft ist folgendes zu berichten: Im Berichtsjahr waren studienhalber längere Zeit im Auslande die Studienräte Askevold, Dr. Bromm, Dünkel, Dr. Froeb und Riemann.

Krankheit zwang Oberstudiendirektor v. Hanxleden und die Studienräte Boehlke, Dr. Casper und Dr. Schmicdt, mehrere Wochen den Unterricht auszusetzen.

Oberschullehrer Rudolph nahm im Sommer an einem Kursus für Ruderlehrer in Wannsee teil. Er

verstarb am 24. Dezember 1927 nach kurzer Krankheit. Was der Verstorbene der Schule gewesen ist, mag der Nachruf sagen, den ihm die Schule widmete:Am 24. Dez. ds. Js. verschied nach kurzer, schwerer Krankheit, erst 37 Jahre alt, der Oberschullehrer am Realgymnasium II Alfred Rudolph. Seit 1921 hat er als Zeichen- und Werk- lehrer an unserer Schule gewirkt. Als der Treuesten einer lebte er nur seinem Berufe und seiner Kunst; ihnen opferte er alles, und aus ihnen schöpfte er seine